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Per Mertesacker (l.) und Co. müssen sich einer starken kamerunischen Mannschaft erwehren. Die Bilder des Spiels ZUM DURCHKLICKEN © getty

Das DFB-Team überzeugt im vorletzten Test vor der WM gegen Kamerun nur phasenweise. Vor allem die Abwehr hat noch Luft nach oben.

Aus Mönchengladbach berichten Mathias Frohnapfel, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Mönchengladbach - Vor dem DFB-Team liegt 15 Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Portugal noch einiges an Arbeit: Das 2:2 (0:0) im Härtetest gegen Kamerun offenbarte nicht nur in der Defensive Konzentrationsmängel.

In Mönchengladbach begann die Nationalschaft zwar mit Elan, verlor dann aber zusehends die Linie gegen den WM-Teilnehmer aus Afrika. Besonders Sami Khedira war anzumerken, dass ihm nach seinem ausgeheilten Kreuzbandriss noch der Spielrhythmus fehlt (900600DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Erst nach Kameruns Führung durch Samuel Eto'o (61.) erhöhte Deutschland noch mal das Tempo und drehte durch Thomas Müller (63.) und Joker Andre Schürrle (72.) scheinbar das Spiel. Die Kameruner schlugen aber durch Eric Maxim Choupo-Moting (78.) zurück.

Endgültige Nominierung steht noch aus

Bundestrainer Joachim Löw wird nun die Erkenntnisse des turbulenten Spiels in seine Kader-Nominierung einbeziehen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

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Bis Montagabend muss er seinen endgültigen WM-Kader festlegen, dabei noch drei Spieler aus dem bisher 26-köpfigen Aufgebot streichen (888136DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader).

"Bei uns hat man germerkt, dass die Frische fehlt. Das Passpiel wr nicht gut, wir haben viele, viele Fehler gemacht", sagte Löw und erhielt Unterstützung von Torschütze Thomas Müller:

"Wir haben uns schlechter verkauft, als wir sind und uns das Leben selber schwer gemacht", sagte der in der "ARD".

Boateng als Außenverteidiger

Gegen das vom Ex-Bundesliga-Coach Volker Finke trainierte Kamerun ließ Löw den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger zunächst auf der Bank, im defensiven Mittelfeld übernahmen somit Khedira und Toni Kroos die Rolle der Organisatoren.

Keeper Manuel Neuer und Kapitän Philipp Lahm waren wegen ihrer Verletzungen nicht in den Länderspiel-Kader berufen worden. Für Neuer erledigte Dortmunds Roman Weidenfeller den Job zwischen den Pfosten, Jerome Boateng beackerte Lahms Außenverteidiger-Position.

Per Mertesacker und Mats Hummels bildeten das Innenverteidiger-Duo.

Götze stürmt statt Klose

Zudem überraschte Löw damit, dass er Bayern-Profi Mario Götze als "falsche Neun" ins Sturmzentrum beorderte, Miroslav Klose war somit nur Joker.

Doch Götze machte seine Sache anfangs gut, in den ersten Minuten war er wie seine offensiven Teamkollegen Marco Reus, Mesut Özil und Thomas Müller viel in Bewegung.

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In dieser Drangphase setzte Özil den Ball neben den Pfosten (1.) und der von Mertesacker per Kopf weitergeleitete Ball landete auf der Latte (4.).

Die Nationalelf begann schwungvoll, so als ob sie zeigen wollte, dass das Trainingslager in Südtirol trotz des schlimmen Auto-Unfalls und des großen Krankenlagers die Stimmung nicht negativ beeinflusst hat.

Pfosten verhindert Götze-Treffer

Müller leitete dabei die beste Chance ein. Er chippte den Ball über Kameruns Abwehrkette in den Lauf von Götze, der direkt abzog. Der Ball knallte unter dem Raunen der 41.000 Zuschauer an den Pfosten (11.).

Danach bemühte sich Deutschland weiter um Spielkontrolle, die Kameruner antworteten mit einer erstaunlichen Härte gut zwei Wochen vor WM-Start.

Löw sah an der Seitenlinie, wie seine Auswahl oft mit langen Bällen agierte, wobei mehr als einmal ein DFB-Spieler ins Abseits lief. Schnelle Kombinationen hatten im Verlauf der ersten Hälfte dann Seltenheitswert. Wenn es sie doch gab, war meist der fleißige Reus beteiligt.

Kamerun mit starker Phase

Und auf Neuer-Vertreter Weidenfeller kam vor dem Pausenpfiff plötzlich Arbeit zu: Bei Kamerun zeigte Stürmerstar Eto'o mehr als einen Geistesblitz und setzte unter anderem Teamkollege Benjamin Moukandjo bestens in Szene. Weidenfeller parierte aber ebenso gekonnt (39.).

Kurz danach hielt er einen Kopfball des Schalkers Joel Matip (42.) sicher. Das DFB-Team zeigte mehr Abwehrdefizite, als Löw lieb sein konnte.

Nach der Pause hatte Deutschland wieder mehr Spielanteile, allerdings vertat Reus eine gute Möglichkeit zur Führung (49.), als er aus spitzem Winkel das Tor verfehlte.

Löw wechselte nach 60 Minuten zum ersten Mal, brachte Andre Schürrle für Götze. Debütant Erik Durm durfte indes weiterhin als Linksverteidiger vorspielen. Sein Dortmunder Vereinskollege Marcel Schmelzer beobachtete von der Bank aus, wie Kamerun das 1:0 erzielte.

Eto'o schneller als Mertesacker und Hummels

Eto'o düpierte dabei die deutsche Abwehr.

Zunächst feuerte er einen verdeckten Flachschuss ab, den Weidenfeller noch parierte. Als der Ball ein zweites Mal in die Mitte kam, reagierten Mertesacker und Hummels zu langsam und Eto'o machte sein Tor.

Müller gleicht aus

Dank Müller glich Deutschland fast im Gegenzug aus. Der umtriebige Boateng hatte den Treffer mit einer genauen Flanke auf Müllers Kopf vorbereitet (63.).

Der eingewechselte Lukas Podolski bereitete dann aus knapper Abseitsposition kommend mustergültig das 2:1 vor: Sein Zuspiel von links drückte Schürrle problemlos über die Linie (71.).

Das Gladbacher Publikum feierte gleich ein weiteres Mal, als Lokalmatador Christoph Kramer für Khedira aufs Feld kam.

Doch Kamerun gab sich keineswegs geschlagen, der Mainzer Choupo-Moting profitierte von einer unaufmerksamen DFB-Defensive und stellte auf 2:2 (78.). Von Kramer und Boateng kam in dieser Situation viel zu wenig Gegenwehr.

Die DFB-Elf wirkte nach dem zweiten Gegentor zunächst verdutzt, eine erneute Antwort gelang nicht mehr.

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