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Jerome Boateng - Nationalmannschaft
Jerome Boateng (r.) spielt erst ordentlich gegen Kamerun und verteidigt dann den Kollegen Özil © getty

Nach dem Remis gegen Kamerun ist die Stimmung bei der DFB-Elf bescheiden. Boateng kritisiert die Fans wegen der Özil-Pfiffe.

Mönchengladbach - Der vorletzte Test für die Weltmeisterschaft gegen Kamerun lieferte einige Erkenntnisse.

Die wichtigste ist wohl, dass die DFB-Auswahl noch nicht bereit ist für den Kampf um den WM-Titel.

In Mönchengladbach bekam vor allem Mesut Özil den Unmut der deutschen Fans beim 2:2 gegen das von Volker FInke trainierte Kamerun ab (Spielbericht). Kollege Jerome Boateng verteidigt den Mannschaftskollegen gegen die Pfiffe.

"Das Passspiel war nicht gut, wir haben viele, viele Fehler gemacht", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Auch Thomas Müller bemängelte, dass man sich schlechter verkauft habe als man sich das vorgenommen habe (900600DIASHOW: Die Bilder des Spiels). Vor allem in Sachen Chancenverwertung sieht der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1 Steigerungspotenzial (888136DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader).

SPORT1 fasst die Stimmen zum Spiel gegen Kamerun zusammen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Joachim Löw (Bundestrainer):

"Zum einem war es ein guter Gegner, ein echter Härtetest. Bei uns hat man gemerkt, dass die Frische fehlt. Das Passspiel war nicht gut, wir haben viele, viele Fehler gemacht. Wenn wir in Führung gehen, hätte es der Mannschaft geholfen. Es zieht sich durch die letzten Jahre, dass wir viele Chancen brauchen. Einige Spieler waren nicht so frisch. Aber das konnte ich auch nicht erwarten. Mesut Özil hat nicht seinen besten Tag gehabt, er braucht noch zwei Wochen, dann werden wir bei der WM einen starken Mesut sehen. Die Entscheidung, wer nicht im endgültigen Aufgebot steht, möchte ich jetzt noch nicht vorwegnehmen. Wir werden erst einmal mit den Spielern sprechen.

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Jerome Boateng (Verteidiger):

Über die Pfiffe gegen Mesut Özil: "Ich verstehe, das nicht, ich kann das nicht nachvollziehen. Dann sollen die Leute nicht ins Stadion kommen. Dass man so schnell in so einem Spiel pfeift, verstehe ich nicht."

Per Mertesacker (Kapitän):

"Über weite Strecken haben wir es nicht gut gemacht. In den ersten zehn Minuten haben wir Druck gemacht und spielerisch überzeugt. Aber sobald wir die Bälle schnell verlieren, kriegen wir gegen jede Mannschaft der Welt Probleme. Wir haben dennoch eine gute Mannschaft, die in jedem Länderspiel konkurrenzfähig ist. Wir werden wichtige Erkenntnisse daraus ziehen und trotzdem mit Selbstvertrauen weiter gehen."

Thomas Müller (Torschütze):

"Wir haben uns schlechter verkauft, als wir sind und uns das Leben selber schwer gemacht. Wir müssen nach zehn Minuten auf jeden Fall führen. Wir sind mit unseren Chancen nicht ganz so umgegangen, wie wir das wollen. Dass wir zwei Gegentore kassiert haben, ist nicht schön. Aber es zeigt, dass man über 90 Minuten hochkonzentriert sein muss. Da ist noch etwas zu tun. Leider konnten wir das gute Trainingslager nicht in ein gutes Ergebnis ummünzen. Wir können noch nicht sagen: 'Jetzt kann's losgehen'. Man hat auch gesehen, dass Kamerun bewegliche Spieler hat. Das pendelt bei denen oft binnen weniger Sekunden zwischen Genie und Wahnsinn. Da haben wir uns ab und zu nicht geschickt angestellt. Vorne müssen wir effizienter werden."

Andre Schürrle (Torschütze):

"Das war sicherlich nicht mein schönstes Tor, aber es war wichtig. Ich bin unheimlich motiviert. Ich bin sicher, wir werden bei der WM anders zu Werke gehen als heute. Der Teamgeist stimmt, wir haben uns im Trainingslager zusammengeschweißt. Wir haben auch abseits des Trainings einiges unternommen, auch wenn es da ein paar unschöne Sachen gab. Ich bin mir sicher, dass wir voll fit zur WM fahren werden."

Erik Durm (Debütant):

"Es ist etwas ganz Besonderes, für Deutschland zu spielen. Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Leider haben wir nur 2:2 gespielt. Wir haben uns deutlich mehr erhofft. Die Mannschaft hat es mir einfach gemacht. Ich habe genossen, jede Minute zu spielen."

Christoph Kramer (Mittelfeldspieler):

"Ich habe mich riesig gefreut, dass ich vor heimischer Kulisse noch einmal spielen durfte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es ist normal, dass uns die nach so einem langen Trainingslager die Spritzigkeit gefehlt hat. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Ich kann es nicht einschätzen, ob ich mit nach Brasilien fliegen darf. Ich lasse mich überraschen und freue mich, wenn es so ist."