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SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch (r.) traf sich im DFB-Quartier mit Benedikt Höwedes © getty

Höwedes spricht bei SPORT1 über seinen WM-Traum, den Weg nach langer Verletzung ins DFB-Team, das Ghana-Spiel und Boateng.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Seguro/Fortaleza - Nein, Hans Sarpei hat Benedikt Höwedes nicht angerufen, um sich Tipps für das zweite WM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Ghana (Sa., ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) zu holen.

Er habe keinen Kontakt zu seinem ehemaligen Schalker Teamkollegen, der noch in Südafrika 2010 für Ghanas Nationalelf spielte, erklärt Höwedes.

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Der 26-Jährige macht einen sehr entspannten Eindruck, als er sich auf der Terrasse des Costa Brasilis Resort ganz in der Nähe des Campo Bahia zum Gespräch mit SPORT1 trifft.

Kein Wunder, denn er stand beim 4:0-Auftaktsieg des DFB-Teams gegen Portugal in der Startelf und wie es aussieht, wird er auch gegen Ghana Teil der Abwehr-Viererkette sein.

Im SPORT1-Interview spricht Höwedes über den WM-Auftakt, seinen harten Weg zurück nach einer langen Verletzung, Kartenspielen mit Mesut Özil und Sami Khedira sowie über Ghana und seinen Klubkollegen Kevin-Prince Boateng.

SPORT1: Herr Höwedes, Sie sind zum ersten Mal bei einer WM dabei und haben im ersten Spiel gespielt. Wie war es?

Benedikt Höwedes: Es war ein tolles Gefühl für mich, auf dem Platz gestanden zu haben. Ein Kindheitstraum ist für mich in Erfüllung gegangen.

SPORT1: Der Start der deutschen Mannschaft gegen Portugal war auch traumhaft. (Nachbericht)

Höwedes: Es war ein toller Start, aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Im Gegenteil: Wir müssen noch eine Schippe drauflegen und in den nächsten beiden Gruppenspielen Konstanz beweisen und unsere Leistung abrufen. Dann werden wir auch ins Achtelfinale einziehen.

SPORT1: Sie sind Innenverteidiger und haben außen bisher zumeist rechts gespielt. Hätten Sie es sich träumen lassen, überhaupt bei der WM zu spielen und dann noch als Linksverteidiger? (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Höwedes: Ich habe mir immer Hoffnungen gemacht, aber ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, auf der Position eingesetzt zu werden. Auch wenn man während des Trainingslagers schon vorschnell von manchen Leuten abgeschrieben wurde, bin ich relativ entspannt mit der Situation umgegangen und habe immer an mich geglaubt. Der Trainer hat mir auch Signale gegeben, dass er zufrieden mit mir ist und auf meine Stärken vertraut.

SPORT1: Wie haben Sie die Umstellung auf die ungewohnte Position geschafft?

Höwedes: Ich hatte auf Schalke eine gute Grundausbildung, wo der A-Jugendtrainer (Norbert Elgert, Anm. d. Red.) hervorragende Arbeit verrichtet. Man kann sich auf ungewohnten Positionen einfinden, wenn man mit der richtigen Einstellung reingeht. Wenn man sagt, dass man keinen Bock darauf hat, geht man die Sache anders an als wenn man sagt: Okay, ich traue mir das zu. Aber allein durch die Kraft der Gedanken habe ich mit Sicherheit keinen linken Fuß gekriegt, der mir zu grandiosen Flanken verhelfen wird. Ich konzentriere mich jedenfalls auf meine Qualitäten und versuche, diese in die Mannschaft einzubringen.

SPORT1: Was ist der Vorteil, mit vier gelernten Innenverteidigern zu spielen?

Höwedes: Wir sind alle vier sehr kopfballstark und dadurch bei hohen Bällen und Standards nicht so anfällig. Dazu sind wir zweikampfstark und schnell. Diese Qualitäten können bei einer Weltmeisterschaft entscheidend sein.

