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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf sich am Gärtnerplatz in München mit Markus Babbel © getty

Der frühere Bundesliga-Coach Markus Babbel spricht bei SPORT1 über seine Auszeit und die deutsche Nationalmannschaft vor der WM.

Von Reinhard Franke

München - Markus Babbel weiß, wie man Titel gewinnt.

Der 41-Jährige war dabei, als Deutschland 1996 Europameister wurde.

Auch in seinen Vereinen hatte Babbel als Spieler große Erfolge: Mit dem FC Bayern wurde er drei Mal Deutscher Meister und 1996 UEFA-Cup-Sieger. Mit dem VfB Stuttgart gewann er 2007 die Deutsche Meisterschaft.

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Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn arbeitete der gebürtige Münchner als Trainer. In der Bundesliga war er beim VfB Stuttgart, Hertha BSC und zuletzt bei 1899 Hoffenheim tätig.

Seit anderthalb Jahren ist er ohne Job, nun will er zurück auf die Trainerbank.

Im SPORT1-Interview spricht Babbel über seine Auszeit, die deutsche Nationalmannschaft und Portugals Superstar Cristiano Ronaldo. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

SPORT1: Herr Babbel, kribbelt es wieder?

Markus Babbel: Sehr sogar. Ich habe nach meinem Aus in Hoffenheim wenig Fußball geschaut, habe die Zeit nur für mich genutzt, die Akkus wieder aufgeladen und die Seele baumeln lassen. Der Job ist schon sehr anstrengend, aber zuletzt habe ich mir wieder gerne Spiele angeschaut. Ich habe bei einigen Kollegen hospitiert und mir darüber hinaus Gedanken gemacht, wie ich ein noch besserer Trainer werden kann. Ich habe ein Führungskräfte-Seminar besucht, das Thema war Menschenführung, da habe ich viel mitnehmen können. Und jetzt habe wieder richtig Lust auf Fußball.

SPORT1: Wie viel Lust haben Sie auf die Weltmeisterschaft?

Babbel: Für mich ist das Maß aller Dinge immer noch die Champions League, gar nicht so die WM. Die Königsklasse gibt mir persönlich einfach mehr. Natürlich bin ich Fan des Fußballs, aber es ist nicht so, dass ich das Verlangen verspüre, unbedingt nach Brasilien fliegen zu müssen, um mir vor Ort die Spiele anzuschauen. Ich werde mir das ganz entspannt zu Hause reinziehen. Im Biergarten oder beim Public Viewing wird man doch zu sehr abgelenkt. Ich hoffe nur, dass unsere Jungs weit kommen und dass die Stimmung im Land wieder so wird wie 2006.

SPORT1: Gegen Kamerun war noch viel Sand im Getriebe. Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Elf ein?

Babbel: Dass es der Anspruch ist, den Titel zu holen, ist völlig normal. Alles andere wäre auch nicht glaubwürdig, denn die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren zu einer starken Nationalmannschaft entwickelt und ist gereift. Es wäre aberwitzig zu sagen, dass man die Vorrunde überstehen und dann von Spiel zu Spiel denken will. Man sollte mit dieser Überzeugung, den Titel zu gewinnen, in das Turnier gehen. Die Spieler sollten das auch verinnerlichen und alles aus sich herausholen, um das große Ziel zu erreichen. Es wird extrem schwer, weil auch andere Nationen mit einer hohen Qualität dabei sind. Die Deutschen können aber an einem guten Tag jeden schlagen.

SPORT1: Die Kader-Nominierung sorgte bei Fans und Experten für Verwunderung? Bei Ihnen auch?

Babbel: Die eine oder andere Nominierung war überraschend, ob ich da an Christoph Kramer oder an Erik Durm denke, die bisher noch außen vor waren. Man muss aber bedenken, dass in Brasilien die Fitness die große Trumpfkarte sein wird. Sie können alle Fußball spielen, auch auf einem sehr hohen Level. Wichtig wird sein, wie man diese Strapazen wegsteckt. Da brauchst du Spieler, die absolut fit sind und an ihre Leistungsgrenze gehen können. Warum sollten nicht auch junge Spieler bei so einem Turnier nicht auch über sich hinauswachsen? Frisches Blut kann guttun. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

SPORT1: Kann es eine Gefahr sein, dass Joachim Löw mit Miroslav Klose nur einen Stürmer mitnimmt?

Babbel: Das kann man durchaus kritisch sehen, wenn man aber sieht, wie Löw seit Jahren schon spielen lässt, dann ist das nicht weiter tragisch. Löw hat mehrere Alternativen zu Klose, ein Thomas Müller kann ja auch im Zentrum spielen. Löw sucht die spielerische Lösung und nimmt sich da die Spanier als Vorbild. (888136DIASHOW: Der WM-Kader)

SPORT1: Zum Auftakt geht es gegen Portugal. Wie bewerten Sie deren Superstar Cristiano Ronaldo?

Babbel: Aus dem werde ich nicht wirklich schlau. Er hat eine unfassbare Tor-Quote. Er schießt mehr Tore als er Spiele macht und das auch nicht in einer "Pappnasen-Liga". Was mir bei Ronaldo auffällt, ist, dass er mir in den großen Spielen zu oft abtaucht. Da tue ich mich bei ihm etwas schwer. Ein Lionel Messi ist auch in den entscheidenden Spielen voll da. Deshalb bin ich von der Sympathie her eher bei Messi. Das Gepose mit seinem freien Oberkörper ist nun mal seine Art und damit habe ich kein Problem. Gegen die Bayern ist Ronaldo auch nur mitgelaufen. Ein Sergio Ramos oder ein Luka Modric sind da viel mehr vorneweg gegangen.

SPORT1: Thomas Berthold glaubt, dass im Viertelfinale Schluss ist. Was glauben Sie?

Babbel: Das ist ganz schwierig zu beantworten. Es ist ein Turnier auf einem sehr hohen Level und es gibt eine unglaubliche Dichte mit tollen Mannschaften. Italien, Spanien, Brasilien, die Deutschen und ein, zwei Mannschaften, die man noch nicht so auf dem Schirm hat. Wichtig wird für die Deutschen sein, dass man gut in das Turnier startet. Mit Portugal im ersten Spiel gibt es gleich eine erste große Hürde. Das kann aber auch so einen Push geben für das ganze Turnier.

SPORT1: Ähnlich wie 1996, als Deutschland Europameister wurde?

Babbel: Genau. Damals hat mit uns keiner gerechnet. Wir sind gegen Tschechien mit 2:0 super in das Turnier gestartet, ab da an war eine tolle Überzeugung da und ich hatte nie einen Zweifel, dass wir das Turnier nicht gewinnen. Ich war mit 23 Jahren einer der Jüngsten im Team und habe dennoch diese Überzeugung gehabt. Das haben alle ausgestrahlt. Es wird entscheidend sein, dass man zeigt, dass man etwas erreichen will. Es wäre mehr als zu wünschen, dass wir nach so langer Zeit mal wieder einen Titel gewinnen, aber es wird sehr schwer.

SPORT1: Wer wird denn Weltmeister?

Babbel: Der Klassiker im Endspiel wäre natürlich Brasilien gegen Deutschland. Da hättest du nichts zu verlieren. Das würde sich jeder Fußball-Fan wünschen. Dann noch mit einem ähnlichen Ergebnis wie damals, als Uruguay 1950 gewann. Das wäre ein Traum, eine Sensation für den deutschen Fußball. Das Schlimmste für Brasilien wäre im Finale ein südamerikanisches Land. Ein WM-Titel in Brasilien - etwas Schöneres gibt es nicht.

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