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SPORT1-Nationalmannschaftsreporter Thorsten Mesch interviewt Erik Durm. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des WM-Trainingslagers © SPORT1

Vor dem Länderspiel gegen Kamerun spricht Dortmunds Erik Durm bei SPORT1 über den DFB, Jürgen Klopp und Cristiano Ronaldo.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzkyund Onur Özdamar

St. Leonhard - Erik Durm strahlt seit Tagen.

Eigentlich wollte der 22-Jährige den Sommerurlaub dazu nutzen, um sich von seiner ersten Profi-Saison bei Borussia Dortmund zu erholen.

Immerhin 19 Spiele absolvierte er in seiner Premieren-Spielzeit für den BVB. Doch dann kam alles ganz anders. Sehr zur Freude Durms.

Der Abwehrspieler musste nämlich seine Koffer aus einem ganz anderen Grund packen. Bundestrainer Joachim Löw rief an und teilte ihm mit, dass er zum vorläufigen Kader der Deutschen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Brasilien gehört.

Also ging es für den Dortmunder ins Trainingslager nach Südtirol (895607DIASHOW: Das Trainingslager in Südtirol).

Mittlerweile scheint Durm scheint gute Chancen zu haben, am Montag den Sprung in Löws endgültigen WM-Kader zu schaffen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Vor dem Länderspiel gegen Kamerun (ab 20 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Durm im SPORT1-Interview über seine Nominierung, Jürgen Klopp und das Wiedersehen mit Cristiano Ronaldo.

SPORT1: Herr Durm, können Sie kurz erzählen, wie Sie von Ihrer Nominierung für den vorläufigen Kader erfahren haben?

Durm: Der Anruf kam relativ spät abends. Es war sehr schön, dass der Bundestrainer persönlich angerufen hat. Als junger Spieler träumt man davon, für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Dass der Anruf gerade zur vorläufigen WM-Nominierung kam, war überwältigend und eine riesige Überraschung für mich. Ich werde den Tag nie vergessen. (SPORT1-SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen)

SPORT1: Wie lange hat der Anruf gedauert?

Durm: Vielleicht fünf Minuten. Er hat gesagt, dass sie viele Spiele von mir gesehen haben, dass ihnen mein Fußball sehr gefällt und ich eingeladen bin. Dass man da nicht nein sagt, ist ja klar (lacht).

SPORT1: Wen haben Sie danach zuerst angerufen?

Durm: Meine Mama und meinen Papa. Meine Eltern waren sehr stolz und auch sehr aufgeregt und aus dem Häuschen.

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SPORT1: Wie schafft man es, dass so eine Nachricht geheim bleibt?

Durm: Ich habe es nur meinen Eltern gesagt. Meine Schwester hat es auch erst nach der Nominierung erfahren. Sie hat an dem Tag gearbeitet, ich glaube, sie hat es im Radio gehört.

SPORT1: Wie sind Sie im DFB-Team aufgenommen worden?

Durm: Ich bin vom ersten Tag an super aufgenommen worden, auch von den gestandenen Spielern. Das macht den Teamspirit unserer Mannschaft aus.

SPORT1: Sie haben das Champions-League-Finale mit der Mannschaft geschaut. Haben Sie dabei gedacht: Hier könnte ich auch bestehen?

Durm: Es war toll zu sehen, dass wir die Mannschaft, die den Titel verdient gewonnen hat, geschlagen haben. Dass wir sie in Dortmund von der ersten bis zur letzten Minute dominiert haben.

SPORT1: Freuen Sie sich auf ein mögliches Wiedersehen mit Cristiano Ronaldo bei der WM?

Durm: Er ist einer der wenigen Ausnahmespieler, wurde zum besten Fußballer der Welt gekürt. Er ist eine Tormaschine. Umso wichtiger ist es, keine Furcht vor ihm zu haben. Wir haben in unserer Nationalmannschaft genau solche Weltklassespieler. Wir sind ein super Team, sind hier sehr gut zusammengewachsen und gehen mit breiter Brust in das erste Gruppenspiel gegen Portugal.

