Schweinsteiger und Klose retten das Remis gegen Ghana. Der Münchner könnte den verletzten Khedira gegen die USA ersetzen.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Fortaleza - Bastian Schweinsteiger stand schon bereit, doch dann setzte er sich wieder auf die Ersatzbank neben Hansi Flick.

Joachim Löws Co-Trainer gab ihm noch ein paar Informationen mit auf den Weg.

Dann passierte es: Philipp Lahm spielte einen Fehlpass.

Sami Khedira erreichte den Ball nicht, Ghana konterte blitzschnell und Asamoah Gyan traf zum 2:1 für die Afrikaner.

Mit Schweinsteiger wie verwandelt

Darüber zu diskutieren, ob das Tor auch gefallen wäre, wenn Schweinsteiger schon auf dem Platz gestanden hätte, ist müßig. Eins ist jedoch Fakt: Mit Schweinsteiger wirkte die deutsche Mannschaft plötzlich wie verwandelt.

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Kurz nach seiner Einwechslung holte er eine Ecke heraus, Toni Kroos zirkelte den Ball punktgenau auf den Kopf von Benedikt Höwedes, und den Kopfball des Verteidigers drückte der ebenfalls gerade erst ins Spiel gekommene Miroslav Klose über die Linie.

"Das beschreibt, dass wir alle Spieler brauchen. Besonders diejenigen, die zehn, zwölf Jahre dabei sind und zu den Stammkräften gezählt haben", sagte Per Mertesacker treffend: "Und es zeigt, dass wir ein gutes Team sind. Jederzeit können die Spieler von der Bank aus den Unterschied ausmachen." (PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen)

"Basti und Miro haben Eindruck geschunden"

Schweinsteiger und Klose machten den Unterschied aus. Mit ihnen kam Ruhe ins Spiel. Sie stellten die Ordnung wieder her und sie flößten dem Gegner Respekt ein. (SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen)

"Natürlich haben Basti und Miro Eindruck geschunden, als sie reingekommen sind", sagte Mats Hummels.

Körpersprache, Präsenz, Führungsqualität - die Routiniers brachten ihre Stärken voll zur Geltung.

Klose betonte zwar, er habe "mit dem Trainer ein super Verhältnis" und ihm sei "egal, wie ich der Mannschaft helfen kann, ob von Anfang an oder auf der Bank." Doch er drängte sich ebenso für die Startelf auf wie Schweinsteiger.

Der Vizekapitän ging nach dem Spiel kommentarlos durch die Mixed Zone. Er hatte auf dem Platz für sich gesprochen.

"Klose und Schweinsteiger haben das Spiel belebt", sagte Löw.

Stellt Löw gegen die USA um?

Die zentrale Frage ist, welche Lehren der Bundestrainer aus dem 2:2 gezogen hat und ob er seine Mannschaft im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen die USA umstellt.

Gegen Ghana hätte er den körperlich abbauenden Khedira eigentlich schon in der Halbzeit auswechseln können.

"Wir waren heute nicht so kompakt, aggressiv und haben es taktisch nicht gut gelöst", zeigte sich der 27-Jährige selbstkritisch. "Wir hatten Probleme mit unserem Aufbauspiel", sagte Lahm.

Khedira am Knie verletzt

Die Worte des Kapitäns können durchaus als Kritik an Khedira und Kroos verstanden werden, der dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken konnte.

Erst mit Schweinsteiger bekam das DFB-Team mehr Zugriff. Der Bayer wirkte im Vergleich zu Khedira deutlich fitter und spritziger. Der Spanien-Legionär, der sich nach seinem Kreuzbandriss wieder ins Team gekämpft hatte, war der Mannschaft keine große Hilfe.

Ob der Profi von Real Madrid am Donnerstag spielen kann, ist zudem fraglich.

Khedira erlitt eine Innenbandzerrung im linken Knie, wie erst am Sonntag bekannt wurde.

Schweinsteiger überzeugte unterdessen auch am Tag nach dem Spiel mit positiver Körpersprache. Beim Training gestikulierte Schweinsteiger, lachte manchmal - und war spürbar sehr präsent.

Fragezeichen hinter Boateng

Auch hinter Boatengs Einsatz gegen die USA steht ein Fragezeichen. Der Abwehrspieler zog sich eine neurogene Muskelverhärtung im linken Oberschenkel zu.

Sollte Khedira passen müssen, wird Lahm wohl neben Schweinsteiger spielen, auch wenn er in der Abwehr nach Ansicht vieler Experten eigentlich besser aufgehoben wäre.

Viererkette zeigt Schwächen

Gegen Ghana traten die Schwächen der Viererkette mit vier gelernten Innenverteidigern ans Tageslicht.

"Gegen Portugal war das richtig gut und auch eine neue Idee. Man hatte jetzt aber einen anderen Gegner, der tiefer stand. Und da müssen alle mit nach vorne spielen", sagte Stuttgarts Trainer Armin Veh im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Der für Boateng eingewechselte Shkodran Mustafi patzte beim 1:1, auf der linken Seite trug Höwedes, abgesehen von seinem Kopfball vor dem 2:2, wenig zur Offensive bei. Erik Durm oder Kevin Großkreutz könnten mehr Schwung bringen, doch bisher spielte beide bei Löw keine Rolle.

"Man sieht, dass wir Schwierigkeiten bei der Spielentwicklung über die Außenpositionen haben. Es kommen keine Flanken vors Tor", analysierte Thomas Strunz.

In die Lobeshymnen auf Schweinsteiger und Klose wollte der SPORT1-Experte nicht einstimmen.

"Ich bin nicht ganz der Meinung, dass Klose und Schweinsteiger die Wende gebracht haben. Egal wer rein gekommen wäre, ob ein Andre Schürrle oder Lukas Podolski oder ein anderer, er hätte genauso einen Schwung gebracht", erklärte der Europameister von 1996.

Podolski glaubt an den Gruppensieg

"Ich bin nicht der richtige Mann um zu beantworten, warum der Trainer so aufgestellt hat oder nicht gewechselt hat", sagte Podolski zu SPORT1. Die Antwort kann nur der Bundestrainer geben.

Schürrle und Podolski sind in blendender Verfassung. Beide könnten der Mannschaft gegen die USA mit ihrer Power helfen. Und Mario Götze und Mesut Özil würde eine Pause guttun.

Zum Weiterkommen würde gegen die Mannschaft von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein Remis reichen, doch darauf will sich Podolski nicht verlassen. "Wir haben die Qualität, gegen die USA zu gewinnen und die Gruppe zu gewinnen", sagte er.

Es könnte sein, dass Klinsmann am Donnerstag auf seine ehemaligen Spieler Schweinsteiger, Klose und Podolski treffen wird.

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