Toni Kroos steht vor dem Sprung in die Weltklasse. Bei der WM spielt er um den Titel, sein Image - und einen Megavertrag.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Seguro - Es war nur eine etwas unglückliche Formulierung, doch Toni Kroos versetzte sie sofort in den Abwehrmodus.

Gegen Portugal habe Kroos ja überzeugt, aber in großen Spielen bisher nicht so im Vordergrund gestanden, setzte ein englischer Journalist an.

Dann fragte er: "Was war dieses Mal anders, dass es so gut für Sie gelaufen ist?"

Einen kurzen Moment herrschte Stille.

"Welche genau? Sie müssen mir schon die großen Spiele nennen, in denen es nicht lief", antwortete Kroos mit einer Gegenfrage und meinte: "Dann haben Sie noch nicht so viele Spiele von mir gesehen."

Hansi Flick, der neben Kroos auf dem Podium saß, sprang dem Mittelfeldspieler zur Seite. "Toni ist ein Spieler, der noch jung ist und eine hervorragende Entwicklung genommen hat. Wir sind absolut zufrieden mit ihm", sagte der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw

Die Szene war ein harmloses Missverständnis, zeigte aber das ganze Dilemma des Toni Kroos (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Chronisch unterbewertet

Der 24-Jährige wird intern geschätzt, doch in der Öffentlichkeit steht er immer wieder in der Kritik. Auf die Frage, ob er sich zu schlecht bewertet fühle, antwortete er: "Mir war immer wichtig, was meine Trainer und mein engstes Umfeld über mich denken, alles andere ist zweitrangig."

Nach seiner guten Vorstellung beim 4:0 zum WM-Auftakt gegen Portugal (Nachbericht) könnte Kroos nun endgültig der Durchbruch vom hochtalentierten Spieler zum Star gelingen.

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Es wäre der optimale Zeitpunkt. Alle Welt schaut nach Brasilien.

Wettbieten nach der WM?

Jeder gewagte Pass, jeder gefährliche Schuss, jedes gelungene Tackling macht ihn für potenzielle neue Arbeitgeber noch interessanter.

Es könnte nach dem Turnier zu einem Wettbieten kommen - in Sachen Ablöse, aber auch in Sachen Gehalt.

Der Vertrag des Mittelfeldspielers beim FC Bayern läuft bekanntlich 2015 aus. Eine Verlängerung kam bislang nicht zu Stande.

Während Philipp Lahm und Thomas Müller kurz vor dem WM-Start neue Arbeitspapiere bei den Münchnern unterzeichneten, lässt Kroos seine Zukunft offen

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Real lockt mit Mega-Vertrag

Zuletzt war er immer wieder mit Real Madrid, Manchester United und dem FC Arsenal in Verbindung gebracht worden.

Angeblich bietet Real mittlerweile 30 Millionen Euro Ablöse, lockt ihn mit einem Jahresgehalt in Höhe von 8,5 Millionen Euro und einem Vertrag bis 2019.

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"Bei mir gibt es nichts Neues. Es hat sich im Vergleich zu vor der WM nichts verändert", sagte Kroos zu den Wechselgerüchten. Er spielt in Brasilien nicht nur für Deutschland, sondern auch für seinen Marktwert und die Aussicht auf mehr Geld.

Andere Bayern-Spieler verdienen deutlich mehr. Mit einer starken WM könnte er seine Verhandlungsposition deutlich verbessern.

Talent muss reifen

Schon mit 17 Jahren absolvierte Kroos sein erstes Bundesligaspiel für die Bayern. Im September 2007 bereitete er als Einwechselspieler zwei Tore beim 5:0-Sieg der Münchner gegen Cottbus vor.

Kroos, 2006 aus der Jugend von Hansa Rostock an die Säbener Straße gewechselt, galt schon damals als eines der größten Talente des deutschen Fußballs. Doch er musste erst einmal reifen.

Trotz seiner Fähigkeiten konnte er sich zunächst nicht durchsetzen, im Winter 2009 liehen ihn die Münchner nach Leverkusen aus. Dort entwickelte er sich unter dem damaligen Trainer Jupp Heynckes weiter, glänzte als Vorbereiter und Torschütze . Der nationale Durchbruch war geschafft.

Im März 2010 machte Kroos sein erstes Länderspiel, im Mai berief ihn Bundestrainer Joachim Löw in den Kader für die WM. In Südafrika kam er vier Mal zum Einsatz, allerdings nur als Einwechselspieler.

Sündenbock nach EM-Aus

Kroos folgte Heynckes zurück nach München, entwickelte sich zum Stammspieler. Doch im DFB-Team hatte er Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Mesut Özil vor sich.

Bei der EM 2012 musste er sich in der Vorrunde mit der Rolle des Ersatzmanns begnügen. Im Halbfinale stand er in der Startelf, doch er enttäuschte wie die gesamte Mannschaft. Nach dem Aus gegen Italien galt er als Sündenbock.

Aber Kroos warf das nicht um.

Nach dem enttäuschenden Jahr mit drei verpassten Titel mit den Bayern und dem Halbfinal-Aus mit der Nationalmannschaft gewann er mit seinem Klub im Jahr darauf das Triple. Im DFB-Team avancierte er zu den Leistungsträgern in der WM-Qualifikation.

Leistungsträger unter Guardiola

"Toni ist ein Spieler, der sehr ballsicher ist, der das Spiel öffnen kann. Er hat die ganze Saison schon auf sehr hohem Niveau gespielt", erklärte Flick auf SPORT1-Nachfrage.

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Bei den Bayern gehörte Kroos zu den Leistungsträgern im Team von Trainer Pep Guardiola, und dennoch war er im DFB-Team keineswegs gesetzt. Mesut Özil in der Offensivzentrale und Bastian Schweinsteiger auf der Sechserposition schienen als Konkurrenten übermächtig.

Löw findet den Platz für Kroos

Erst Löws neue Variante mit einer flexiblen defensiveren und einer offensiven Dreierreihe öffnete für Kroos die Tür.

"Philipp ist der zentrale Spieler vor der Abwehr. Sami und ich gehen im Wechsel vorne rein und kümmern uns abwechselnd um den Spielaufbau", beschrieb er seine Rolle:

"Ich versuche hinten zu helfen, aber auch etwas weiter vorne aufzutauchen, um zum Abschluss zu kommen. Hauptsache ich darf irgendwo im Zentrum spielen. Dann ist alles gut."

Inzwischen kann Kroos derartige Ansprüche stellen. Er hat sich etabliert. Beim DFB-Team. Und bald vielleicht auch in der absoluten Weltelite.

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