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Die Bilder des Spiels zum Durchklicken © getty

Reus knickt gegen Armenien um und sorgt für einen Wermutstropfen. Podolski zeigt sich in Topform, Klose zieht am Bomber vorbei.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Mainz - Die Generalprobe für die WM hat die Personalnot der deutschen Nationalmannschaft noch mal verschärft.

Beim 6:1 (0:0) im Benefiz-Länderspiel gegen Armenien verletzte sich Marco Reus bei einem Zweikampf kurz vor der Halbzeit am linken Sprunggelenk und muss die WM höchst wahrscheinlich abschreiben.

"Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks", lautete die Diagnose, die der Deutsche Fußball-Bund in der Nacht zum Samstag verkündete. Vom WM-Aus war zunächst nicht die Rede.

"Weitere Entscheidungen werden zu einem späteren Zeitpunkt getroffen", hieß es aber in der Mitteilung.

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Damit geriet der Kantersieg einen Tag vor dem Abflug nach Brasilien zur Nebensache.

Doppelpack von Götze

Andre Schürrle (53.), Lukas Podolski (72.), Benedikt Höwedes (73.), Miroslav Klose (75.) und Mario Götze (82, 89.) trafen für das DFB-Team, den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 erzielte der Dortmunder Henrikh Mkhitaryan (69.) (902912DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Man hat gemerkt, dass wir heute frischer waren und in der zweiten Halbzeit das Tempo noch erhöhen konnten", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach Abpfiff im "ZDF".

Die Sorge um den Dortmunder Mittelfeldspieler Reus war ihm deutlich anzusehen: "Ich weiß noch nicht, was es ist, wir müssen abwarten. Man hat gesehen, dass der Fuß geschwollen ist. Ich hoffe, dass nichts an den Bändern ist."

Reus war schon während der zweiten Hälfte zur Kernspinuntersuchung in eine Klinik gefahren worden.

Klose überholt Gerd Müller

Klose erzielte sein 69. Länderspieltor und zog damit in der ewigen Torjägerliste des DFB an Gerd Müller (68) vorbei.

Doch der Rekord interessierte nach der Partie kaum jemand, Reus' Gesundheitszustand war das Thema des Abends (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Löw hatte das DFB-Team gegenüber dem 2:2 gegen Kamerun am vergangenen Sonntag personell auf drei Positionen und auch taktisch umgestellt.

Lahm zurück im Team

Die wichtigsten Änderungen: Philipp Lahm begann auf der Sechs neben Sami Khedira, Mesut Özil saß nur auf der Bank, Toni Kroos rückte vor in die Offensive.

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Lahm hatte seit seiner Sprunggelenksverletzung beim DFB-Pokalfinalsieg mit dem FC Bayern am 17. Mai kein Spiel bestritten und war zusammen mit Manuel Neuer verspätet ins Trainingslager nach Südtirol gereist.

Die deutsche Nummer eins wurde erneut von Roman Weidenfeller vertreten.

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Vor dem Dortmunder verteidigte Jerome Boateng wie schon gegen Kamerun auf der rechten Seite, Per Mertesacker und Mats Hummels bildeten die Innenverteidigung. Nur auf links

Müller als einzige Spitze

Im offensiven Mittelfeld begannen Marco Reus, Toni Kroos und der für Özil in die Startelf gerückte Andre Schürrle. Thomas Müller sollte die einzige Spitze geben.

Bastian Schweinsteiger saß zunächst auf der Bank.

Müller hatte schon nach einer Minute nach Vorarbeit von Schürrle die erste Chance, traf den Ball aber nicht SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen.

Fast im Gegenzug die erste fast das 0:1 für die Gäste: Nach einem Fehler von Hummels legte dessen Dortmunder Vereinskollege Henrikh Mkhitaryan quer auf den freistehenden Ghazaryan, doch der schlug ein noch größeres Luftloch als Müller.

Dominanz ohne Abschluss

Es sollte für die komplette erste Hälfte die einzige gefährliche Szene der Armenier bleiben.

Das DFB-Team bestimmte eindeutig das Geschehen, zeigte aber wieder einmal zunächst große Schwächen in der Verwertung der Torchancen.

Schürrle setzte nach schöner Lahm-Flanke einen Kopfball freistehend neben das Tor (9.).

Vier Minuten später war Reus allein vor Berezovsky, schob dem Torwart der Armenier den Ball durch die Beine, aber kurz vor der Linie verhinderte ein Verteidiger die deutsche Führung.

Kroos ohen Akzente

Müller agierte weiter unglücklich, trat noch zwei Luftlöcher und tat sich in der Rolle der falschen Neun schwer. Lahm wirkte unterdessen nach seiner Wettkampfpause erstaunlich frisch und gab dem Spiel Impulse nach vorn.

Kroos und Khedira konnten kaum Akzente setzen, Khediras Aktionen wirkten unrund, Kroos ließ über weite Strecken Inspiration vermissen.

Dennoch dominierte Deutschland weiter.

In der 31. Minute köpfte Boateng nach einer Ecke knapp rechts am Tor vorbei. Wenig später tauchte Reus nach einem Traumpass von Müller wieder frei vor dem Tor auf, versuchte wieder den Tunnel, blieb aber mit seinem Beinschuss an Berezovsky hängen.

Fehlender Killerinstinkt

Reus war der agilste und auffälligste Spieler der DFB-Elf, doch auch dem Dortmunder fehlte der Killerinstinkt im Abschluss.

Kurz vor der Pause sorgte der Dortmunder für den Schock-Moment der Partie, als er bei einem Zweikampf unglücklich mit seinem Gegenspieler kollidierte und umknickte.

Reus wand sich am Boden und wurde nach kurzer Behandlungspause stark humpelnd vom Platz geführt. Für ihn kam Lukas Podolski ins Spiel.

In der Halbzeit blieb Lahm in der Kabine, für den Münchner kam Özil in die Partie.

London lässt Deutschland jubeln

Während Reus schon auf dem Weg zur Untersuchung in die Mainzer Uniklinik war, sorgten Podolski und Schürrle in der 53. Minute mit einer tollen Co-Produktion für die Führung:

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Podolski passte nach einem starken Antritt flach in die Mitte, und Schürrle verwandelte aus kurzer Distanz per Hacke.

Die 27.000 Zuschauer in der Mainzer Arena trieben die DFB-Elf weiter nach vorn, und Löws Mannschaft setzte alles daran, es den Fans mit weiteren Toren zurückzuzahlen.

Löw wechselte noch einmal, brachte Schweinsteiger für Khedira, dem noch einiges zu seiner vollen Fitness fehlt. Miroslav Klose und Kevin Großkreutz kamen für Müller und Boateng.

Großkreutz unglücklich

Kurz nach seiner Einwechslung verursachte Großkreutz mit einem Foul an Ghazaryan einen Elfmeter. Mkhitaryan ließ Weidenfeller keine Chance.

Doch der Ausgleich wirkte alles andere als entmutigend auf die deutsche Elf. Podolski, Höwedes und Klose trafen innerhalb von knapp vier Minuten zum 4:1, Götze stellte mit seinen Treffern in der 82. und der 89. Minute den Endstand her.

Doch das Ergebnis blieb an diesem Abend zweitrangig. Podolski und Schürrle empfahlen sich für einen Einsatz in der Startelf, hinter Marco Reus steht ein großes Fragezeichen.

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