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Joachim Löw (l.) schlug mit Deutschland Cristiano Ronaldo und Portugal bei der Euro 2012 mit 1:0: ZUM DURCHKLICKEN: Das DFB-Team hautnah © imago

Vier Innenverteidiger und eine variable Offensive lautet die Taktik gegen Portugal. Doch die DFB-Elf muss nicht nur Ronaldo besiegen.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Salvador - Wenn die deutsche Nationalmannschaft (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) in die WM startet, kämpft sie nicht nur gegen Portugal und gegen Cristiano Ronaldo.

"Man muss nicht nur den Gegner besiegen, sondern man muss auch die klimatischen Bedingungen und die Anstoßzeit besiegen", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Duell des Weltranglisten-Zweiten mit dem Weltranglisten-Vierten (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Ronaldo appelliert an Brasilianer

Ein zusätzlicher Gegner könnte das Publikum sein. Denn die brasilianischen Zuschauer könnten sich auf die Seite der Portugiesen schlagen.

Beide Länder sind eng miteinander verbunden, Portugals Superstar Ronaldo ist in Brasilien sehr beliebt.

Ronaldo appellierte am Sonntag an die Gastgeber. "Ich möchte mich bei allen Brasilianern bedanken und hoffe, dass sie uns unterstützen", sagte der Torjäger von Real Madrid auf der Abschluss-Pressekonferenz.

Gegen Hitze und Feuchtigkeit

Löw und seine Spieler bekamen bereits einen Vorgeschmack darauf, wie schwer die Bedingungen in Salvador sein werden - vor allem klimatisch.

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Am Vormittag regnete es zunächst in Strömen, danach kam die Sonne heraus. In der Mittagshitze fühlte man sich wie in einem Dampfbad.

Für Montag sind 28 Grad vorausgesagt - die sich allerdings wie 35 anfühlen, denn die Luftfeuchtigkeit liegt um die 80 Prozent. Waschküchen-Atmosphäre.

Bento kritisiert frühe Anstoßzeit

Dass die Partie in der prallen Mittagshitze gespielt wird, macht die Sache besonders unangenehm. Die Begeisterung darüber hält sich auch beim Gegner aus Südeuropa in Grenzen.

"Spiele um 13 Uhr sind für jeden schlecht. Für die Spieler und für die Fans. Das ist nicht gut für den Fußball", ärgerte sich Portugals Trainer Paulo Bento über die frühe Anstoßzeit (SERVICE: Der WM-Ticker).

Einwechselspieler enorm wichtig

Die Aufstellung seiner Mannschaft wollte Bento ebenso wenig preisgeben wie zuvor Löw, der noch einmal die Bedeutung der Einwechselspieler hervorhob.

"Wir brauchen eine erste 14", antwortete Löw auf die Frage nach der Startelf.

"Ich bin mehr als glücklich, dass wir viele herausragende Spieler haben, um den einen oder anderen adäquat zu ersetzen.?

Die SPORT1-Start11: Stellen Sie Ihr Team für Portugal auf!

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Helmer zweifelt an Özil

Auch Thomas Helmer glaubt, dass die deutsche Offensive dem Weltranglisten-Vierten wehtun kann

"Unsere wendigen Offensivspieler können es schaffen, die Portugiesen zu überwinden, aber sie müssen dann auch dahin gehen, wo es weh tut", sagte Helmer im Volkswagen-Doppelpass auf SPORT1.

"Wir dürfen nicht zu lieb sein, die Portugiesen werden richtig zur Sache gehen", glaubt der Ex-Nationalspieler, der Zweifel daran hat, dass Özil der richtige Spieler für diese Art von Spielen ist.

"Es kann ein enges Spiel werden und ich mache mir Sorgen, ob er da seine Rolle ausfüllen kann", meint Helmer.

Schweinsteiger und Özil auf der Bank?

