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Zwischen 1999 und 2006 absolvierte Otto Addo (l.) für Ghana 15 Länderspiele © getty

Der frühere Bundesligaspieler Otto Addo arbeitet während der WM als Spion für Ghana und nahm auch das DFB-Team unter die Lupe.

Von Reinhard Franke

München - Otto Addo ist als Spion unterwegs.

Der 39-Jährige arbeitet während der Weltmeisterschaft als Scout für Ghana, das Land seines Vaters. In dieser Funktion hat Addo auch die deutsche Nationalmannschaft beobachtet und den "Black Stars" Tipps für das Duell am Samstag gegeben (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Der langjährige Bundesligaprofi und heutige A-Jugendcoach des Hamburger SV gibt den Afrikanern eine echte Siegchance. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Eine Schlüsselrolle traut der Ex-Profi des HSV, von Mainz 05, von Hannover 96 und Borussia Dortmund dabei dem Schalker Kevin-Prince Boateng zu: "Er ist ganz klar unser Führungsspieler." (SHOP: Jetzt Deutschland-Fanartikel kaufen)

Im SPORT1-Interview spricht Addo zudem über Ghana, seinen Job, das DFB-Team.

SPORT1: Herr Addo, Sie sagten, dass keine zwei Herzen in Ihrer Brust schlagen, wenn Ghana gegen Deutschland spielt. Wie kommt?s?

Otto Addo: Das ist doch ganz normal, weil ich während der WM für Ghana arbeite. Auch Jürgen Klinsmann, der für die USA arbeitet, ist in dem Moment, wo er gegen Deutschland spielt, ganz klar für die USA. Ich bin mit Kopf und Herz für Ghana. Ansonsten drücke ich natürlich den Deutschen die Daumen. Aber nicht gegen uns. (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

SPORT1: Sie arbeiten in Brasilien als Scout für Ihr Heimatland. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Addo: Ich bin zuständig für die Gegner-Beobachtung, stelle Videos zusammen und habe jetzt im Vorfeld zum Spiel gegen die deutsche Mannschaft Philipp Lahm und Co. unter die Lupe genommen. Zudem habe ich viele Spiele aus den letzten Monaten auf Video zusammengestellt, die Stärken und Schwächen der Gegner herausgeschnitten und unserem Trainer (Kwesi Appiah, Anm. d. Red.) gezeigt. Bei der Mannschaftsbesprechung mache ich auch mal taktische Vorschläge, wie man spielen könnte. Am Ende entscheidet dann aber natürlich der Trainer.

SPORT1: Welche Meinung haben Sie von der deutschen Mannschaft?

Addo: Das ist schon eine sehr starke Truppe, wir sind klarer Außenseiter. Das wird extrem schwer für uns, aber wir werden nicht chancenlos sein. Wenn unsere Jungs das umsetzen, was der Trainer verlangt und sie konzentriert ins Spiel gehen, dann ist alles möglich. Auch wir haben viel Potenzial in der Mannschaft. Bei uns spielen sehr viele gute, junge Spieler und wie heißt es so schön: Im Fußball ist alles möglich.

SPORT1: Was haben sie nach der 4:0-Gala der Deutschen gegen Portugal gedacht?

Addo: Das war schon ein super Spiel der deutschen Mannschaft. Thomas Müller war überragend. Es ist aber nicht völlig neu, was die spielen. Götze, Khedira, Özil und wie sie alle heißen ? alles klasse Kicker. Das Spiel war für mich jetzt keine große Überraschung, besonders nach der Roten Karte für Portugal war es für die natürlich sehr schwer bei der Hitze.

SPORT1: Nach der Niederlage gegen die USA im ersten Spiel steht Ghana gegen Deutschland schon unter Druck. Wie ist die Stimmung im Team?

Addo: Nach der Niederlage war die Stimmung etwas gedrückt, aber inzwischen sind wir wieder sehr gut drauf, die Jungs wollen und sind heiß. Ich glaube fest daran, dass wir eine Chance haben werden. Wir sind gut drauf und gehen weiter aufrecht. Jeder denkt doch, dass wir sowieso verlieren, von daher können wir ganz unbeschwert in die Partie gehen.

SPORT1: Am Samstag kommt es zum Bruder-Duell zwischen Jerome gegen Kevin-Prince Boateng. Wie wichtig ist der ghanaische Boateng als Führungsspieler?

Addo: Kevin ist ganz klar unser Führungsspieler, aber wir haben auch noch andere. Es spielen bei uns mit Michael Essien und Sulley Ali Muntari vom AC Mailand oder Asamoah Gyan von Al-Ain Sport-Club, der seine dritte WM spielt und Ghanas Rekordtorschütze ist, weitere gute und erfahrene Spieler, die neben Kevin ganz klar Führungskräfte sind. Da mache ich mir keine Sorgen.

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SPORT1: Was macht Ihnen gegen die Deutschen Hoffnung?

Addo: Wir spielen voll auf Sieg, wären aber auch mit einem Punkt zufrieden. Wir wollen die drei Punkte gegen Deutschland. Ich glaube an unsere Jungs, die mit Leidenschaft sicher für Furore sorgen können.

SPORT1: Vor welchem deutschen Spieler hat man den größten Respekt?

Addo: Wir haben vor der ganzen Mannschaft Respekt, aber keine Angst. Deutschland hat auch schon Spiele verloren und ist absolut verwundbar. Ich will keinen Spieler hervorheben. Müller ist natürlich vorne eine Klasse für sich, hinten macht Boateng den Laden dicht und ein Lahm verteilt die Bälle sehr gut. Jeder auf seiner Position ist stark. Wir müssen auf der Hut sein.

SPORT1: Sind die Deutschen auch Ihr WM-Favorit?

Addo: Nicht unbedingt. Mein Finale lautet Brasilien gegen Argentinien - oder gegen Deutschland. Ghana kommt ins Halbfinale. Das wäre ein Riesenerfolg, weil wir soweit noch nie kamen.

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