Vor dem Portugal-Spiel erklärt Arne Friedrich bei SPORT1, wie man Ronaldo stoppt. Zudem spricht er über die Abwehr und Lahm.

[kaltura id="0_6el34g2m" class="full_size" title=""]

Von Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Seguro/Salvador - Arne Friedrich weiß, wie man gegen Portugal und Cristiano Ronaldo erfolgreich spielt.

Bei der EM 2008 hatte er im Viertelfinale den Superstar von Real Madrid als Rechtsverteidiger sicher im Griff.

Friedrich spielte bei zwei Weltmeisterschaften, absolvierte 82 Länderspiele und erzielte dabei ein einziges Tor: Im Viertelfinale der WM 2010 in Südafrika traf er beim 4:0 gegen Argentinien.

Bei der WM in Brasilien arbeitet der 35-Jährige als Kolumnist für einen chinesischen TV-Sender.

Im SPORT1-Interview erklärt der ehemalige Berliner vor dem Auftaktspiel des DFB-Teams gegen Portugal (ab 17.30 im LIVE-TICKER), wie man Ronaldo stoppen kann.

Zudem spricht der frühere Abwehrspieler über die deutsche Viererkette, Philipp Lahm und die Chancen der deutschen Mannschaft auf den Titel.

SPORT1: Herr Friedrich, Sie haben die deutsche Mannschaft im Training beobachtet. Wie ist Ihr Eindruck vor dem WM-Auftakt?

Arne Friedrich: Ich habe einen sehr guten Eindruck gewonnen. Die Stimmung ist gelöst, alle sind gut drauf. Der Teamspirit in der Mannschaft ist gerade außerordentlich gut.

SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

SPORT1: Sie kennen Joachim Löw schon aus seiner Zeit als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann. Löw gibt sich in Brasilien wahnsinnig locker und entspannt. Ist das wirklich so, oder täuscht der Eindruck und er spielt allen etwas vor? (BERICHT: "Die WM hat für uns begonnen")

Friedrich: Ich finde, dass er als Cheftrainer sehr authentisch ist. Er hat viel Erfahrung hinzugewonnen und weiß, wie man mit Druck umgehen muss. Der Druck ist ja nicht geringer geworden, im Gegenteil. Alle wollen den Weltmeistertitel. Löw macht es super, er ist locker, und das überträgt sich auch auf die Mannschaft.

[tweet url="//twitter.com/mertesacker"]

SPORT1: Wie geht der Bundestrainer denn mit den Spielern um?

Friedrich: Seine Stärken liegen im Umgang mit den Spielern. Er gibt ihnen viele Freiräume und möchte, dass sie Eigenverantwortung übernehmen. Das ist sehr gut für die Spieler, denn sie müssen auf dem Platz auch ihre eignen Entscheidungen treffen.

SPORT1: Was erwarten Sie bei der WM von der deutschen Mannschaft?

Friedrich: Es ist dieses Mal sehr schwer zu sagen. Wir haben einige Spieler dabei, die erst spät fit geworden sind. Man muss schauen, wie sie mit den Temperaturen hier zurechtkommen. Noch ist eine gewisse Unsicherheit da. Ich glaube, dass Deutschland ein sehr gutes Turnier spielen wird und hoffe, dass es für den ganz großen Erfolg reicht.

SPORT1: Deutschland wird gegen Portugal wohl mit vier gelernten Innenverteidigern spielen. Was halten Sie von diesem Modell?

Friedrich: Deutschland hat in der Qualifikation viele Tore kassiert. Das wäre auf jeden Fall eine sinnvolle Variante und eine Maßnahme, um die Defensive zu stabilisieren. Es wird bei diesem Turnier entscheidend sein, hinten gut zu stehen. Aufgrund der Temperaturen ist es sehr wichtig, nicht einem Rückstand hinterher laufen zu müssen.

SPORT1: Sie haben als gelernter Innenverteidiger auch rechts in der Viererkette gespielt. Benedikt Höwedes wäre als Linksverteidiger kein Spezialist, er ist eigentlich Innenverteidiger und Rechtsfuß. Könnte das ein Problem sein oder kann man so variabel spielen?

Friedrich: Es geht alles. Aber ich habe persönlich viel lieber innen gespielt. Das haben auch Höwedes und Boateng schon so gesagt. Ich bevorzuge eher die Variante mit klassischen Außenverteidigern und bin ein großer Fan von Erik Durm. Aber der Bundestrainer hat viele Optionen, das ist gut.

[kaltura id="0_mvja3g5b" class="full_size" title="So läuft die DFB-Vorbereitung auf Portugal"]

SPORT1: Löw hat sich festgelegt, dass Philipp Lahm im Mittelfeld spielen wird. Wo sehen Sie ihn am stärksten?

Friedrich: Philipp ist einer der wenigen, die - bis auf Torwart - alles spielen können - und alles weltklasse spielen können. Ich persönlich sehe ihn lieber als Außenverteidiger. Ich glaube aber nicht, dass er das so gerne hört. Denn wie er mir gesagt hat, fühlt er sich im Mittelfeld sehr wohl.

PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen

SPORT1: Wie schätzen Sie Portugal ein?

Friedrich: Portugal hat gefährliche Einzelspieler. Man muss schauen, wie sie es als Team machen. Die Frage ist auch, wie fit Ronaldo ist. Mit ihm steht und fällt das Team. Sie haben in der Offensive ihre Stärken, in der Defensive aber auch kleinere Schwächen. Da müssen die Deutschen zustechen. Ich denke, dass es ganz gut passt, weil wir in der Offensive unsere besondere Stärke haben.

SPORT1: Wie stoppt man Ronaldo?

Friedrich: Es gibt zwei Dinge, die sehr wichtig sind. Zum einen, dass man versucht, Ronaldo zu doppeln, ihn von zwei Seiten zumacht. Das andere ist, dass man schon bei ihm ist, wenn er den Ball bekommt. Wenn er mit Tempo auf einen zukommt, wird es unheimlich schwer. Er muss direkt bei der Ballannahme gestört werden.

SPORT1: Im zweiten Spiel geht es gegen Ghana. Sie haben bei der WM 2012 gegen Ghana gespielt. Was erwarten Sie?

Friedrich: Ghana ist auch ein unangenehmer Gegner. Sie haben sich selber sehr viel Druck gemacht, indem sie gesagt haben, sie wollen oder müssen Weltmeister werden. Ich glaube aber, dass wir stärker sind und gewinnen.

SPORT1: Im letzten Gruppenspiel trifft das DFB-Team auf die USA. Sie kennen sich in der Major League Soccer sehr gut aus, haben für Chicago gespielt. Wo liegen die Stärken der Amerikaner?

Friedrich: Die Amerikaner können es schaffen, neben Deutschland das Achtelfinale zu erreichen. Jürgen Klinsmann wird das Team sehr gut vorbereiten. Er hat sich Berti Vogts zur Seite geholt, der die deutsche Mannschaft sehr gut kennt. Klinsmann macht einen guten Job, er hat den amerikanischen Fußball revolutioniert. Man sollte die Amerikaner nie unterschätzen.

SPORT1: 2010 wurde Deutschland Dritter. Ist die deutsche Mannschaft jetzt reif für den Titel?

Friedrich: Von den einzelnen Spielern her haben wir die stärkste deutsche Mannschaft seit Jahren. Ob es für den Titel reicht, hängt von vielen Faktoren ab. Aber Deutschland zählt mit Sicherheit zu den Favoriten.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel