Die WM in Brasilien könnte das letzte Turnier von Joachim Löw sein. Von Diskussionen um seine Zukunft will er sich frei machen.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Santo Andre - Joachim Löw stellt kleine, weiße Hütchen auf und grüßt freundlich.

"Hallo, wie geht's?", fragt er die Beobachter am Trainingsplatz. "Gut, und selbst?"

"Überdurchschnittlich gut", sagt Löw und lächelt. Bevor die Pressekonferenz beginnt, geht er zum ehemaligen DFB-Pressesprecher Harald Stenger und schüttelt ihm die Hand.

Der Bundestrainer macht in den letzten Tagen vor dem deutschen WM-Start gegen Portugal am Montag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) einen äußerst entspannten Eindruck. Was natürlich auch am Meer und dem Sonnenschein in Brasilien liegt. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Morgendliches Joggen am Strand

Er joggt morgens am Strand. "Um sechs Uhr bin ich schon wieder zurück. Sport zu machen tut mir gut", erzählt er: "Es ist nicht so, dass ich mich in eine andere Welt begebe und nur an Cristiano Ronaldo denke."

Er lässt seinen Gedanken freien Lauf.

Beim Rauschen der Wellen tankt er Kraft für den Tag und für die harten Wochen, die vor ihm und seiner Mannschaft liegen.

"Wir haben ein Camp gefunden, dass uns positiv beeinflusst", sagt Löw zur heißen Phase der WM-Vorbereitung im Campo Bahia: "Ich bin ausgeglichen, fokussiert und konzentriert."

Ungewohnter Luxus

Im "germanischen Dorf", wie Teammanager Oliver Bierhoff das nach außen komplett abgeschirmte Quartier einst nannte, hat Löw seine Spieler ganz nah bei sich. Ein Luxus, wie er ihn bei seiner Arbeit fast noch nie vorfand.

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"Für mich ist es immer gut, wenn ich viel mit den Spielern arbeiten kann. Die Kommunikation und die Stimmung sind insgesamt gut, das hebt natürlich auch meine Laune", erklärt er.

Stimmungswandel seit Südtirol

Vor etwa drei Wochen sah es noch anders aus. Zu Beginn des Trainingslagers in Südtirol fehlten die angeschlagenen Manuel Neuer, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger.

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Sami Khedira bereitete sich noch auf das Champions-League-Finale mit Real Madrid vor, am ersten Trainingstag verletzte sich Lars Bender und musste die WM-Teilnahme absagen.

Löw stand oft nachdenklich auf dem Übungsplatz in St. Leonhard, immer wieder eine Hand im Gesicht, nicht wirklich zufrieden.

Leistungsträger machen Fortschritte

Jetzt wirkt er fast schon glücklich. Im Campo am Meer hat er seine Spieler täglich, stündlich, ja minütlich um sich. Neuer, Schweinsteiger und Khedira machen Fortschritte, der Rest wirkt bereits topfit.

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Am Mittwoch habe die Mannschaft zwei Stunden trainiert, berichtet der Bundestrainer. "Wir wollten in den roten Bereich eindringen. Die Spieler mussten spüren, was es heißt, unter diesen Gegebenheiten Höchstleistungen abzurufen."

Dreimal kurz vor dem Ziel gescheitert

Zum entscheidenden Zeitpunkt das Maximale aus sich herauszuholen - genau das ist der deutschen Mannschaft bei den bisherigen drei Turnieren unter Löws Führung nicht gelungen.

Im Finale der EM 2008 musste das DFB-Team erstmals die Überlegenheit der Spanier anerkennen. Beim Halbfinal-Aus der WM 2010 fehlten gegen den späteren Weltmeister der gesperrte Thomas Müller und die letzte Entschlossenheit.

Im EM-Halbfinale 2012 schöpfte Löw das große Potenzial seines Teams nicht aus. Er schickte eine Elf auf den Platz, die nicht aus den bestmöglichen Spielern bestand. Als Löw seinen Fehler erkannte, stand es bereits 0:2.

(PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen)

Die Kritik, er habe das Spiel vercoacht, traf ihn hart und persönlich. Es dauerte lange, bis er zugab, damals in Warschau womöglich nicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Diskussionen über Löws Zukunft

Die WM könnte sein letztes Turnier sein. Löw hat seinen Vertrag zwar bereits bis 2016 verlängert, doch seine Zukunft als Bundestrainer hängt vom Abschneiden in Brasilien ab.

Wirft er bei einem frühzeitigen Ausscheiden hin? Macht er im Fall eines unglücklichen Ausscheidens im Halbfinale oder des WM-Triumphs weiter?

Viele Experten zweifeln daran, dass Löw seinen Vertrag erfüllen wird. Andere glauben, er werde weitermachen ? allerdings nur im Fall des Titelgewinns.

Er kenne die Diskussionen, die Millionen Bundestrainer in Deutschland führen. "Aber davon sollte man sich frei machen", sagt Löw.

"Wir sind gut vorbereitet"

"Wir haben uns im letzten halben Jahr wahnsinnig konzentriert auf die WM vorbereitet", meint der DFB-Coach: "Wir haben eine gute Konzeption."

Er wolle "den Turbo zünden", erklärte Löw schon vor der Abreise nach Brasilien.

Mit einem Sieg im Auftaktspiel kann seine Mannschaft die Weichen für eine erfolgreiche WM stellen.

Eine Niederlage könnte hingegen womöglich den Anfang vom Ende der Ära Löw bedeuten.

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