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Bastian Schweinsteiger bestritt bislang 102 A-Länderspiele für Deutschland © getty

Bastian Schweinsteiger muss sich in Brasilien zunächst mit der Reservistenrolle begnügen. Flick macht ihm bei SPORT1 Hoffnung.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Seguro - Bastian Schweinsteiger lief, er schoss, er köpfte, er traf - und er lachte.

Beim Training am Dienstagvormittag hinterließ der Mittelfeldspieler einen fitten Eindruck. Von Problemen an der Patellasehne war nichts zu erkennen. Und er hatte offensichtlich seinen Spaß.

Die gute Laune war nicht selbstverständlich.

Denn während Schweinsteiger eine komplette Trainingseinheit in der prallen Sonne absolvieren musste, saßen Philipp Lahm, Sami Khedira und Toni Kroos im Schatten und lockerten ihre Beine auf dem Rad.

Hummels-Aus verhindert Einwechslung

Hier die Sieger von Salvador, die beim 4:0 gegen Portugal (Nachbericht) einen perfekten WM-Start hingelegt hatten. Dort der schwitzende Schweinsteiger, der beim Turnierauftakt 90 Minuten lang auf der Bank gesessen hatte.

Er war zum Zusehen verdammt. Auch wenn der ursprüngliche Plan ein anderer war.

"Wir hatten natürlich geplant, Bastian für Sami Khedira reinzubringen, aber Sami hat sich dann durchgebissen", sagte Co-Trainer Hansi Flick im Gespräch mit SPORT1.

Auch Mats Hummels' Oberschenkelverletzung verhinderte Schweinsteigers Einsatz. "Weil sich Mats verletzt hat, mussten wir anders reagieren", erklärte Flick.

Für Hummels kam Abwehrspieler Shkodran Mustafi, Schweinsteiger blieb auf der Bank.

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Flick: Eine Option gegen Ghana

Ob der Münchner im zweiten Gruppenspiel am Samstag gegen Ghana spielen wird, ist noch offen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"Er ist eine Option", sagte Flick: "Er ist hundertprozentig fit und mit Sicherheit eine absolute Alternative."

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Gegen Portugal hatte der Vize-Kapitän seine Reservistenrolle ohne Klagen angenommen.

Bei den Toren von Thomas Müller und Hummels sprang er auf und freute sich mit den Teamkollegen. Von Frust war ihm äußerlich nichts anzumerken.

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Ungewohnte Rolle als Ersatzmann

Dennoch: Schweinsteiger ist momentan nur eine Alternative, wenn Khedira, Philipp Lahm oder Toni Kroos mal eine Verschnaufpause brauchen oder wenn es im deutschen Spiel nicht läuft.

Ob er ein Spieler ist, der von der Bank kommend neue Impulse geben kann, muss sich aber erst noch zeigen. Denn die Rolle des Reservisten ist eine ungewohnte für den 29-Jährigen.

Seit zehn Jahren spielt Schweinsteiger in der Nationalelf. Am 6. Juni 2004 verhalf ihm der damalige Teamchef Rudi Völler zum Länderspiel-Debüt. Genau wie Lukas Podolski wurde er damals beim 0:2 gegen eine B-Elf aus Ungarn eingewechselt.

Unter Löw bislang immer gesetzt

Bei der anschließenden EM in Portugal kam Schweinsteiger in allen drei Gruppenspielen zum Einsatz. Das DFB-Team schied in der Vorrunde aus, Völler ging, Klinsmann kam - und mit ihm Joachim Löw.

Der damalige Co-Trainer kennt Schweinsteiger nun schon seit zehn Jahren.

Seit Juli 2006 ist Löw Bundestrainer und seitdem gehört Schweinsteiger zu den wichtigsten Spielern der Nationalmannschaft.

Immer wieder von Verletzungen gestoppt

Bei der WM 2010 war er der überragende Mann im Mittelfeld, von seiner damaligen Form ist er momentan aber noch weit entfernt.

Löw weiß zwar, was er an Schweinsteiger hat. Er weiß aber auch um dessen Verletzungsanfälligkeit.

102 Länderspiele hat der Bayern-Profi bisher absolviert. Es hätten jedoch viele mehr sein können - wenn er nicht durch Verletzungen etliche Einsätze verpasst hätte.

Auch bei den Bayern fehlte er häufig, so in der abgelaufenen Bundesliga-Saison kam er auf lediglich 23 Einsätze. Am letzten Spieltag verletzte er sich erneut.

Ordentlicher Test gegen Armenien

Im Trainingslager der DFB-Auswahl in Südtirol absolvierte Schweinsteiger zunächst nur Laufeinheiten, trainierte erst nach einigen Tagen mit der Mannschaft.

Vor der Abreise nach Brasilien wechselte Löw ihn beim 6:1 im Test gegen Armenien ein. Schweinsteiger spielte gut, schien aber noch nicht in optimaler Verfassung zu sein.

Nun ist er fit, auch wenn seine Kraft in Brasiliens Hitze vielleicht noch nicht für 90 Minuten reicht.

Schon bei EM 2012 nicht ganz fit

Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine hatte Löw den damals nicht vollständig fitten Schweinsteiger durchs Turnier geschleppt.

Diesen Fehler wird der Bundestrainer wohl nicht noch einmal machen.

Er weiß jedoch, dass der Bayer mit seiner enormen Erfahrung im weiteren WM-Verlauf noch sehr wichtig sein kann.

Wenn Schweinsteiger am Samstag gegen Ghana allerdings wieder nicht zum Einsatz kommen sollte, könnte sich seine gute Stimmung schon bald ändern.

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