Özil und anderen Stars droht daher zum WM-Start ein Platz auf der Ersatzbank.

Doch der Bundestrainer ist bemüht, alle seine Spieler bei Laune zu halten und macht denen Hoffnung, die es nicht in die Anfangsformation schaffen werden.

"Es gibt immer Phasen, in denen man nachlegen muss", sagte Löw.

Özil sowie die Routiniers Miro Klose und Bastian Schweinsteiger könnten gegen einen müde werdenden Gegner die Lücken in Portugals Defensive finden und nutzen.

[kaltura id="0_zifulq3a" class="full_size" title="Highlights der SPORT1 Webshow"]

Spekulationen über die Startelf

Wer in der Startelf stehen wird, darüber wird naturgemäß leidenschaftlich diskutiert.

Im Fokus steht die Vergabe der Plätze im offensiven Mittelfeld. Wird es Löw mit Özil im Zentrum und Andre Schürrle und Mario Götze außen versuchen? Oder doch eher die etwas defensivere Variante mit Toni Kroos in der Mitte und Lukas Podolski auf dem Flügel wählen?

Möglich wäre auch, dass Podolski und Schürrle eine schnelle und dynamische Flügelzange bilden.

"Beide können von Anfang an der Mannschaft sehr viel geben, beide haben der Mannschaft aber auch zuletzt als Einwechselspieler neue Impulse gegeben", gab sich Löw bedeckt.

"Wir haben gute Möglichkeiten", sagte er lediglich.

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Armenien-Formation möglich

Gegen die konterstarken Portugiesen wäre ein Mittelfeld-Trio mit Khedira, Lahm und Schweinsteiger eine defensivere Variante, doch Schweinsteiger dürfte zunächst zuschauen, er ist noch nicht zu 100 Prozent fit.

Kroos hingegen ist in blendender Verfassung und könnte, wie im letzten WM-Test, zusammen mit Lahm und Khedira in der Zentrale beginnen.

Beim 6:1 gegen Armenien ließ sich Kroos immer wieder zurückfallen, wenn Khedira oder Lahm sie in die Offensive einschalteten.

Real Madrid und Holland als Vorbild?

Eins dürfte aber schon vor dem Anpfiff klar sein. Das Wetter wird Einfluss auf die Taktik haben.

Ballbesitzorientierter Dominanzfußball, wie ihn Löw zuletzt nach dem Vorbild des FC Barcelona und des FC Bayern unter Pep Guardiola spielen ließ, ist nicht unbedingt das Allheilmittel.

"Das Mittelfeldspiel wird nicht mehr so entscheidend sein", prognostiziert DFB-Chefausbilder und Taktik-Experte Frank Wormuth im Gespräch mit SPORT1.

Wie Real Madrid "vorne draufgehen, dann sofort zurück, um Kräfte zu sparen", sei ein probates Mittel.

Der 5:1-Sieg der Niederländer gegen Spanien ist ein Beleg für den Erfolg dieser These.

Manndeckung in der Roten Zone

Ein mehr mannorientiertes Abwehrverhalten ist ein weiterer wichtiger Aspekt.

Im letzten Drittel der Abwehr wird der Gegenspieler und nicht mehr der Raum gedeckt, erklärt Wormuth.

Die Rolle des Sonderbewachers für Ronaldo wird Boateng zukommen, der den Superstar schon während der EM 2012 beim 1:0 gegen Portugal gut im Griff hatte.

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Löw setzt auf vier Innenverteidiger

Löw setzt auf eine kompakte Defensive mit vier Innenverteidigern in der Abwehrreihe.

Seine Innenverteidiger seien "alle groß, kopfballstark und haben die gelernte Verantwortung, das Zentrum zuzumachen", sagte der Bundestrainer.

Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Turniere.

Nach diesem bewährten Motto geht Löw zunächst auf Nummer sicher - doch auf der Bank hat er Waffen, die den Portugiesen wehtun können.

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