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Zum Verzweifeln: Mario Gomez erzielte in seinen letzten 13 Länderspielen kein Tor © getty

Mario Gomez ist der Verlierer im DFB-Team nach dem Sieg gegen Liechtenstein. Doch Mitspieler und Trainer vertrauen ihm.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig - In der Bundesliga hui, in der Nationalmannschaft pfui:

Völlig apathisch stand Mario Gomez nach dem Abpfiff auf dem Rasen der Leipziger WM-Arena und konnte sein Pech nicht fassen.

"Da war einfach nur eine Leere in mir", gab der Torjäger außer Dienst einen Einblick in sein Seelenleben.

Trotz des 4:0-Pflichtsiegs gegen Liechtenstein war Gomez der große Verlierer der Partie und wurde von den eigenen Anhängern sogar lautstark ausgepfiffen.

Seit über einem Jahr und insgesamt 643 Minuten ist der Stuttgarter ohne Treffer in der DFB-Auswahl - und fängt langsam an, an seinem "Torfluch" zu verzweifeln. (EINZELKRITIK: Gomez wie ein Fremdkörper)

"Es ist wie verhext"

"Es ist unerklärlich für mich. Ich mache nichts anderes als davor. Aber so bald ich auf den Platz gehe, ist es wie verhext", sagte Gomez.

Immerhin kann er sich der Unterstützung seiner Mitspieler sicher sein und auch Joachim Löw baute den Deutsch-Spanier auf. "Kopf hoch. Jetzt machst Du Dein Tor in Wales", sagte der Bundestrainer noch in der Kabine zu Gomez. (NACHBERICHT: Gedämpfte Stimmung nach dem ersten Schritt)

Auch am Mittwoch in Cardiff dürfte er wieder neben Lukas Podolski in der Startelf stehen, auch wenn Patrick Helmes als bester deutscher Bundesliga-Torschütze vernehmlich mit den Hufen scharrt.

Lattek: Löw muss Gomez weiter vertrauen

"Löw weiß aber, dass Helmes kein Kopfballspieler ist. Gomez ist der Einzige - wenn Klose ausfällt - der oben in der Luft was machen kann", meinte Udo Lattek im DSF-Doppelpass. (LATTEK-KOLUMNE: "Man kann nicht auf Gomez verzichten")

"Gegen einen Gegner, der destruktiv spielt, der hinten drin steht, brauche ich einen wie ihn. Man kann eigentlich gar nicht auf ihn verzichten. Irgendwann macht er sein Tor."

Auch Löw hofft auf das rasche Ende der Durststrecke: "Es wäre natürlich schön gewesen, wenn er gegen Liechtenstein getroffen hätte. Aber ich bin sicher, dass der Knoten schon bald bei ihm platzen wird."

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25 Pflichtspieltreffer für Stuttgart

Allerdings entwickelt sich die Tor-Blockade immer mehr zu einem mentalen Problem. Schließlich trifft Gomez beim VfB Stuttgart nach Belieben und hat in dieser Saison schon 25 Pflichtspieltore auf dem Konto.

Doch in der Nationalelf herrscht seit dem Doppelpack beim 4:0 am 26. März 2008 gegen die Schweiz Flaute. Dabei hängen Gomez vor allem die beiden vergebenen Großchancen bei der EM gegen Polen und gegen Österreich nach.

"Ich bin seitdem den Erwartungen des Trainers, der Mannschaft und der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden", hatte er vor dem Spiel gegen Liechtenstein im Interview mit Sport1.de zugegeben.

Daher seien die Fans bei Länderspielen sehr skeptisch geworden: "Im Moment spüre ich bei einigen ein gewisses Misstrauen, da werde ich als Chancentod und was weiß ich bezeichnet."

Leipziger Pfeifkonzert

Dass Gomez ungewollt auf dem Weg zum Buhmann der Fußball-Nation ist, wurde am Samstag deutlich. Als er nach 68 Minuten einen Ball weit übers Tor schoss, prasselte ein gellendes Pfeifkonzert auf ihn.

Auch danach waren bei jeder Aktion Pfiffe zu hören. "Ich weiß nicht, ob ich irgendwas verbrochen habe. Jedem Menschen, der so ausgepfiffen wird, tut das natürlich weh", gab der 23-Jährige zu.

"Ich verstehe die Fans aber auch. Ich treffe Woche für Woche in der Bundesliga und hier dann nicht. Aber jeder kann sicher sein: Ich mache das nicht extra."

Bierhoff wirbt um Verständnis

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff warb daher um Verständnis und verwies auf seine eigenen Erfahrungen. "Jeder Stürmer hat in seiner Karriere solche Phasen durchgemacht. Auch Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und ich", sagte der einstige Weltklasse-Torjäger.

"Und wenn einem dann gleich die erste Chance nicht gelingt, dann spielen sich Dinge im Kopf ab, die auch nicht dazu beitragen, dass man sicherer wird."

Bierhoff weiß, wovon er spricht. Denn als er beim 0:0 gegen Finnland im Oktober 2001 mehrere Großchancen vergab und die deutsche Mannschaft dadurch die direkte WM-Teilnahme verpasste, wurde er ebenso gnadenlos ausgepfiffen wie diesmal Gomez.

Ähnlich wäre es im Hinspiel in Liechtenstein wohl auch Miroslav Klose ergangen, wenn die Partie vor heimischem Publikum stattgefunden hätte. Bei damaligen 6:0 war der WM-Torschützenkönig von 2006 ein Schatten seiner selbst und stand danach heftig in der Kritik.

Klose als Vorbild

Doch Klose zeigte die perfekte Reaktion und erzielte beim anschließenden 3:3 in Finnland alle drei Treffer. Gomez will sich daran ein Beispiel nehmen.

"Wenn ich die Pfiffe nicht mehr hören will, dann muss ich eben ein Tor machen", sagte er. "Ich werde nicht davonlaufen. Ich war immer ein Kämpfer und werde auch jetzt kämpfen."

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