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Lukas Podolski (r.) kommt für seine Handgreiflichkeit gegen Ballack straflos davon © imago

Der Bundestrainer rüffelt "Poldi" für seine Handgreiflichkeit gegen Kapitän Ballack - verzichtet aber auf weitere Konsequenzen.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Cardiff - Lukas Podolski blieb eisern.

Auch auf die fünfte konkrete Nachfrage der Reporter im Bauch des Millennium Stadiums von Cardiff kam die fast identische Antwort: "Das wird intern geklärt."

Wurde es dann auch: Bundestrainer Joachim Löw reagierte auf das Handgemenge mit Michael Ballack noch am Abend mit einer Ansprache an die ganze Mannschaft (COMMUNITY: Jetzt mitdiskutieren!).

Der zu erwartende Tenor: Das darf nicht passieren.

Der General-Rüffel bleibt wohl die einzige konkrete Konsequenz: "Mit Disziplinar-Maßnahmen tut man sich beim DFB schwer. Es wird keine Geldstrafen oder sonstige Sanktionen geben", erklärte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Streit um Laufwege

Trotzdem: Die Szene, um die es ging, wird nicht als eine der ruhmreichen in seine Länderspielgeschichte eingehen.

Beim Stand von 2:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales (Spielbericht) war er in der 73. Minute mit Michael Ballack aneinander geraten 87934(DIASHOW: Die Bilder des Zoffs).

"Ich habe taktische Anweisungen gegeben. Es ging um Laufwege, also wirklich nichts Großartiges. Ich bin Kapitän, ich muss das in diesem Moment tun", schilderte der Kapitän die Angelegenheit.

Doch Podolski dachte nicht daran, er gab Widerworte. Als Ballack ihn mit einem Schubser zur Räson bringen wollte, verpasste der Stürmer ihm eine Ohrfeige.

Später erklärte "Poldi", warum er zugeschlagen hat. Der Stürmer in der "BZ": "Das hat schon in der ersten Halbzeit angefangen, als mich Michael hätte anspielen müssen. In der zweiten Halbzeit hat ein Wort das andere gegeben. In der Kabine hab ich noch nicht mit ihm gesprochen, wir klären das im Hotel."

Die "Bild" erfuhr, dass Löw nachts im Hotel erst zur gesamten Mannschaft über den Eklat sprach. Danach soll der Trainerstab zu einer Geheimsitzung mit Podolski, Ballack und Bierhoff gebeten haben.

Unschöne Handgreiflichkeit

"Dass er handgreiflich geworden ist, ist natürlich unschön. Poldi ist kein Typ, der für solche Dinge bekannt ist", hatte Ballack zuvor erklärt.

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Den Moment, den der 32-Jährige benötigte, um seine Überraschung in eine erneute Replik umzuwandeln, nutzten Per Mertesacker und Philipp Lahm dazu, um die Streithähne auseinanderzubringen.

"Ich habe nur das Wortgefecht mitbekommen, deswegen bin ich dazwischen gegangen", meinte Lahm später.

"Hagelschauer" in Cardiff

"Für mich war zu sehen, dass es da etwas hagelt, was genau auch immer das war", begründete Mertesacker sein Einschreiten.

"Wir befanden uns in einem wichtigen Spiel. Da kann es nicht nur um zwei Personen gehen. Da muss die ganze Mannschaft im Vordergrund stehen. Deshalb war es wichtig, dass man beide ermuntert weiterzumachen statt in ihrem Clinch zu verharren."

Dass sowohl Ballack als auch Podolski anschließend ihre Aggression gegen die Waliser gerichtet hätten, sei das einzig Positive an der Sache gewesen, befand der Bremer.

Löw wechselt zügig

Podolski durfte das allerdings nur noch wenige Minuten tun, ehe Löw ihn zu Gunsten von Piotr Trochowski vom Feld nahm.

"Wenn Michael Ballack als Kapitän meine taktischen Vorgaben auf dem Platz durchsetzen will, hat Lukas das zu akzeptieren", machte Löw hinterher sein Unverständnis für den Münchner deutlich.

Kritik von Bierhoff

Fußball sei eben ein emotionaler Sport, meinte Bierhoff.

"So etwas kommt mal vor. Aber eines ist klar: Wenn der Kapitän etwas sagt, sollte man so eine Reaktion vermeiden", sagte er weiter.

"Man sollte diese Aufforderung ernst nehmen und - wenn überhaupt - später in der Kabine diskutieren. Es sollte nicht auf dem Platz passieren, dass wir uns gegenseitig so angehen."

Versöhnungsbereitschaft besteht

Auch Ballack war sich bewusst, dass das DFB-Team in dieser Szene "kein gutes Bild" abgab.

Warum Podolski so heftig auf seine Anweisungen reagierte, glaubte er zu wissen: "Lukas war mit sich unzufrieden, ihm ist nicht so viel gelungen. Dann kriegt man vielleicht auch noch verbal eine mit. Das muss man auch wegstecken. Daraus muss er lernen."

Von seiner Seite bestehe jedoch Versöhnungsbereitschaft. "Ich bin ja nicht nachtragend", so Ballack. Nach der Aussprache im Hotel sollen sich die beiden "Streithähne" übrigens in die Augen geschaut und abgeklatscht haben.

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