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Shkodran Mustafi ist seit diesem Jahr deutscher Nationalspieler
Mustafi rückte erst durch den Ausfall von Reus in den endgültigen WM-Kader. ZUM DURCHKLICKEN: DFB-Team hautnah © getty

Erst aussortiert, dann reinrotiert: Mustafi ist die Überraschung im DFB-Team. Bei SPORT1 spricht er über seinen Aufstieg.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Santo Andre/Fortaleza - Er hatte den Urlaub auf Ibiza schon gebucht, von seiner WM-Teilnahme erfuhr er in einer Autowerkstatt in Bebra.

Und plötzlich fand sich Shkodran Mustafi im Campo Bahia wieder.

"Traum in Erfüllung gegangen"

"Irgendwann war ich auf dieser Fähre nach Santo Andre. Es ging sehr schnell und ich habe das gar nicht alles realisieren können", sagte Mustafi nach seinem WM-Debüt beim 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal im Gespräch mit SPORT1.

Und als er eingewechselt wurde, war aus einem Märchen endgültig Wirklichkeit geworden.

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich genieße es einfach, hier zu sein und bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte."

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Mustafi war in der 73. Minute für den verletzten Mats Hummels eingewechselt worden. Der Sprung ins kalte Wasser schockte ihn nicht.

"Man muss immer von der ersten Minute an bereit sein. Es ist aber schon etwas Besonderes, wenn sich einer verletzt, der auf deiner Position spielt. Dann merkst du schon noch ein bisschen mehr das Kribbeln", meinte Mustafi.

Aha-Effekt gegen Ronaldo

Er spielte aber nicht in der Innenverteidigung, sondern als Rechtsverteidiger gegen Cristiano Ronaldo. Doch er erledigte seine Aufgabe souverän.

"Das war ein Aha-Effekt, mehr aber auch nicht", sagte er zum Aufeinandertreffen mit dem Weltfußballer.

Mustafi ist auf der ganz großen Fußballbühne angekommen. Und das Interesse an seiner Person mit jedem Tag der WM größer.

Drei Klubs jagen den Hessen

Nach Informationen aus Italien jagen gleich drei Bundesligavereine den Sohn albanischer Eltern: Dortmund, Leverkusen und Schalke.

Der stets gut informierte Transfermarkt-Experte Gianluca Di Marzio schreibt dies auf seiner Homepage, berichtet die "Bild".

Mustafi ist die WM-Sensation im DFB-Team. Schon die Nominierung des 22-Jährigen von Sampdoria Genua für das Testspiel im März gegen Chile war eine große Überraschung.

Über Hamburg und Everton nach Genua

Mustafi stammt aus dem hessischen Bebra, wurde beim Hamburger SV ausgebildet, und wechselte 2009 im Alter von 16 Jahren nach England zum FC Everton. Seit 2012 ist er in Italien, sein Vertrag in Genua läuft bis 2016. (SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen)

"Für mich war es wichtig, dass ich mir einen Stammplatz erarbeite. Das habe ich in Italien geschafft", sagte er nach seiner ersten Nominierung für das Chile-Spiel im SPORT1-Interview.

Sein Debüt für Sampdoria gab er im November 2012 als Rechtsverteidiger. "Wir haben letztes Jahr mit einer Dreierkette gespielt, was ich zuvor nicht gekannt habe. Als junger Spieler so viel im taktischen Bereich gelehrt zu bekommen, ist natürlich ein Vorteil", erklärte Mustafi.

Rückkehr nach Deutschland nicht ausgeschlossen

In der Bundesliga hat er noch nie gespielt. Er ist überhaupt erst der vierte Spieler, der ohne einen Einsatz in der Bundesliga für Deutschland bei einer WM auflief. Der bislang Letzte war Robert Huth.

Eine Rückkehr nach Deutschland schließt Mustafi nicht aus.

"Was der nächste Schritt ist, entscheide ich mit meinem Vater und meinem Berater am Ende der Saison", sagte er Ende Februar.

Kritik an seiner Nominierung stört ihn nicht

Als Bundestrainer Joachim Löw ihn im Mai in den vorläufigen WM-Kader berief, machten selbst viele Experten große Augen. Beim 0:0 gegen Polen gab er sein Länderspieldebüt.

Nach dem Trainingslager in Südtirol und dem Test gegen Kamerun fiel er zunächst durchs Sieb, doch nach Marco Reus? WM-Aus holte ihn Löw zurück.

Die Entscheidung des Bundestrainers, einen Abwehrspieler für den Dortmunder nach zu nominieren, stieß bei Experten und Medienvertretern auf großes Unverständnis. Doch Mustafi stört das nicht.

"Der Trainer sieht mehr als die Medien"

"Ich denke, dass der Trainer mehr sieht als die Medien. Er hat mir gesagt, dass er mir vertraut und dass das der ausschlaggebende Punkt ist", gibt sich der Italien-Legionär selbstsicher: "Für mich ist nicht wichtig, dass mich jeder kennt, sondern dass ich ein Teil der Mannschaft bin."

Auch gegen Ghana (Sa., ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) könnte er wieder dazu gehören. Und sollte Hummels nicht rechtzeitig fit werden, dürfte er sogar in der Startelf stehen. Denn Löw wird seine Taktik mit vier gelernten Innenverteidigern wohl vorerst nicht verändern. (PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen)

Mit breiter Brust in die Spiele

Zeit, seinen Aufstieg zu verarbeiten, hatte Mustafi bisher nicht. "Dass alles so schnell gegangen ist und man keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, hilft auf einer Seite", sagte er: "Auf der anderen Seite ist es schön, es zu realisieren, weil es dich auch pusht und du mit breiter Brust in solche Spiele gehst.

Für seine 22 Jahre wirkt er sehr reif und abgeklärt, das finden auch seine Mitspieler.

"Musti bringt Ruhe und taktische Klugheit über das italienische Spiel rein. Er spielt immer mal wieder einen klaren Pass", erklärte Per Mertesacker die Stärken seines jungen Abwehrkollegen: "Da kann ich mir auch noch etwas abgucken."

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