[kaltura id="0_t8tgf350" class="full_size" title="L ws berraschende Pl ne gegen Kamerun"]

SPORT1: In Dortmund haben Sie den verletzten Marcel Schmelzer ersetzt und sich ins Blickfeld des DFB-Teams gespielt. Wie gehen Sie mit der Situation um, dass sie im Verein Kollegen sind, hier aber Konkurrenten und vielleicht einer von beiden vor der WM nach Hause geschickt wird?

Durm: Zunächst will ich sagen, dass ich zu Marcel eine super Freundschaft habe. Ich sehe auch gar keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Dass wir uns auf dem Platz gegenseitig puschen, kommt uns beiden zugute. Trotzdem muss man sagen, dass Marcel schon seit fast vier Jahren Nationalspieler ist. Ich bin erst seit einer Woche dabei. Marcel ist ein gestandener Stammspieler, hat mit dem BVB zweimal die Meisterschaft und einmal das Double gewonnen. So etwas habe ich noch nicht erreicht und darum stelle ich mich hinten an.

SPORT1: Jürgen Klopp hat Sie in Dortmund vom Stürmer zum Verteidiger umgeschult. Welche Rolle hat er sonst noch für Sie gespielt?

Durm: Herr Klopp hat eine riesengroße Rolle für mich gespielt. Er hat mich ins Profiteam hochgeholt und mich zum Außenverteidiger umgeschult. Es war nicht ganz einfach am Anfang, ich war ja 15 Jahre lang Stürmer. Bis jetzt habe ich keinen Schritt bereut. Dass ich nach einem Jahr schon hier bei der Nationalmannschaft bin, das hätte ich als Stürmer nicht geschafft. So ehrlich muss man sein. Deswegen bin ich umso glücklicher, dass mich Jürgen Klopp umgeschult hat.

SPORT1: Welche Parallelen gibt es zwischen Klopp und Joachim Löw?

Durm: Bei Jürgen Klopp und dem Bundestrainer steht der moderne Fußball im Vordergrund. Das kommt uns Spielern zugute. Wir beim BVB binden auch die Außenverteidiger stark ins Offensivspiel ein. Weil ich selbst lange Stürmer war, kenne ich ihre Tricks und kann ein bisschen besser antizipieren. Natürlich zählt zunächst die Defensive, aber nach vorn ist im modernen Fußball als Außenverteidiger alles möglich.

SPORT1: In wieweit denken Sie schon an das Spiel am Sonntag in Mönchengladbach gegen Kamerun?

Durm: Hier im Trainingslager noch nicht. Ab Samstagabend mache ich mir mal Gedanken, weil es ja mein erstes Länderspiel sein könnte. Ich werde mit Spaß reingehen und wenn ich spielen darf, werde ich jede Minute genießen.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre WM-Chancen?

Durm: Ich kann nur jeden Tag alles geben und mein Bestes raushauen. Ich bin das erste Mal so richtig dabei und wir sind 26 Top-Spieler. Dass von denen drei raus müssen, sagt alles über die Klasse innerhalb der Truppe. Am 2. Juni werden wir sehen, ich mache mir bis dahin keine Gedanken. Wenn es letztendlich nicht reicht, bin ich stolz darauf, hier dabei gewesen zu sein. Wenn es zur WM reicht, wäre es ein nächstes Kapitel und ein weiteres kleines Märchen für mich.

SPORT1: Wo sehen Sie bei sich Verbesserungspotenzial?

Durm: Wenn ich mein großes Manko beschreiben müsste, würde ich vielleicht mein Kopfballspiel nennen. Ich muss mich weiter verbessern und noch an einigen Schrauben stellen.

SPORT1: Sie sind häufig online und was machen Sie sonst in Ihrer Freizeit?

Durm: Ich höre viel Musik, wir spielen Snooker oder Billard, gehen in die Sauna. Langweilig wird uns nicht. Die Rahmenbedingungen hier sind Weltklasse.

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