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Gerieten in der 73. Minute aneinander: Lukas Podolski (r.) und Michael Ballack (l.) © imago

DFB-Kapitän Michael Ballack spricht im Interview nach dem Wales-Spiel über den Podolski-Vorfall, sein Tor und die Taktik.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Cardiff - Michael Ballack stand beim 2:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft in Cardiff gegen Wales (Spielbericht) aus zweierlei Gründen im Blickpunkt.

Zum einen schoss der Kapitän, der auf vorgezogener Position gleich hinter den Spitzen agierte, mit einem sehenswerten Distanzschuss sein 41. Länderspieltor und sein Team auf die Siegerstraße (Die Einzelkritiken).

Zum anderen wurde er Opfer eines Temperamentsausbruchs von Lukas Podolski, der ihm wütend mit der Hand ins Gesicht langte (COMMUNITY: Jetzt mitdiskutieren!). Im Interview spricht Ballack über das Tor, die Taktik und den Zwischenfall.

Frage: Herr Ballack, mit ihrem Treffer haben Sie die deutsche Mannschaft erneut auf die Siegerstraße gebracht 87934(DIASHOW: Die Bilder des Spiels) . War das eines Ihrer schönsten Tore?

Michael Ballack: Das war schon ein schönes Tor. Es war wichtig, dass wir in Führung gegangen sind gegen eine Waliser Mannschaft, die viel besser gespielt hat als beim letzten Mal. Vor allem kämpferisch haben sie uns viel abverlangt. Wir hatten ein paar gute Spielzüge und gute Chancen, besonders in der ersten Halbzeit. Zwischendurch gab es auch etwas Leerlauf. Trotzdem haben wir das Spiel souverän nach Hause gebracht. Deshalb sind wir zufrieden.

Frage: Sie sind Mitte der zweiten Halbzeit mit Lukas Podolski aneinander geraten. Warum?

Ballack: Ich habe taktische Anweisungen gegeben. Es ging um Laufwege, also wirklich nichts Großartiges. Ich bin Kapitän, ich muss das in diesem Moment tun. Wenn da jemand anderer Meinung ist, kann man das nach dem Spiel klären. Aber auf dem Platz wird erstmal gemacht, was gesagt wird.

Frage: Das hat Podolski nicht getan?

Ballack: Er war leider anderer Meinung. Dass er dann auch noch handgreiflich geworden ist, ist natürlich unschön. Aber ich denke, er hat den Fehler schon eingesehen. Poldi ist kein Typ, der für solche Dinge bekannt ist. Dennoch gibt das natürlich kein gutes Bild ab.

Frage: Wie erklären Sie sich seine Reaktion?

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Ballack: Er war mit sich unzufrieden, ihm ist nicht so viel gelungen. Aber da muss er durch. Es gibt solche Spiele, in denen nicht so viel nach vorne geht. Dann kriegt man vielleicht auch noch verbal eine mit. Das muss man auch wegstecken. Daraus muss er lernen.

Frage: Wäre die Angelegenheit mit einer Entschuldigung Podolskis für Sie abgehakt?

Ballack: Absolut, ich bin ja nicht nachtragend. Wir haben uns schon kurz in die Augen geschaut und werden gleich miteinander reden. Dann ist das Thema erledigt.

Frage: War die taktische Umstellung auf das 4-2-3-1 von langer Hand geplant oder war sie durch den Ausfall von Marcell Jansen bedingt?

Ballack: Das eine schließt das andere nicht aus. Selbst wenn Marcell fit gewesen wäre, hätten wir auch in dieser Ausrichtung spielen können. Das ist Sache des Trainers. Ich wusste, dass Joachim Löw das System noch im Hinterkopf hat.

Frage: War das in Ihren Augen die richtige Wahl?

Ballack: Für ein solches Auswärtsspiel war es nicht schlecht. Der Sieg gibt ihm Recht. Aber wir waren trotz der beiden defensiven Mittelfeldspieler vor der Abwehr nicht immer so kompakt, wie es hätte sein sollen. Bei der EM haben wir das besser gespielt. Wir wissen, dass wir noch einiges zu verbessern haben, dass da noch Luft nach oben ist.

Frage: Passt das 4-2-3-1 nicht besser gegen Mannschaften, die offensiv mehr leisten als die Waliser?

Ballack: Zugegeben, Wales kommt eher über den Kampf. Aber in Europa gibt es fußballerisch bessere Mannschaften, die uns mehr abverlangen. Da ist dieses System eine gute Alternative. Die großen Mannschaften in der Premier League, sei es Manchester United oder Liverpool, spielen alle mit zwei Mann vor der Abwehr, einem davor und zwei Außenstürmern. Dieses System ist international schon sehr beliebt.

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