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Joachim Löw hat in seinem 104. Länderspiel als Bundestrainer an der Seitenlinie einige Anmerkungen © getty

Die Abwehr und das Kreativzentrum dominieren Löws Aufgabenliste nach dem Kamerun-Test. Zwei Routiniers raten zu Gelassenheit.

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Aus Mönchengladbach berichten Mathias Frohnapfel, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Mönchengladbach - Lukas Podolski schaute die Journalisten im Stadionbauch von Mönchengladbach tadelnd an.

Wie ein Lehrer, der weiß, dass seine Schüler mal wieder den gleichen Fehler begehen. In dem Fall: die falsche Schlussfolgerung ziehen. Nur nicht das 2:2 gegen Kamerun falsch interpretieren, mahnte Podolski. (900600DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Es ist klar, dass ihr jetzt von einem Dämpfer schreiben werdet", sagte der Routinier mit zehn Jahren Nationalmannschaft auf dem Buckel, "aber das kennen wir ja von jedem Turnier. Wir müssen weiter unseren Weg gehen."

Joachim Löw klang Luftlinie 30 Meter weiter auf der Pressekonferenz nicht anders. Schließlich hätten seine Spieler harte Trainingstage in Südtirol hinter sich, meinte der Bundestrainer, und die robusten Kameruner seien ja ein "guter Gegner" gewesen.

"Die Frische fehlte", räumte Löw allerdings auch ein, klagte über Mängel im Passspiel und die Chancenverwertung.

Eine starke Anfangsphase blieb somit nur schönes Blendwerk. "Wenn wir in Führung gehen, hätte es der Mannschaft geholfen. Es zieht sich durch die letzten Jahre, dass wir viele Chancen brauchen." (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Team auf der Zielgeraden

Löw war die Anspannung, all die intensive Planungs- und Detailarbeit, gut zwei Wochen vor dem WM-Start gegen Portugal anzumerken. Die Nationalmannschaft befindet sich auf der Zielgeraden in Richtung Brasilien, am Montag hat Löw seinen Kader auf 23 Spieler verkleinert und Marcel Schmelzer, Kevin Volland und Skhodran Mustafi aus dem Aufgebot gestrichen.(888136DIASHOW: Der WM-Kader)

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Viererkette neu sortiert

Löw hatte die 41.000 Zuschauer in Mönchengladbach mit der Wahl seiner Viererkette überrascht - und nicht nur diese. Jerome Boateng erfuhr erst am Sonntagmorgen, dass er als Vertreter des lädierten Kapitäns Philipp Lahm auf der rechten Außenbahn ran musste.

Und Per Mertesacker, der mit Mats Hummels die Innenverteidigung bildete, gestand auf SPORT1-Nachfrage: "Wir haben noch nicht großartig so trainiert, wie wir heute gespielt haben."

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Dafür habe die Abwehrreihe bereits gut funktioniert, bilanzierte der Abwehrriese vom FC Arsenal. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

Die defensiven Unsicherheiten begründete er dagegen mit Fehlern bei Ballverlusten. "Da müssen wir die Ruhe behalten, sonst wird es gegen jede Mannschaft schwierig", stellte Mertesacker streng fest.

Seit 2004 gehört der gebürtige Hannoveraner zur Nationalelf, kennt nach 97 Länderspielen die Aufregung vor großen Turnieren nur zu gut.

"Ich habe schon andere Tests vor Weltmeisterschaften erlebt", riet er zur Gelassenheit. "Ich bin sehr zufrieden, wie die Kommunikation klappt, wie wir uns nach dem Rückstand aufgebäumt haben."

"Müssen Dinge aufarbeiten"

Und auch deshalb sprach er trotz der Gegentore durch Samuel Eto?o und Eric-Maxim Choupo-Moting von einem "guten Test, auch um Dinge aufzuarbeiten, die wir besser machen müssen".

Mertesacker wird bis zum Wiedersehen mit der Nationalelf am Donnerstag nach Hause zu Ehefrau Ulrike eilen, er ist kurz vor dem Südtirol-Trainingslager zum zweiten Mal Vater geworden.

Der individuell ausgearbeitete Fitnessplan, den die Nationalspieler mit auf dem Weg in die freien Tage bekommen haben, wird jetzt zwischen Babywickeln und Balgereien mit dem dreijährigen Sohn abgearbeitet.

Marco Reus plant in der freien Zeit ebenso die Familie zu sehen, und mit Fahrradfahren, Laufen, eventuell Volleyballspielen seine Muskeln in Bewegung zu halten. Im Borussia-Park war der Ex-Gladbacher einer der auffälligsten Offensivakteure.

Reus als Unruheherd

Hochkonzentriert trieb er immer wieder das Spiel an, wirbelte vor allem in den Anfangsminuten und brachte auch, als es später für das Team schleppender lief, wieder Gefahrenmomente auf.

"Wir haben uns phasenweise gute Chancen herausgespielt, aber wir brauchen noch Zeit und wissen, dass wir noch viel zu tun haben", kommentierte der Dortmunder.

Der Test gegen Kamerun hätte mit einem Sieg zum Mutmacher werden können, das war auch Reus klar, doch "am Ende fehlt die Kraft", bestätigte er. Thomas Müller und Joker Andre Schürrle hatten die Partie gedreht, ehe doch noch der Ausgleich fiel.

Pfiffe für Özil

Mesut Özil und Mario Götze erlebten den in der 78. Minute bereits von der Bank aus, beide Kreativspieler enttäuschten. Özil (SPORT1-Note: 5) und Götze (SPORT1-Note: 4,5) blieben gegen die kampfstarken Kameruner abgemeldet, Özil musste bei der Auswechslung sogar lautstarke Pfiffe ertragen.

Nach der Partie war vom Arsenal-Profi dazu kein Kommentar zu bekommen, Löw bemerkte zur Formdelle seines Spielmachers nur: "Özil hat nicht seinen besten Tag gehabt, er braucht noch zwei Wochen, dann werden wir bei der WM einen starken Mesut sehen."

Der Countdown läuft, um Özil in weltmeisterliche Form zu bringen. Das gilt von der Defensive bis zur Passgenauigkeit aber auch noch für einige andere Dinge auf Löws Aufgabenliste.

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