Klassenziel erreicht, Betragen mangelhaft: Poldis Ohrfeige für Ballack ist einerseits verständlich, aber doch völlig daneben.

Das Urteil ist schnell gefällt. Lukas Podolskis Handgreiflichkeit gegen Michael Ballack fällt in die Kategorie "Geht gar nicht".

Die Autorität des eigenen Kapitäns derart zu ignorieren respektive untergraben, zeugt von einem Mangel an Respekt.

Ballack hatte nicht nur qua Amt das Recht, Podolski Anweisungen zu geben.

Er war auch durch die beiden spektakulären Führungstore gegen Liechtenstein und in Wales in der Position, seinen Führungsanspruch mit Leistung gerechtfertigt zu haben.

Podolskis Darbietung hingegen hatte in Cardiff - sagen wir es diplomatisch - noch Luft nach oben.

Dass er selbst darüber verärgert war und nach Ballacks sicher nicht zarter Kritik ein Ventil brauchte, ist menschlich betrachtet sogar verständlich, aus professioneller Sicht aber völlig inakzeptabel.

Die Szene hat das sportliche Resultat der beiden WM-Qualifikationsspiele ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Das Fazit fällt grundsätzlich positiv aus.

Denn die Mannschaft hat ihr Ziel, sechs Punkte zu holen, ohne großen Aufwand und vergleichsweise ungefährdet eingefahren. Der Vorsprung auf die Russen beträgt weiter vier Punkte.

Dass Schiedsrichter Terje Hauge dem Team in Wales mit der falschen Einwurfentscheidung vor Ballacks 1:0 und dem nicht gegebenen Elfmeter zum möglichen 1:1 die Arbeit erleichterte, sei dabei nicht verschwiegen.

Sportliche Glanzlichter waren angesichts der Kontrahenten kaum zu erwarten. Das 4:0 gegen Liechtenstein wurde am Mittwoch allerdings nachträglich dadurch aufgewertet, dass Russland in Vaduz gerade einmal 1:0 gewann.

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Nicht zu verschweigen ist dennoch, dass bis zum Gruppengipfel in Moskau deutlicher Steigerungsbedarf besteht.

In Cardiff produzierte das DFB-Team eine bedenkliche Anzahl an Abspiel- und Stellungsfehlern ? stellvertretend seien hier die fahrig wirkenden Andreas Beck und Serdar Tasci genannt.

Im Spiel nach vorne fehlte zumeist die Zielstrebigkeit, im Abschluss die Sicherheit.

Dass auch die mannschaftliche Geschlossenheit ausbaufähig ist, bedarf nach dem eingangs behandelten Vorfall kaum mehr der Erwähnung.

Kurz: Klassenziel erreicht, Betragen mangelhaft.

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