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Die beiden Retter der deutschen Elf gegen Ghana: Miroslav Klose (l.) und Bastian Schweinsteiger. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Spiels © getty

Deutschland muss nach dem Remis gegen Ghana vor dem WM-Aus zittern. Klose und Schweinsteiger drängen ins Team.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Fortaleza - Die deutschen Spieler wirkten zuversichtlich, ja sogar fast erleichtert.

Und das, obwohl sie nach dem Kraftakt von Fortaleza abgekämpft durch die Mixed Zone des Estadio Castelao gingen.

Und obwohl die 4:0-Gala zum WM-Auftakt gegen Portugal nur fünf Tage zuvor in diesen Momenten weit weg schien.

Nach dem 2:2 (0:0) gegen Ghana (Bericht) ist nun sogar das Vorrunden-Aus ein mögliches Szenario.

Am kommenden Donnerstag geht es gegen die USA und Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann um alles oder nichts. Ein Zitterspiel.

Es muss eine Leistungssteigerung her. Mehr Tempo, mehr Struktur. Ähnlich wie in der dramatischen Schlussphase dieses hart erarbeiteten Unentschiedens gegen die Afrikaner. Andernfalls könnte der WM-Traum früh platzen.

"Wetter darf keine Ausrede sein"

"Was wir heute erlebt haben, konnte man im Vorfeld nicht testen", sagte Per Mertesacker: "Wir wissen jetzt, dass wir auch bei diesen Temperaturen noch zurückkommen können."

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Bei um die 30 Grad hatte das DFB-Team dank einer Energieleistung die Niederlage gerade noch abgewendet. (910108DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Es waren anstrengende 90 Minuten. Aber das Wetter darf keine Ausrede sein", sagte Philipp Lahm, der auf der Sechserposition seine wohl schlechteste Leistung im Nationaltrikot gezeigt hatte.

"Die zweite Halbzeit war ein offener Schlagabtausch, mit einem irrsinnigen Tempo unter diesen Bedingungen", meinte auch Bundestrainer Joachim Löw.

Genau so einen Schlagabtausch hatte die deutsche Elf eigentlich vermeiden wollen. Sie hatte nicht gut gespielt, jedoch immerhin Charakter bewiesen. (910045DIASHOW: Die DFB-Elf in der Einzelkritik)

Löw beweist glückliches Händchen

"Aus dem Nichts haben wir zwei Gegentore kassiert. Dann hat die Mannschaft gute Moral gezeigt", sagte Löw - und er selbst ein glückliches Händchen. (Stimmen)

Es stand 1:2, als der Bundestrainer in der 69. Minute Miroslav Klose und direkt danach Bastian Schweinsteiger für Mario Götze und den stark abbauenden Sami Khedira ins Spiel brachte.

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Die beiden Neuen drückten dem Spiel sofort ihren Stempel auf. Schweinsteiger mit beeindruckender Präsenz und Impulsen im Mittelfeld, Klose mit dem Tor zum 2:2 und weiteren gefährlichen Aktionen.

Zwei Minuten nach seiner Einwechslung presste der Stürmer einen Kopfball von Benedikt Höwedes am rechten Pfosten über die Linie und verhinderte die drohende Niederlage. Es war sein insgesamt 15. WM-Treffer. Damit ist er nun Rekordhalter. Neben dem Brasilianer Ronaldo. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Toni Kroos hatte den Ball hoch in den Strafraum geschlagen, Schweinsteiger die Ecke herausgeholt. Und Klose tat das, was er am besten kann: Er schoss ein Tor.

"Ein stolzer Moment für die beiden"

"Das ist ein stolzer Moment für die beiden", sagte Mertesacker über die eingewechselten Routiniers, die beim 4:0 gegen Portugal noch 90 Minuten lang auf der Bank gesessen hatten.

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"Das gibt Selbstvertrauen. Den beiden, aber auch der Mannschaft", ergänzte Mertesacker: "Wir wissen, dass wir jederzeit Hilfe bekommen, wenn wir welche brauchen."

Die Mannschaft brauchte an diesem heißen Nachmittag in Fortaleza diese Hilfe. Gegen die physisch starken und taktisch disziplinierten Ghanaer fanden die deutschen Spieler zunächst kein Mittel.

Probleme beim Umschalten

"Wir haben unseren Rhythmus bei eigenem Ballbesitz nicht geändert", stellte Torwart Manuel Neuer fest: "Gegen eine solche Mannschaft kann man Probleme verursachen, wenn man den Ball schnell laufen lässt."

Doch das passierte kaum. Von dem variablen Spiel im Mittelfeld, gegen Portugal noch der Schlüssel zum Erfolg, war fast nichts übrig geblieben.

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Die Dreierreihe mit Lahm, Khedira und Kroos schaffte es nicht, das Spiel und den Gegner unter Kontrolle zu bringen.

Und in der Offensive nutzten Mario Götze, Mesut Özil und Thomas Müller ihre Chancen nicht.

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"Haben die Räume zu groß gemacht"

"Wir waren nicht so aggressiv von Anfang an und haben die Räume etwas zu groß gemacht", analysierte Lahm.

"Wir haben es taktisch nicht gut gelöst und hatten dadurch Probleme", ergänzte Khedira: "Ein Schritt zu wenig hier, ein Schritt zu wenig da, und Ghana hat nie aufgesteckt und gut gespielt."

Und Mats Hummels wiederum meinte: "In der ersten Halbzeit haben wir den letzten Pass nicht gut angebracht, in der zweiten Halbzeit hatten wir vermehrt Ballverluste."

Hummels fit, Boateng verletzt sich

Der Dortmunder hatte sich am Tag vor dem Spiel nach seiner Oberschenkelprellung fit gemeldet. Nun bangt Löw um Jerome Boateng.

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Der Abwehrspieler musste mit einer Muskelverhärtung im Oberschenkel in der Kabine bleiben und wurde durch Shkodran Mustafi ersetzt.

Sechs Minuten nach der Pause erzielte Götze nach einer Flanke von Müller die überraschende Führung, doch für Sicherheit sorgte das 1:0 nicht. Ghana drehte das Spiel durch Treffer von Andre Ayew (54.) und Asamoah Gyan (63.). Kloses Rekordtreffer sicherte dann den Punkt.

"20 Spiele und 15 Kisten ist schon nicht schlecht", sagte Klose in der "ARD": "Aber wichtig ist, dass wir nun gegen die USA gut auftreten."

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Showdown gegen die USA

Im letzten Gruppenspiel würde gegen Klinsmanns Team ein Remis zum Weiterkommen reichen.

"Nun bereiten wir uns vernünftig vor, dann holen wir die drei Punkte. Wir schlagen die USA.", versprach Götze.

Die Frage wird sein, mit welcher Besetzung der Bundestrainer dies versuchen wird.

Müller zog sich in der Schlussphase eine Platzwunde an der Augenbraue zu und musste genäht werden. Der Bayer kann aber wohl am Donnerstag auflaufen.

Die Kernfragen sind ohnehin andere: Werden Klose und Schweinsteiger von Beginn an spielen? Agiert Lahm weiter im Mittelfeld oder hilft er der Mannschaft als Rechtsverteidiger mehr?

Dies wird bis zum Anpfiff die Diskussionen beherrschen.

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