Marco Reus verpasst nach seinem Teilriss des vorderen Syndesmosebandes die WM. Der DFB nominiert Verteidiger Mustafi nach.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Mainz - Die Hiobsbotschaft verkündete der Deutsche Fußball Bund am Samstag um 11.20 Uhr. Die letzten kleinen Hoffnungen erfüllten sich nicht. Der WM-Traum von Marco Reus ist endgültig geplatzt.

Der Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks, den sich Reus beim 6:1-Sieg gegen Armenien zuzog, macht einen Einsatz des Dortmunders in Brasilien unmöglich.

"Ich weiß wirklich nicht, wie ich das in Worten ausdrücken soll, was ich gerade empfinde. Ein Traum ist von einer zur anderen Sekunde geplatzt. Ich muss jetzt aber auch nach vorne schauen, meine Reha ganz professionell angehen, denn es muss weitergehen. Ich komme noch stärker zurück als ich war. Meine beste Wünsche gelten jetzt der Mannschaft und dem ganzen Team, dass sie unser Ziele auch ohne mich erreichen", sagte der Dortmunder nach der Hiobsbotschaft der "Bild".

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Für den Offensivstar Reus nominierte der DFB kurzerhand Abwehrspieler Shkodran Mustafi nach.

Zur Verletzung von Reus sagt Bundestrainer Joachim Löw: "Für ihn und für uns ist dies extrem bedauerlich. Marco war super drauf, er hat im Trainingslager und in den beiden Spielen gegen Kamerun und Armenien einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, hat vor Spielfreude gesprüht. In unseren Überlegungen für Brasilien hat er eine zentrale Rolle gespielt."

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Reus wird in Dortmund konservativ behandelt werden. Der 25-Jährige wird voraussichtlich erst in sechs bis sieben Wochen wieder ins Training einsteigen können.

Löw hat "Vertrauen" in Mustafi

Die Nachnominierung von Mustafi begründete Löw wie folgt: "Es ging uns nicht darum, Marco Reus eins zu eins zu ersetzen. Unsere Qualität auf der Position hinter den Spitzen ist sehr hoch, hier haben wir mit Lukas Podolski, Andre Schürrle, Mario Götze, Thomas Müller, Mesut Özil, Julian Draxler und Toni Kroos genügend Alternativen. Deswegen haben wir uns für eine weitere Option für den Defensivbereich entschieden. Shkodran hat uns im Trainingslager überzeugt, er ist fit, wir haben Vertrauen in ihn. Wir wissen, dass wir uns auf ihn zu 100 Prozent verlassen können."

Der Abwehrspieler von Sampdoria Genua hatte dem vorläufigen WM-Kader angehört und das Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol bestritten. "Er hat sich riesig gefreut. Das ist die Krönung einer starken Saison", sagte Mustafis Berater Ali Bulut zu SPORT1.

Den Ausfall von Reus bedauert der Nachrücker. "Das tut uns natürlich leid. Reus ist schließlich ein richtig genialer Fußballer", betonte Bulut.

Reus unter großen Schmerzen vom Platz

Ein genialer Fußballer, der die WM nun zuhause am Fernseher verfolgen muss.

Es war eine dieser Szenen am Freitag, in denen man sofort merkt, dass etwas Schlimmes passiert ist.

Als Reus kurz vor der Halbzeit des Spiels gegen Armenien nach einem Zweikampf am Boden liegen blieb und den Arm hob, ging ein Raunen durch die mit 27.000 Zuschauern gefüllte Mainzer Arena.

Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physiotherapeut Klaus Eder eilten auf den Platz, Reus wurde minutenlang am linken Fuß behandelt. Dann wurde der Dortmunder vom Platz geführt. Er humpelte stark, und auch sein Gesicht ließ große Schmerzen erahnen. (902912DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Löw mit ernster Miene

Löw verfolgte die Szene mit ernster Miene.

Während der Rest der Mannschaft nach einem 0:0 zur Pause in der zweiten Halbzeit einen 6:1-Kantersieg herausschoss, wurde der 25-Jährige in eine Klinik gefahren.

"Marco ist im Krankenhaus bei der Kernspin-Untersuchung. Wir müssen abwarten, was dabei herauskommt", sagte Löw nach der Partie und berichtete, Reus' linker Fuß sei geschwollen gewesen.

Hoffnung erfüllt sich nicht

"Die Stimmung war in der Halbzeit ziemlich bedrückt, weil wir gemerkt haben, dass es Marco ordentlich erwischt hat", erzählte Torwart Roman Weidenfeller.

"Ich habe kurz in der Halbzeit mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass ich die Daumen drücke, dass nichts gerissen ist. Sollte er schwerer verletzt sein, tut uns allen leid für ihn, er ist ein großartiger Fußballer und ein großartiger Kerl", sagte Mats Hummels.

"Ich hoffe, dass er vielleicht mit einer kleinen Außenbandruptur davonkommt und dass das Syndesmoseband verschont wurde", ergänzte Hummels und erklärte: "Wenn das Syndesmoseband mit durch ist, dann werden wir ein bisschen brauchen, bis wir ihn wiedersehen." (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Doch die Wünsche seiner Dortmunder Vereinskollegen sollten sich nicht erfüllen.

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Ähnliche Verletzung wie Ballack 2010

In der Nacht zum Samstag verkündete der Deutsche Fußball-Bund die Diagnose: "Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks."

"Weitere Entscheidungen werden zu einem späteren Zeitpunkt getroffen", hieß es in der kurzen Mitteilung.

Eine ähnliche Verletzung hatte sich Michael Ballack vor der WM 2010 bei einem Foul von Kevin-Prince Boateng im englischen FA-Cup-Finale zugezogen. Der Ex-Kapitän verpasste das Turnier in Südafrika, wo er durch Sami Khedira glänzend vertreten wurde.

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Podolski und Schürrle mögliche Alternativen

Für Reus kam in Mainz Lukas Podolski in die Partie. Der Arsenal-Profi zeigte eine überragende Leistung, erzielte einen Treffer und bereitete drei Tore vor. Nach dem Spiel waren seine Gedanken aber zunächst bei Reus. "Ich hoffe, dass er mit uns nach Brasilien reisen kann", sagte Podolski.

Auch Andre Schürrle, der an seiner ehemaligen Mainzer Wirkungsstätte nach Vorarbeit von Podolski das 1:0 erzielt hatte, wollte nicht darüber sprechen, wer sich als Ersatz für Reus aufgedrängt hätte.

"Marco ist ein unheimlich wichtiger Spieler für uns und wir hoffen, dass er mit nach Brasilien fliegen kann", sagte Schürrle zu SPORT1. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

"Wir wissen, dass wir einen guten Kader haben und jeden ersetzen können. Aber wir müssen hoffen, dass er fit wird und jetzt noch nicht über Alternativen sprechen", betonte der England-Legionär, der auch beim 2:2 gegen Kamerun am vergangenen Sonntag nach einem Pass von Podolski getroffen hatte.

Flug nach Brasilien am Abend

Heute um 22 Uhr fliegt die DFB-Auswahl von Frankfurt nach Brasilien und bezieht ihr WM-Quartier Campo Bahia in der Nähe von Porto Seguro.

Die Stimmung dürfte nicht sehr ausgelassen sein.

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