Löws Verzicht auf Hoffenheims Volland sorgt für Unverständnis. SPORT1-Experte Thomas Strunz kritisiert den DFB-Trainer scharf.

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Von Denis de Haas und Reinhard Franke

München - Womöglich lastet auf dem Vornamen ein Fluch. 2006 durfte sich ein gewisser Kevin Kuranyi als sicherer WM-Fahrer fühlen. Doch dann verzichtete DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann auf den Schalker Angreifer.

Nun also Kevin Volland. Dem Shootingstar der TSG Hoffenheim räumten alle Experten sehr gute Chancen für ein Brasilien-Ticket ein. Zumal Volland neben Miroslav Klose die einzige nominelle Spitze im vorläufigen Kader war.

Am Montag platzte der WM-Traum des 21-Jährigen. Bundestrainer Joachim Löw fand in seinem Kader keinen Platz für Volland (888136DIASHOW: Der WM-Kader). Wie Dortmunds Marcel Schmelzer und Skhodran Mustafi von Sampdoria Genua erhielt der Hoffenheimer die ernüchternde Nachricht.

Aufmunterung aus Hoffenheim

Sein Verein munterte Volland sofort auf, Alexander Rosen verwies auf die gute Zukunftsperspektive.

"So wie ich ihn kenne, wird er die erste Enttäuschung schnell überwunden haben und wenn er so weitermacht wie bisher, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis er sich in den engsten Kreis der Nationalmannschaft gespielt hat", sagte der Direktor Profifußball bei der TSG.

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Auch von einem ehemaligen Trainer gab es Trost. "Das ist wirklich bitter für den Jungen. Ich hätte es ihm gegönnt dabei zu sein. Aber vielleicht braucht er auch noch ein bisschen Zeit", sagte Hoffenheims Ex-Coach Markus Babbel zu SPORT1.

Heftiger fiel die Reaktion von Thomas Strunz aus. Der SPORT1-Experte kritisierte die Personalentscheidungen des Bundestrainers scharf. "Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum Joachim Löw auf Kevin Volland und Marcel Schmelzer verzichtet", sagt Strunz.

Nur ein Einsatz gegen Polen

Für ihn besaß der Hoffenheimer unter Löw keine vernünftige Chance. Seinen bislang einzigen Einsatz in der A-Nationalmannschaft hatte Volland Anfang Mai gegen Polen (SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen).

Diese Partie war für Strunz nur ein "Jux-Länderspiel", der Europameister von 1996 hätte sich nun eine echte Bewährungschance für den jungen Angreifer gewünscht.

"Löw sieht in ihm ja einen echten Stürmer. Ich weiß nicht, warum er ihn dann gegen Kamerun 90 Minuten auf der Bank gelassen hat", betont Strunz.

Beim 2:2 im Testspiel hatte Löw erst auf Mario Götze und später auf Thomas Müller in der Spitze gesetzt (900600DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Votum für die falsche Neun

"Für Volland wäre das Spiel optimal gewesen, sich auch mal beweisen zu können. Wenn er in einer Halbzeit vier Ballkontakte und null Torschüsse hat, hätte Löw immer noch sagen können: Es passt nicht. Nun hat er aber keine nachvollziehbaren Argumente", sagt der Experte.

Strunz deutet den Verzicht auf Volland auch als Votum für die "falsche Neun". Im Kader befindet sich mit Klose nur ein klassischer Mittelstürmer. Der lange verletzte Routinier saß gegen Kamerun ebenfalls 90 Minuten auf der Bank.

Für Olaf Thon birgt diese Kader-Zusammenstellung auch Risiken. "Ich hätte von Anfang an einen weiteren Stoßstürmer mitgenommen. Pierre-Michel Lasogga oder Stefan Kießling wären für mich die Kandidaten gewesen. Solche Typen brauchst du auch im Laufe eines Turniers", sagt der SPORT1-Experte.

Ein riskantes Spiel betreibt Löw auch auf der linken Abwehrseite - das ist zumindest die Meinung von Thomas Strunz. Dort galt lange Zeit Dortmunds Schmelzer als erste Wahl, doch der 25-Jährige findet sich nicht im Aufgebot wieder. Strunz befürchtet ein Vakuum.

"Das bedeutet, dass wir jetzt ohne gelernten Linksverteidiger zu einer Weltmeisterschaft fahren", sagt der 46-Jährige. Dortmunds Erik Durm, der nun als Topkandidat für die Startelf gilt, sei für ihn "ein Talent, das durch Zufall zu dieser Position gekommen ist."

Skepsis bei Höwedes

Und auch die zweite Option für die Linksverteidiger-Position sieht Strunz sehr skeptisch. Löw brachte Schalkes Benedikt Höwedes als Alternative ins Spiel und stieß damit auf Unverständnis.

"Der spielt im Verein Rechts- oder Innenverteidiger. Es kann doch nicht sein, dass er bei einer Weltmeisterschaft für eine ungewohnte Position vorgesehen ist", sagt Strunz (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Auch sein früherer Teamkollege beim FC Bayern sieht das Planspiel mit Höwedes kritisch. "Er hat seine absoluten Stärken im Zentrum", sagt Olaf Thon.

Löw könnte als Linksverteidiger auch noch auf Allzweckwaffe Kevin Großkreutz zurückgreifen. Der Dortmunder galt nach seiner "Pinkel-Affäre" auch als Streichkandidat. Doch Löw behielt Großkreutz im WM-Kader.

Der Kevin-Fluch scheint für den Borussen nicht zu gelten.

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