SPORT1: Sie waren lange verletzt, hatten von Mitte März bis Mitte Mai kein Spiel gemacht. Wie haben Sie es geschafft, den Bundestrainer von sich zu überzeugen?

Höwedes: Sein Vertrauen habe ich mir hart erarbeitet. Ich habe nichts auf die leichte Schulter genommen, sondern mich immer reingehauen. Ich habe viel investiert, habe viele Extra-Schichten geschoben. Es hat sich ausgezahlt. Ich habe im Trainingslager relativ schnell meinen Rhythmus gefunden. Ich bin auf den Punkt fit, und der Trainer hat das anscheinend mitbekommen.

SPORT1: Sie galten für viele als Wackel- oder Streichkandidat, dann mussten Sie im Trainingslager auch noch das Erlebnis mit dem Autounfall verkraften. Wie haben Sie es geschafft, locker zu bleiben?

Höwedes: Ich bin im Umgang ein lockerer Typ, wenn auch vielleicht nicht ganz so eine Frohnatur wie Poldi. Ich bin entspannt und vertraue auf meine Stärken. Ich weiß, was ich kann und was der Bundestrainer von mir hält. Ansonsten genieße ich das Leben. Wir sind in Brasilien, haben tolles Wetter, spielen bisher eine traumhafte WM, ich bin ein Teil davon. Es gibt keinen Grund, schlechte Laune zu haben.

SPORT1: Manuel Neuer, Mats Hummels, Philipp Lahm und Thomas Müller spielen Schafkopf. Was machen Sie?

Höwedes: Mit Per Mertesacker, Mesut und Sami spiele ich Phase zehn. Man hat zehn Karten und muss verschiedene Phasen erledigen. Wer alle als Erster erledigt hat, der hat gewonnen. Das spielen wir jeden Abend. SHOP: Jetzt Deutschland-Fanartikel kaufen

SPORT1: Ihr Schalker Kollege Kevin-Prince Boateng hat bei Ghanas 1:2 gegen die USA nicht von Beginn an gespielt. Waren Sie überrascht darüber?

Höwedes: Ich war überrascht, denn ich kenne seine Stärken. Er ist ein fantastischer Spieler mit herausragenden Qualitäten, die Ghanas Team mit Sicherheit guttun. Der Trainer hatte für das Spiel gegen die USA eine andere Idee. Aber ich gehe fest davon aus, dass er gegen uns spielen wird.

SPORT1: Kevin-Prince Boateng hat behauptet, dem deutschen Team fehlen die Typen. Haben Sie mit ihm darüber gesprochen, und was sagen Sie dazu?

Höwedes: Ich habe ihn nicht darauf angesprochen. Das ist seine persönliche Meinung. Wir haben hier bei der Nationalmannschaft eine gute Mischung von wirklich starken Charakteren. Es ist nicht mehr so wie früher, als es nur einen oder zwei Spieler gab, die das Sprachrohr waren - und die anderen haben sich ohne Widerworte gefügt. Heute haben mehr Leute Mitspracherecht. Es gibt starke Charaktere, die den Weg vorgeben, aber jeder trägt seinen Teil dazu bei, damit wir den Weg zusammen gehen. WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

SPORT1: Denken Sie schon daran wie es wäre, im Verlauf des Turniers auf große Kaliber wie Robben, Messi oder Neymar zu treffen?

Höwedes: Nein. Wir haben das Achtelfinale noch nicht erreicht, das muss man klar sagen. Wir spielen jetzt erst einmal gegen Ghana, danach gegen die USA. Darauf konzentriere ich mich.

SPORT1: Wie gehen Sie in das Spiel gegen Ghana?

Höwedes: Wir werden ihre Stärken und Schwächen genau analysieren und uns darauf einstellen, um vernünftige Mittel gegen sie zu finden und erfolgreich zu sein.

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