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Horst Hrubesch war 1982 Bundesliga-Torschützenkönig © getty

Der künftige Bayern-Youngster erwehrt sich nach dem Remis der U21 gegen Weißrussland seiner Kritiker. Trainer Hrubesch gefällt das.

Paderborn - Die gewünschte Trotzreaktion zeigte Alexander Baumjohann vor allem nach dem Schlusspfiff.

"Ich kann diese Scheiße nicht mehr hören", schimpfte das im Sommer zu Bayern München wechselnde Talent nach dem 1:1 (1:1) der deutschen U-21-Fußballer bei der EM-Generalprobe gegen Weißrussland (Spielbericht: U21 bleibt sieglos).

Der Mönchengladbacher, zu Schalker Zeiten von Manager Rudi Assauer als "der nächste Ballack" geadelt, reagierte damit auf die wiederholte Frage, ob er sein Talent zu lange verschenkt habe.

Dies hatte Trainer Horst Hrubesch vor dem U-21-Debüt Baumjohanns als Grund für dessen fünfjährige Abwesenheit in Junioren-Nationalteams angeführt und den 22-Jährigen damit gereizt.

Baumjohann: "Habe mir nichts vorzuwerfen"

"Ich habe das schon von einigen Trainern gehört, aber ich kann diese Kritik nicht nachvollziehen", meinte der Offensivspieler und erklärte zugleich, warum er während des zehntägigen Beisammenseins in Westfalen nicht das klärende Gespräch mit Hrubesch gesucht habe:

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen, und ich muss da auch nichts klarstellen."

Eigentlich ein ziemlich heftiger Affront, doch Hrubesch kommentierte die Schilderung vom trotzigen Gefühlsausbruch seines Spielers mit einem väterlich-gnädigen Lächeln.

Lob von Hrubesch

"Ich bin da ziemlich schmerzfrei", sagte der Europameister von 1980, der bei der Nominierung bewusst an Baumjohanns Ehre appelliert hatte:

"Diese Aussagen zeigen mir, dass er eine eigene Meinung hat, und solche Spieler gefallen mir. Ich brauche keinen Spieler, der sofort weint, wenn ich ihn anmache."

Im Training habe sich "Baumi" (Porträt) sehr gut präsentiert. "Ich muss ihm ein Lob zollen", sagte der Coach: "Es ist klasse, wie sehr er sich eingefügt hat."

Dass die Leistungen in den Spielen eher mäßig waren, ist Hrubesch dabei bewusst: "Wir wissen alle, dass er es noch besser kann."

Neue Fragezeichen beim Kaderpuzzle

Insgesamt bescherten die beiden Partien mit der höchsten Heimniederlage der U-21-Geschichte gegen die B-Nationalmannschaft der Niederlande (0:4) und der zumindest ordentlichen Leistung gegen EM-Teilnehmer Weißrussland trotz 18 Ausfällen Hrubesch beim Kader-Puzzle neue Fragezeichen.(Alle Ergebnisse und Tabellen)

Aber auch einige Antworten. "Es gibt 56 Spieler, die in Frage kommen. Wo fange ich an, und wo höre ich auf?", fragte der Coach sich selbst und kündigte an: "Ich werde mir nicht in die Karten schauen lassen."

Neuer und Marin gesetzt

Klar scheint: 9 der 23 Tickets für die Endrunde in Schweden (15. bis 29. Juni) sind sicher vergeben.

Die Schalker Manuel Neuer und Benedikt Höwedes, die Hamburger Jerome Boateng und Dennis Aogo, die derzeitigen A-Nationalspieler Serdar Tasci (VfB Stuttgart), Andreas Beck (1899 Hoffenheim) und Marko Marin (Borussia Mönchengladbach), Kapitän Sami Khedira (VfB Stuttgart) und der Hannoveraner Florian Fromlowitz als Ersatztorhüter können die Reise nach Skandinavien sicher planen.

Wagner sammelt Punkte

In der Problemzone im Sturm machte der Duisburger Sandro Wagner leicht Boden wett.

Nach dem 1:0 gegen die Weißrussen (38.) ist er weiterhin der einzige deutsche Torschütze in 2009 und empfahl sich zumindest als Stoßstürmer.

Zwar verblüffte der Ex-Bayern-Profi auch negativ durch so manch falschen Laufweg, "aber die bringe ich ihm schon noch bei", versprach Hrubesch.

"Bei dem ein oder anderen hat sich aber gezeigt, dass es nicht reicht", sagte der Coach.

Ziel bleibt der Titel

Noch sind zwei Monate Zeit bis zur offiziellen Kader-Nominierung am 1. Juni, "und bis dahin werde ich mir die Tür offen lassen".

Vom 3. bis 6. Mai steht ein weiterer Leistungstest an, es folgen Trainingslager am Tegernsee und in Barsinghausen.

Ein Test folgt nicht mehr. "Ich muss aber nicht mehr bei null anfangen", äußerte Hrubesch und fasste seine Erkenntnisse zusammen.

Das Ziel bleibt jedenfalls der Titel. "Wenn alle dabei sind, haben wir so viel individuelle Klasse, dass wir niemanden füchten müssen", sagte Aogo.

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