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Philipp Lahm spielt in Brasilien seine dritte Weltmeisterschaft © getty

Philipp Lahm wirkt gegen Ghana im Mittelfeld deplatziert. Experten plädieren für seine Rückversetzung in die Abwehr. Lenkt Löw ein?

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Fortaleza - Gäbe es zwei Philipp Lahms, Joachim Löw würde sie beide aufstellen

"Am liebsten würde ich ihn klonen, um ihn sowohl im Mittelfeld als auch in der Abwehr einzusetzen", hatte der Bundestrainer einmal gesagt.

Doch es gibt nur einen Lahm. Und der ist momentan nur ein Schatten seiner selbst.

Beim 2:2 gegen Ghana war der Kapitän gemessen an seinem großen Potenzial der schlechteste Spieler auf dem Feld.

Und das nicht nur wegen seines Fehlpasses vor dem 1:2.

Löw nimmt seinen Kapitän in Schutz

"Philipp passieren normalerweise wenig Fehler, diesmal waren es zwei, drei", sagte Löw. TV-Experte Mehmet Scholl bescheinigte Lahm in der "ARD" einen "rabenschwarzen Tag".

Statistisch waren die Werte des Kapitäns gar nicht schlecht. Auf jeden Fall besser als jene seines ebenfalls kritisierten Nebenmannes Sami Khedira. Doch war dieser Fehler vor dem Gegentor.

Und gut ist nun einmal der Feind von besser. Und damit der Feind von Philipp Lahm.

Einen Grund für die enttäuschende Vorstellung hatte der Bundestrainer schnell gefunden. Der Rasen in Fortaleza sei "unglaublich hart und stumpf" gewesen: "Da unterlaufen Spielern mit einer engen Ballführung schon mal Fehler."

Es war eine ungewöhnliche und eigenwillige Interpretation. Natürlich lag es nicht am Platz, dass Lahm nicht der Lahm war, den Löw gerne klonen würde.

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"Fühle mich als Mittelfeldpsieler"

Aber Lahm fabrizierte nicht nur Fehler, die man bisher von ihm nicht kannte. Dem 30-Jährigen fehlte es auch an Ideen und an Autorität auf dem Platz.

Der 30-Jährige wirkte im deutschen Mittelfeld deplatziert. Der Kapitän war in manchen Phasen mehr Belastung als Hilfe für die Mannschaft. (PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen)

"Ich fühle mich natürlich jetzt mehr als Mittelfeldspieler, weil ich in dieser Saison für Bayern mehr Spiele im Mittelfeld als in der Außenverteidigung gemacht habe", hatte er vor dem Beginn der WM erklärt und damit indirekt den Anspruch angemeldet, auch in der Nationalelf iin der Zentrale aufzulaufen.

[kaltura id="0_4qscnkug" class="full_size" title="Lahm fordert und schw chelt"]

DFB-Team ist nicht FC Bayern

Im DFB-Team spielt Lahm jedoch in einem anderen System als beim FC Bayern unter Trainer Pep Guardiola. Der Dominanzfußball des Katalanen ist nicht eins zu eins auf die Nationalmannschaft übertragbar.

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Lahm habe auf der Sechs in dieser Form bei Bayern noch nicht gespielt, machte SPORT1-Experte Thomas Strunz im WM Doppelpass ein Problem aus. Und überhaupt: Viele Spieler kämen in der Nationalmannschaft auf ganz anderen Positionen als im Verein zum Einsatz.

"Auch Khedira auf der Acht, bei Real Madrid hat er immer auf der Doppelsechs gespielt", erklärte Strunz.

Dass Lahm an anderer Stelle besser aufgehoben wäre, hat auch Jose Mourinho erkannt.

Durchbruch als Linksverteidiger, Triple auf rechts

"Ich liebe Philipp Lahm. Als Außenverteidiger", sagte der Startrainer des FC Chelsea vor dem Spiel gegen Ghana als Experte für "Eurosport": "Immer wieder herausragend sind seine Flügelläufe über links, wenn er dann in die Mitte zieht und selbst abschließt."

Als Linksverteidiger hatte Lahm bei der WM 2006 in Deutschland weltweit für Furore gesorgt. Unvergessen sein Tor zum 1:0 beim 4:2-Sieg im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica. Zuletzt spielte er bei der EM 2012 hinten links, doch seitdem nicht mehr.

Als Rechtsverteidiger gewann er mit den Bayern das Triple unter Trainer Jupp Heynckes, als Mittelfeldspieler immerhin das Double unter Guardiola.

Keine Spezialisten auf den Außen

In Löws Team wäre Lahm als Außenverteidiger eine Bereicherung. Rechts wie links.

Doch der Bundestrainer setzte gegen Ghana und auch schon gegen Portugal auf eine Abwehr mit vier gelernten Innenverteidigern.

Gerade auf der linken Seite hätte es allerdings einen Spezialisten gebraucht. Benedikt Höwedes ist eigentlich Innenverteidiger und spielt im Verein nie links, zudem ist der Schalker offensiv nicht mit Lahm zu vergleichen.

Löws Plan geht nicht auf

Und so lief Lahm wieder im Mittelfeld auf, wo er wie der ebenso schwache und zudem müde wirkende Khedira enttäuschte.

Erst als Bastian Schweinsteiger für Khedira ins Spiel kam und die Partie an sich riss, fing sich das DFB-Team und schaffte den Ausgleich.

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Schweinsteiger und Khedira waren bei der WM 2010 die deutschen Mittelfeld-Motoren, und auch in der WM-Qualifikation kurbelte das Duo das deutsche Spiel an.

Durch die Verletzungen von Khedira und Schweinsteiger, zudem inspiriert von Guardiola. erinnerte sich Löw daran, dass Lahm 2007 beim 2:1-Sieg in England ein überzeugendes Länderspiel auf der Sechs absolviert hatte.

Doch bei der WM ging sein Plan bisher nicht auf.

"Nehme niemandem einen Platz weg"

"Ich nehme niemandem einen Platz weg. Es können immer elf Spieler spielen", entgegnete Lahm vor knapp zwei Wochen in Brasilien auf die Frage, ob er Schweinsteiger aus dem Team gedrängt habe.

Nun könnte ihn Schweinsteiger wieder in die Abwehr drängen. Möglich wäre auch, dass der angeschlagene Khedira eine Pause bekommt und die beiden Bayern zusammen spielen. Die Entscheidung liegt beim Bundestrainer.

Er hat nur einen Lahm, und der sollte spielen, wo er für das DFB-Team am besten ist. In der Abwehr. Auch wenn es Löw wohl einiges an Überzeugungsarbeit kosten wird.

[kaltura id="0_wn127esg" class="full_size" title="Die Problemzone ist die Doppelsechs"]

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