Gegen Armenien probte Joachim Löw den Ernstfall - ohne gelernte Außenverteidiger. Ein Zeichen für den WM-Start gegen Portugal?

[kaltura id="0_9z8tg27z" class="full_size" title=""]

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Santo Andre - Es gab Zeiten, da waren Deutschlands Außenverteidiger berühmt und berüchtigt.

Hans-Peter Briegel pflügte als "Walz aus der Pfalz" mit hängenden Stutzen in Kaiserslautern und Verona an der Seitenlinie entlang, Andreas Brehme brachte es in München und Mailand zu Ruhm und schoss Deutschland 1990 in Rom zum WM-Titel (SERVICE: Der WM-Ticker).

Auch Philipp Lahm wurde beim FC Bayern und im DFB-Team zu einem der besten Außenverteidiger der Welt (Aktuelle Nachrichten aus dem DFB-Quartier, ab 15 Uhr Uhr bei WM Aktuell im TV auf SPORT1).

Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Spezies der Außenverteidiger in der Nationalelf droht auszusterben. Briegel und Brehme sind lange in Fußball-Rente und Lahm spielt wohl eher im Mittelfeld. So auch beim 6:1 gegen Armenien am vergangenen Freitag (904179DIASHOW: Das DFB-Team im Campo Bahia).

Vier Innenverteidiger gegen Armenien

Beim letzten Test vor dem Abflug nach Brasilien bestand die deutsche Abwehr aus vier Innenverteidigern. Per Mertesacker und Mats Hummels spielten im Zentrum, Jerome Boateng und Benedikt Höwedes besetzten die Außenpositionen (SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen).

[image id="5965e3e3-63a9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Gut möglich, dass Joachim Löw seine Hintermannschaft beim deutschen WM-Auftakt gegen Portugal am Montag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) in genau dieser Formation auf den Platz schicken wird.

"Das ist eine Möglichkeit. Wir müssen immer flexibel sein", sagt der Bundestrainer (Bericht: So plant Löw bis zum WM-Start).

Löws Planungen sind voll auf das erste Spiel gegen Portugal ausgerichtet. Das erklärte er schon im März vor dem Testspiel gegen Chile.

Boateng gegen Ronaldo

Teil des Vorhabens könnte sein, in der Abwehr Beton anzurühren, und so Portugals Superstar Cristiano Ronaldo zu stoppen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Wie schon beim ersten Gruppenspiel der EM vor zwei Jahren könnte Boateng die Aufgabe zukommen, sich um den Flügelspieler von Real Madrid zu kümmern.

Damals im ukrainischen Lwiw schaltete Boateng Ronaldo fast völlig aus.

Die SPORT1-Start11: Stellen Sie Ihr Team für Portugal auf!

[image id="59795e2c-63a9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Mertesacker und Hummels eingespielt

Sollte Weltfußballer Ronaldo doch einmal durchkommen, sind auch noch Mertesacker und Hummels da. Im Abwehrzentrum konnte sich das Duo in den vergangenen Partien einspielen.

Doch auf den Außenpositionen hat Löw seit März einige Varianten probiert.

Marcel Schmelzer und Marcell Jansen fielen durchs Sieb. Beide verpassten den Sprung zur WM. Jansen war verletzt und außer Form, Schmelzer erlitt im Trainingslager in Südtirol einen Rückschlag und wurde aus dem vorläufigen Kader gestrichen.

Von Schmelzers Pech profitierte Erik Durm. Der in Dortmund von Trainer Jürgen Klopp vom Stürmer zum Verteidiger umgeschulte Youngster empfahl sich mit einem starken Länderspieldebüt gegen Kamerun für weitere Aufgaben. Doch gegen Armenien setzte Löw auf Höwedes.

[tweet url="//twitter.com/BSchweinsteiger"]

Höwedes wieder leicht vor Durm

Der Schalker spielte ordentlich, erzielte sogar ein Tor und darf sich folglich Hoffnungen auf einen Einsatz gegen Portugal machen. Er ist zwar gelernter Innenverteidiger, hat aber auf der Position im DFB-Team angesichts der starken Konkurrenz keine Chance.

Doch Höwedes hat durch seine Einsätze mit den Königsblauen in der Champions League die nötige internationale Erfahrung und ist zudem sehr zweikampfstark. Im Verein half er schon häufiger auf beiden Außenpositionen aus.

"Wir sind alle gut geschult und wissen, welches System wir spielen müssen", erklärt Per Mertesacker: "Deshalb ist es eigentlich egal, wer mit wem spielt."

Dreierkette als Option bei Rückstand

Auch eine Dreierkette wäre denkbar, wie sie Pep Guardiola zuletzt schon beim FC Bayern praktiziert hat.

Franz Beckenbauer könnte sich die Rückkehr zu einem zentralen Abwehrspieler und zwei Außenverteidigern vorstellen: "Gute Mannschaften müssen mehrere Varianten haben, die sie im Spiel anwenden können", sagt der Weltmeister-Kapitän von 1974.

Die Dreierkette wäre eine Maßnahme, um in der Schlussphase einen Rückstand auszugleichen. "Dann müsste man überlegen, was man macht, um den Angriff zu verstärken", sagt Löw.

Lahm doch wieder in die Abwehr?

Gegen Portugal ist die Viererkette mit vier Innenverteidigern aber wahrscheinlicher. Doch schon im nächsten Spiel gegen Ghana am 21. Juni oder gegen die USA am 26. Juni könnte die Abwehr ganz anders aussehen.

Möglicherweise will Löw erst einmal abwarten, ob im defensiven Mittelfeld Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger völlig fit werden. Das Duo ist seine Wunschbesetzung auf der Doppel-Sechs.

Lahm könnte dann auf die rechte Abwehrseite zurückkehren. Leidtragender wäre in dem Fall Boateng.

Eine WM ist lang, es kann Verletzungen, Sperren und Formkrisen geben. Löw hat in der Abwehr viele Möglichkeiten, auch Kevin Großkreutz wäre eine Option für die rechte Seite.

Doch eins haben Boateng, Höwedes, Durm und Großkreutz gemeinsam: Die Kandidaten sind keine gelernten Außenverteidiger.

[kaltura id="0_4p8l6pyg" class="full_size" title="Philipp Lahm ist hei auf den WM Start"]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel