Mesut Özil durchläuft eine Schaffenskrise, Löw urteilt bewusst milde. Der Blick auf eine Alternative darf dennoch nicht fehlen.

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Vom DFB-Team berichtet Mathias Frohnapfel

Mönchengladbach - Er ist ein Unterschiedspieler. Einer, der den Unterschied machen kann. Dessen Aktionen plötzlich das Herz lachen lassen wie der Augenschlag einer unbekannten Schönheit am Strand von Ipanema in Rio.

Mesut Özil berührt den Ball in guten Momenten wie kaum ein anderer Spieler auf diesem Planeten. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Özil, der Ballstreichler, der Virtuose. Arsenal holte ihn deswegen von Real Madrid, machte ihn mit einer Ablöse von gut 50 Millionen Euro zum teuersten je transferierten, deutschen Spieler - alles wegen Özils goldener Momente.(900600DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Doch von dem Goldbarren an Talent, mit dem der Nationalspieler früher so oft die Fans verzückte, sind momentan nicht mal ein paar Goldkörner zu erkennen. Beim 2:2 gegen Kamerun (Bericht) setzte er in der ersten Minute den Ball neben den Pfosten, das war?s mehr oder minder bis zu seiner Auswechslung in der 64. Minute.

Nicht mal mehr "Teilzeit-Magier"

Der Magier ist entzaubert. Nicht mal mehr für das vergiftete Kompliment "Teilzeit-Magier" hätte es am Sonntagabend gereicht. Damit wurde ja Özil einst belegt, wenn er in Spielen lange abtauchte und dann doch den entscheidenden Pass gab. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

Zwei Wochen sind es noch bis zum Auftaktspiel Deutschlands gegen Portugal. Zwei Wochen, die über Özils Form entscheiden und damit ziemlich wahrscheinlich auch über Deutschlands Wohlergehen bei der WM.(888136DIASHOW: Der WM-Kader)

Joachim Löw muss jetzt seinen Goldjungen wieder zum Glänzen bringen. "Er braucht noch zwei Wochen, dann werden wir bei der WM einen starken Mesut sehen", erklärte der Bundestrainer. Das klang zuversichtlich, Worte fast wie in Stein gemeißelt. (REAKTIONEN: Boateng versteht Pfiffe gegen Özil nicht)

"Die Fehler macht er in der Regel nicht"

Jedoch musste auch Löw gestehen: "Ihm sind Fehler unterlaufen, die er in der Regel nicht macht". Zugleich beschwor der 54-Jährigen die "guten Lösungen", die er bei dem Spielmacher auch ausgemacht haben wollte.

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Wenn es Löw gelingt, Özil zu zeigen, dass die WM wieder sein Turnier werden kann - so wie vor vier Jahren, es wäre ein Gewinn. 2010 glänzte der Deutschtürke in Südafrika, danach ging es zu Real Madrid und Arsenal.

Özil gewann in der Folge einmal den spanischen Pokal, einmal die spanische Meisterschaft und zuletzt den FA Cup mit Arsenal.

Top-Scorer in der WM-Qualifikation

In der WM-Qualifikation bereitete der Edeltechniker fünf Tore vor, schoss selbst acht. Mehr Scorerpunkte sammelte kein Spieler.

Auf der anderen Seite steht: In den wichtigen Spielen, in den Aufeinandertreffen mit den ganz großen Rivalen strahlt er selten. Auch beim Vergleich zwischen Arsenal und Bayern überzeugte er in der Champions League nicht.

Es ist die Ambivalenz dieses vom Talent so gesegneten Spielers, die viele Fans radikal in Rage bringen kann. Lautstark pfiffen ihn viele in Mönchengladbach bei seiner Auswechslung aus, mit seiner oft leidend wirkenden Miene bildete der 25-Jährige die Projektionsfläche bei einem Testspiel, bei dem auch andere müde Beine hatten.

Wie könnte Plan B aussehen?

Löw wird dem sensiblen Özil nun das Maximum geben, auf gute Aktionen bei der WM-Generalprobe gegen Armenien am Freitag hoffen. Zugleich wird er nicht umhin kommen, an einem Plan B zu tüfteln.

Funktioniert Özil als Zehner nicht, könnte er auf der rechten Seite spielen.

Die besetzt eigentlich Thomas Müller, der aber wiederum ein Kandidat für die Sturmspitze ist, nachdem Löw nun auch noch den vorletzten verbliebenen echten Angreifer Kevin Volland aus dem Kader gestrichen hat.

Reus strahlt Optimismus aus

Der neue Mann auf der Zehner-Position könnte dann Deutschlands zweiter großer Kreativspieler Mario Götze sein oder sogar Marco Reus.

Durchschlagskraft ist Reus jedenfalls nicht abzusprechen, auch beim 2:2 gegen Kamerun lief er im Hochfrequenzbereich. Interessierten sei zudem ein Blick auf seine schönsten Tore für den BVB in dieser Saison empfohlen. 16 waren es insgesamt, hinzu kommen 14 Assists.

"Ich bin sehr positiv", sagte Reus auf SPORT1-Nachfrage zu den WM-Aussichten. Der Ur-Dortmunder ist keiner, der sich von einem fahrigen Testkick aus der Ruhe bringen lässt, auch wenn er sagt: "Das war noch nicht das Deutschland, das wir uns vorgestellt haben."

Auf Özil trifft das allemal zu. Der Magier bleibt unter Beobachtung.

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