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Michael Ballack (l.) bestritt 92 Länderspiele, Lukas Podolski bislang 62 © imago

Der Ärger zwischen dem DFB-Kapitän und Lukas Podolski gärt weiter. "Poldi" zeigt aber Reue und spendet einen Obolus.

Von Martin Hoffmann

München - Alle Mühe haben die DFB-Oberen sich gegeben, die Sache kleinzuhalten.

Schnell hat Teammanager Oliver Bierhoff erklärt, dass Lukas Podolski keine Strafe für seine Backpfeife gegen Kapitän Michael Ballack beim 2:0 in Wales bekommen würde 87934(DIASHOW: Die Bilder des Zoffs).

Und es wurde auf eine schnelle Aussprache zwischen den beiden Streit hingewiesen, in der sich die beiden tief in die Augen und dann abgeklatscht haben (Löw stutzt "hauenden Lukas" zurück).

Immerhin: Podolski hat offensichtlich eingesehen, dass sein Verhalten unangemessen war und seiner Vorbildsfunktion nicht entsprach.

5.000 Euro aus der Portokasse

5.000 Euro spendet "Poldi" nun einer Fair-Play-Aktion, wie der Stürmer DFB-Manager Oliver Bierhoff am Freitag mitteilte.

DFB-Präsident begrüßte die Entscheidung als "gute und richtige Geste angesichts seines inakzeptablen Verhaltens."

Aber: Podolski, der bei Bayern ein Millionengehalt einstreicht, kassiert in der WM-Qualifikation pro Spiel 12.500 Euro an Prämien - sollte sich die DFB-Elf am Ende für die WM qualifizieren.

Ende gut, alles gut? Nicht so ganz. Ballack, der Getroffene, hat sich doch noch einmal in einer Weise zu Wort gemeldet, die dafür spricht, dass es noch in ihm gärt.

"Das ist nicht zu tolerieren", hielt er in der "Bild" zu Podolskis Ausraster fest 88031(DIASHOW: Die größten Fußball-Ausraster).

Schrie Podolski das "A-Wort"?

Ballacks Ärger ist erklärlich, wenn stimmen sollte, was die Zeitung über den Wortlaut des Zoffs berichtet.

"Er war leider anderer Meinung" beschrieb Ballack selbst diplomatisch Podolskis verbale Reaktion auf die Anweisung, besser auf seine Laufwege zu achten.

Laut "Bild" hat Podolski seine abweichende Meinung in folgenden Worten geäußert: "Halt's Maul! Lauf selber, du A... loch!"

Wobei Podolski beteuert: "Ich habe derartige Worte nicht benutzt."

Nachträgliche Sperre möglich

Podolskis anschließende Handgreiflichkeit könnte übrigens noch Folgen haben.

Eine nachträgliche Sperre ist prinzipiell denkbar, weil im Regelwerk auch eine Tätlichkeit gegen einen Mitspieler strafbar ist.

"Wenn es eine Backpfeife war, dann ist es eine Rote Karte", stellte der DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel fest: "Unabhängig ob man einen Teamkollegen oder einen Gegner schlägt."

Die FIFA hat den Bericht von Schiedsrichter Terje Hauge noch nicht ausgewertet. Hat er den Vorfall nicht gesehen, ist die Grundlage für eine Sperre per TV-Beweis gegeben.

Schmierstoff für Debatten

Aber selbst wenn es nicht dazu kommt: Der Vorfall ist Schmierstoff für allerlei Debatten, die sich um Podolski, um Ballack und auch um Löws Krisenmanagement drehen.

Podolskis Reaktion auf Ballacks Anweisung untermauert für kritische Kollegen zwei seiner großen Schwächen: Sein zu geringes und teils falsches Laufspiel - und seine fehlende Neigung auf Anweisungen von Führungsspielern zu hören.

In Sachen Ballack steht dagegen die Sorge im Raum, dass der 32-jährige Kapitän der Zugang zu seinen meist jüngeren Teamkollegen fehlt - wie eben dem 23-jährigen Podolski.

"Auch bei Kuranyi hätte man so milde reagieren sollen"

Aber auch Löws Verzicht auf eine Geldstrafe oder eine sonstige Sanktion für Podolski erntet nicht überall Zustimmung.

Die Sport1.de-User liegen zwar größtenteils auf Löws Linie: Von rund 18.000 Trend-Teilnehmern findet nur eine Minderheit von 42,1 Prozent, dass Podolski bestraft gehört.

Aber es regt sich Kritik an dem Missverhältnis zwischen den Konsequenzen für Podolskis Ausraster und der Nationalmannschaftsflucht von Stürmerkollege Kevin Kuranyi, der aus dem DFB-Team geworfen wurde.

Das moniert etwa Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp: "Ich denke, auch bei Kuranyi hätte man so milde reagieren sollen."

Nur eine einmalige Eruption?

Die über allem stehende Frage ist die, ob der Ballack-Podolski-Zoff eine einmalige Eruption war - oder Zeichen einer tieferen Missstimmung im DFB-Team.

Ein gutes Zeichen ist vielleicht, dass Podolski sich nur kurze Zeit nach seinem Wutausbruch wieder von seiner humorvollen Seite gezeigt hat.

Auf dem Rückflug aus Cardiff hat er sich eine Kissenschlacht mit Ersatzkeeper Tim Wiese geliefert.

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