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Stefan Effenberg spielte 35 Mal für die deutsche Auswahl © imago

Der langjährige Bayern-Kapitän kritisiert Michael Ballack dafür, Lukas Podolski nach dessen Ohrfeige nicht die Leviten gelesen zu haben

Von Annette Bachert

München - In der Diskussion um die Ohrfeige von Lukas Podolski für Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack während des 2:0 im WM-Qualifikationsspiel in Wales hat sich nun Stefan Effenberg zu Wort gemeldet.

In der "Bild am Sonntag" geht er mit Ballack, dem Geschädigten dieser Aktion, hart ins Gericht:

"Michael Ballack hat einen großen Fehler gemacht, nachdem ihn Poldi geohrfeigt hat: Er hätte viel härter sein und richtig Stärke zeigen müssen."

"Der hätte heute noch Schmerzen"

Effenberg hat genaue Vorstellungen, wie dies hätte aussehen sollen. "Ballack hätte Podolski nach dessen Aktion auf dem Platz packen und durchschütteln müssen", meint der Ex-Nationalspieler. "Damit Millionen TV-Zuschauer sehen: Junge, mit mir nicht!"

Zu seiner Zeit habe es solche Dinge nicht gegeben: "Wenn sich das früher einer bei Oliver Kahn oder mir getraut hätte, der hätte heute noch Schmerzen. Früher hätten die älteren Spieler Podolski die Leviten gelesen und das Thema wäre erledigt."

Ballack indirekt beschädigt

Effenberg zufolge ist das ein generelles Problem des Michael Ballack. Es scheine so, als ob er in der Mannschaft keine Akzeptanz habe.

Auch dass sich nach dem Spiel niemand so richtig über die Szene aufgeregt habe, sei ein Indiz dafür: "Es sieht jedenfalls so aus, dass Ballack noch mal indirekt beschädigt wurde."

Sammer ist verärgert

Bereits am Samstag hatte sich DFB-Sportdirektor Matthias Sammer zu dem Vorfall geäußert.

Bei "Premiere" beklagte er ein generelles Hierarchieproblem in Deutschland und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Effenberg.

"Mich ärgert wahnsinnig, dass wir nicht begriffen haben und eine Diskussion in Deutschland führen, die sich mehr auf das Sportlich-Inhaltliche beschränkt", meinte Sammer. "Aber viel wichtiger ist, dass die jungen Spieler demütig und bescheiden Hierarchien anerkennen."

Mangelnder Respekt der Jungen

Sammer konkretisiert: "Es hätte sich früher kein junger Spieler, egal ob bei einem Sammer, einem Effenberg, einem Seeler, einem Hoeneß oder einem Fritz Walter auch nur ansatzweise getraut, die Hand zu erheben, geschweige denn, mehr zu tun."

Franz Beckenbauer hatte in seiner "Bild"-Kolumne die Aktion Podolskis als "schweren Missgriff" gebrandmarkt. "Wenn die Ohrfeige gegen Michael Ballack straffrei bliebe, wäre das wohl kaum das richtige Signal", fand der "Kaiser" und liegt damit mit Effenberg und Sammer auf einer Linie.

Lattek zweifelt an Versöhnung

Für die direkt Betroffen scheint der Vorfall indes erledigt. Podolski hatte öffentlich eingeräumt, "dass ich Mist gebaut habe" ("Ich habe Mist gebaut")

Doch nicht nur Udo Lattek geht davon aus, dass die Ohrfeige Spätfolgen haben wird. "Ballack und Podolski", sagte Lattek im DSF-Doppelpass, "werden nie wieder Freunde werden."

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