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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Michael Ballack debütierte am 28. April 1999 beim 0:1 gegen Schottland im DFB-Team © getty

Nationalelf-Kapitän Michael Ballack spricht über das Kapitänsamt, dessen individuelle Ausübung und Teamgeist in der DFB-Auswahl.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Cardiff - Michael Ballack hat sich gewandelt in jüngerer Vergangenheit. Sagen zumindest seine Mitspieler.

"Man hat gemerkt, dass Michael sich wieder mehr einzugliedern versucht", hatte Miroslav Klose kürzlich das neue Verhalten des 32-Jährigen in der Gruppe der Nationalspieler beschrieben.

Auch Philipp Lahm hatte festgestellt, dass "Michael mehr auf Spieler zugeht": "Das hat er vorher nicht so häufig gemacht, wie man das von einem Kapitän gewohnt ist."

Ballack sieht keine Veränderungen

Ballack selbst kann an sich keine Veränderung erkennen.

Er geht zumeist mit sportlicher Leistung voran, wie zuletzt sein sehenswerter Treffer zum 1:0 gegen Liechtenstein am Samstag belegte.

Und dass er nun die Kapitänsrolle kommunikativer ausfüllt als vor seinem Disput mit Bundestrainer Joachim Löw im vergangenen Herbst, glaubt er vor dem WM-Qualifikationsspiel in Cardiff gegen Wales (ab 20.15 Uhr LIVE) auch nicht.

"Oliver Kahn war eigen"

"Das Kapitänsamt übt doch jeder anders aus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

"Oliver Kahn war doch bekannt dafür, dass er auf seine Art erfolgreich war, aber als Person trotzdem, nun, wie soll ich sagen? Dass er eigen war. Und das hat auch funktioniert."

Er, Ballack, sei aber "ein ganz anderer Typ, auch im Umgang".

Gespräche nicht wichtig für die Leistung

"Es ist auch gar nicht wichtig, ob ich mit dem einen jetzt dreimal oder zweimal gesprochen habe", behauptete Ballack weiter.

"Für mich war das als junger Spieler jedenfalls nie wichtig. Es hat mich nie beeinflusst in meiner Leistung."

Da sein eigenes Fußballerleben von Kindheit an von hierarchischem Denken geprägt war, sieht der älteste Spieler des deutschen Aufgebots kein Problem darin, dies auch den nachrückenden Akteuren zu vermitteln.

Geduld schon auf dem Hof vonnöten

"Als ich mit vier Jahren angefangen habe, Fußball zu spielen, bin ich raus auf den Hof gegangen und musste ein, zwei Stunden warten, bis ich bei den Sechs- oder Siebenjährigen mitmachen durfte", erzählt der heutige Chelsea-Legionär.

"Wenn da drei gegen drei gespielt wurde, dann musste ich am Rand sitzen und warten, bis einer nach Hause ging."

Auch zu Beginn seiner Profilaufbahn habe er erst einmal kleine Brötchen gebacken.

"Respekt musst du dir erarbeiten"

"Ich habe am Anfang meiner Karriere mit Spielern zusammengespielt, bei denen ich nicht sicher bin, ob die nach einem halben Jahr meinen Vornamen kannten", erinnerte sich Ballack. "Den Respekt musst du dir erarbeiten."

Die jungen Spieler von heute hätten allerdings "ganz andere Vorstellungen und Ansprüche. Sie schaffen es viel schneller in den Mittelpunkt und die Öffentlichkeit".

Und in die Nationalmannschaft. Ein Umstand, den auch Klaus Fischer im Sport1.de-Interview anprangerte. "Heute darf ja jeder, der geradeaus laufen kann, in der Nationalmannschaft spielen", überspitzte es der Vize-Weltmeister von 1982.

Kapitän auf der Insel unantastbar

Ballack hat in der englischen Premier League täglich vor Augen, dass jüngere Spieler durchaus bereit sind, sich unterzuordnen und Ansprüche erst nach entsprechenden Leistungen anzumelden.

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Der "Skipper" einer Mannschaft habe zudem ohnehin eine Sonderstellung.

"In England hat dieses Kapitänsamt eine viel größere Bedeutung als in Deutschland. In England wird die Rolle viel stärker glorifiziert", schilderte er. "Und wenn der Kapitän etwas sagt, dann wird das auch gemacht."

Zwischen den Zeilen ist in Versalien zu lesen, dass Ballack sich wohl wünscht, dies sei im DFB-Team ähnlich.

Nur die Mannschaft zählt

"Als Führungsspieler muss ich wissen, dass mein Verhalten, sei es nun auf oder neben dem Platz, von Bedeutung ist und nur einem Zweck dienen soll: die Mannschaft zu stärken", hat Lahm jüngst gesagt.

Ein unangefochtener Kapitän, so lautet demnach Ballacks offensichtliche Botschaft, kann der deutschen Mannschaft nur gut tun.

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