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Marcell Jansen (l.) mit Sport1.de-Redakteur Martin Volkmar © getty

Der Wechsel zum HSV hat Marcell Jansen gut getan. Im Sport1.de-Interview erklärt er die genauen Gründe für seinen Aufschwung.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Leipzig/Cardiff - Manchmal muss man seinen Weg etwas ändern, um das Ziel im Auge zu behalten.

Marcell Jansen hat das getan. Nach einem Jahr beim FC Bayern entschied sich der 23-Jährige im letzten Sommer für einen Wechsel zum Hamburger SV.

Und in Hamburg hat Jansen sich mit starken Partien in der Rückrunde wieder für die Nationalmannschaft aufgedrängt.

Mit dem HSV hat er noch Chancen auf drei Titel, mit der DFB-Elf will er am Mittwoch in Wales die Führung in der WM-Qualifikations-Gruppe 4 (ab 20.15 Uhr LIVE ) ausbauen. ad

Vor dem Spiel sprach Sport1.de mit Jansen und erfuhr, was seinen Aufschwung bedingt. Der 29-fache Nationalspieler ging auch auf die Konkurrenzsituation im Nationalteam - vor allem durch HSV-Teamkollegen Piotr Trochowski - ein.

Sport1.de: Sind Sie Jürgen Klinsmann eigentlich dankbar, dass Sie für den HSV und nicht mehr für Bayern spielen?

Marcell Jansen: Ich muss keinem dankbar sein. Die Entscheidung habe ich ja getroffen, denn ich habe das Gespräch mit Jürgen Klinsmann gesucht. Denn ich hatte das Gefühl, dass ein Wechsel für mich besser ist.

Sport1.de: Obwohl es im ersten Jahr sehr gut für Sie lief.

Jansen: Das Jahr beim FC Bayern war top, besser hätte es mit Meisterschaft und Pokalsieg nicht laufen können. Abgesehen von meiner Verletzung natürlich. Ich habe bei Ottmar Hitzfeld viel gelernt. Trotzdem war der Wechsel genau richtig, denn beim HSV habe ich einen ganz anderen Stellenwert.

Sport1.de: Trotzdem hatten Sie zunächst mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Warum läuft es jetzt besser?

Jansen: Es gab bei mir zuletzt eine klare Entwicklung: Je besser mein Fitnesszustand war, desto besser waren auch meine Leistungen. Und ich habe das Glück gehabt, dass ich seit Dezember ohne Pause durchtrainieren konnte.

Sport1.de: Ist das der Hauptgrund für Ihre gute Form in der Rückrunde?

Jansen: In den vergangenen Jahren war es selten, dass ich so lange keine Probleme hatte, und daher merke ich den Unterschied. Wenn man fit ist, kann man sein Potenzial natürlich besser umsetzen. Das kommt mir bei meiner Spielweise besonders zu Gute.

Sport1.de: Auch dank Ihnen hat der HSV noch Titelchancen in allen drei Wettbewerben. Wären Sie enttäuscht, wenn Sie am Ende mit leeren Händen dastehen würden?

Jansen: Es ist natürlich schön, dass wir noch so viele Chancen haben. Und wenn man so weit gekommen ist, will man auch etwas mitnehmen. Aber trotzdem wird das noch ein harter Weg. Deshalb ist es für Prognosen zu früh.

Sport1.de: Warum?

Jansen: Weil diese Saison eine Achterbahnfahrt war. Trotzdem haben wir uns bis jetzt in allen Wettbewerben sehr gut verkauft, obwohl wir viele Probleme kompensieren mussten: Abgänge, Zugänge, Sperren, Verletzungen oder Rückschläge wie das 1:4 in Gladbach. Und bei den wichtigen Entscheidungen hängt vieles an Kleinigkeiten.

Sport1.de: Ist diese Marschroute für die Mannschaft besser, weil sie sich so nicht unter Druck setzt?

Jansen: Ach was. Druck hat man immer, weil man jedes Spiel gewinnen will. Wir müssen einfach Konstanz reinbringen und deshalb schauen wir von Spiel zu Spiel. Aber das heißt ja nicht, dass wir keinen Titel gewinnen wollen. Jeder Erfolg gibt uns Kraft für die nächsten Aufgaben und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Sport1.de: Dank des Erfolgs gibt es erstmals seit Jahren wieder zwei deutsche Nationalspieler vom HSV, doch ausgerechnet mit Piotr Trochowski konkurrieren Sie um dieselbe Position. Wie beurteilen Sie die Situation?

Jansen: Ich kann links alle Positionen spielen, Troche kann auch auf anderen Positionen im Mittelfeld spielen. Aber beim HSV habe ich zu 75 Prozent im linken Mittelfeld gespielt und mich da auch für die Nationalmannschaft empfohlen. Und das ist angesichts unserer vielen guten Mittelfeldspieler ja nicht selbstverständlich.

Sport1.de: Ist das jetzt Ihre neue Lieblingsposition?

Jansen: Nein, da habe ich mich nicht festgelegt. Es ist ja viel besser, wenn man mehrere Optionen hat. Oft ist es ja auch so, dass man kurzfristig umstellen muss, auch während des Spiels. Und auch das hat mich weitergebracht. Ich bin ja noch jung und kann eine Menge lernen.

Sport1.de: Gegen Liechtenstein haben Sie Ihr zweites Länderspieltor erzielt, auch gegen Wales dürften Sie in der Startelf stehen. Welche Bedeutung hat die Partie?

Jansen: Das Spiel ist schon ein kleiner Wegweiser für uns. Nach dem Sieg gegen Liechtenstein müssen wir nachlegen, um unsere gute Ausgangsposition als Tabellenführer zu festigen.

Sport1.de: Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Jansen: Das ist eine typisch britische Mannschaft, kampfbetont, robust und mit schnellen Stürmern. Wales hat seine Qualitäten, da müssen wir schon aufpassen. Es wird nicht einfach, aber beim 2:0 vor eineinhalb Jahren in Cardiff haben wir es gut gemacht. So müssen wir auch diesmal wieder spielen.

Sport1.de: Könnte es bei einem weiteren Punktverlust eng werden mit der WM-Qualifikation?

Jansen: Wir müssen auf jeden Fall aufpassen und in jedem Spiel versuchen, drei Punkte mitzunehmen. Der erste Platz und damit die direkte Qualifikation sind das Ziel. Russland und auch Finnland haben gute Mannschaften. Da müssen wir am Mittwoch den nächsten Schritt machen und mit optimalem Engagement auftreten.

Sport1.de: Kennen Sie Südafrika schon?

Jansen: Ja, ich habe da im Dezember 2007 mit Nutella einen Werbespot gedreht. Da waren wir mehrere Tage in Kapstadt. Ein sehr schönes und interessantes Land mit sehr vielen Gegensätzen. Leider konnten wir keine Safari machen, aber vielleicht können wir das das an einem freien Tag während der WM nachholen.

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