vergrößernverkleinern
Mario Gomez versuchte es gegen Liechtenstein aus allen Lagen... © imago

Trotz Torflaute und Pfeifkonzert: Mario Gomez verliert nicht den Mut - und bekommt Zuspruch von einem Teamkollegen.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig - Playstation statt Psychologe:

Mario Gomez verzichtet trotz seiner anhaltenden Tor-Flaute in der Nationalmannschaft weiter auf Hilfe von DFB-Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann.

Stattdessen versucht er die Enttäuschung durch Gespräche mit seinen Freunden und Computer-Tennis gegen seinen Kumpel Andy Beck zu verdrängen.

"Da habe ich wenigstens ein paar Bälle versenkt", nahm Gomez die 643 Minuten in der DFB-Auswahl ohne Treffer mit Humor (Mario Gomez im Interview).

"Mario hat ein dickes Fell"

Auch sein früherer Stuttgarter Mitspieler Beck half bei der Frustbewältigung. "Mario hat ein dickes Fell und kann sehr gut mir der Situation umgehen, sagte der Hoffenheimer zu Sport1.de.

"Er beweist Woche für Woche in Stuttgart seine Torgefährlichkeit und wird es auch früher oder später in der Nationalmannschaft wieder beweisen."

Davon geht auch Joachim Löw aus, der seinem Problemfall bereits eine Einsatzgarantie für das Schlüsselspiel in der WM-Qualifikation am Mittwoch in Wales (ab 20.15 Uhr LIVE) gab (DATENCENTER: Die WM-Qualifikationsgruppe 4).

"Er hat unser Vertrauen und wird es auch behalten. Auch Miroslav Klose hatte vor seinen drei Treffern in Finnland eine Durststrecke, auf einmal klappt es dann bei Stürmern wieder", erklärte der Bundestrainer.

Bierhoffs spezielle Rückendeckung

Rückendeckung bekam Gomez zudem vom früheren Weltklasse-Stürmer Oliver Bierhoff, der auf der Pressekonferenz vor dem Abflug von Leipzig nach Cardiff am Montag einen Spruch der Basketball-Legende Michael "Air" Jordan vorlas.

"Ich habe in meiner Karriere 9000 Würfe daneben geworfen, fast 300 Spiele verloren und 26-mal wurde mir der entscheidende Wurf anvertraut - und ich habe ihn verfehlt", zitierte Bierhoff.

[image id="7d564df5-6670-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Ich habe in meinem Leben immer und immer wieder versagt, und daher war ich so erfolgreich."

Oder mit den eigenen Worten des Nationalmannschafts-Managers: "Alles reine Kopfsache."

Löw zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass Gomez dem mit jeder erfolglosen Länderspielminute steigenden Druck gewachsen ist.

"Mario glaubt weiter an seine Qualitäten"

"Mario ist relativ selbstbewusst und geht ohnehin kritisch mit seinen Leistungen um. Ich habe noch einmal mit ihm gesprochen, er glaubt weiter an seine Qualitäten", sagte er.

Der 23-Jährige verwies derweil auf seine erfolgreiche Quote von bislang 23 Pflichtspieltreffern in Stuttgart. "Krise ist, wenn ich nicht mehr weiß, was ich machen muss. Aber das ist bei mir nicht der Fall", meinte der Deutsch-Spanier.

Gleichzeitig zeigte sich Gomez aber auch ratlos: "Ich kann mir ja auch nicht erklären, warum es in der Nationalmannschaft im Moment nicht klappt." (EINZELKRITIK: Gomez wie ein Fremdkörper)

Harte Kritik von Fischer

Während er sich der Unterstützung des Teams sicher sein kann, mehren sich die kritischen Stimmen der Experten. So ging Ex-Torjäger Klaus Fischer hart mit dem Stürmer ins Gericht.

"Er hat jetzt ein Jahr lang kein Tor mehr gemacht. Noch nicht einmal gegen Liechtenstein oder Vorwärts Indien. Der hätte früher nie wieder gespielt. Heute darf ja jeder, der geradeaus laufen kann, in der Nationalmannschaft spielen", sagte Fischer im Gespräch mit Sport1.de. (Zum Interview: "Gomez trifft nicht mal gegen Vorwärts Indien")

Probleme bei Schweinsteiger

Zumindest nicht richtig laufen kann derzeit Bastian Schweinsteiger, der wegen Adduktorenproblemen am Montag nicht trainieren konnte. Sein Einsatz gegen Wales ist aber nicht in Gefahr.

Auch sonst dürfte im Millenium-Stadion die gleiche Startelf wie gegen Liechtenstein auflaufen. Also erneut mit Serdar Tasci, Marcell Jansen und Andreas Beck auf den umkämpften Positionen.

"Das Vertrauen des Trainers hat mich natürlich gefreut", sagte Beck nach seinem ersten Länderspiel von Beginn an zu Sport1.de. "Jetzt werde ich mich anstrengen, dass ich auch in Wales zum Einsatz komme."

Dort erwartet der Rechtsverteidiger eine wesentlich schwerere Aufgabe als gegen Liechtenstein: "Wir wissen, dass es nicht einfach werden wird. Aber wir fahren ganz klar dahin, um drei Punkte mitzunehmen."

Im Fernduell mit Russland zählt nur ein Sieg

Nur ein Sieg zählt im Fernduell mit Russland um den Gruppensieg. Das gab auch die sportliche Leitung als Marschroute aus.

"Wir wollen unsere Tabellenführung weiter ausbauen und uns möglichst schon vor dem Spiel gegen Russland im Oktober für die WM qualifizieren, damit wir dann nicht so eine Drucksituation haben?, erklärte Bierhoff.

"Deshalb dürfen wir auf keinen Fall Punkte liegenlassen. Wir sind Vize-Europameister. Da muss es unser Anspruch sein, auch auswärts gegen eine Mannschaft wie Wales zu gewinnen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel