vergrößernverkleinern
Bastian Schweinsteiger (m.) bestritt gegen Ghana sein 103. Länderspiel - so viele wie Franz Beckenbauer © getty

Die Fachleute von Helmer über Effenberg und Kahn bis zu Mourinho sind sich einig: Schweinsteiger soll gegen die USA in die Startelf.

Von Martin Volkmar

München - Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren feierte Bastian Schweinsteiger sein Startelf-Debüt in der Nationalmannschaft.

Der damals 19-Jährige gehörte zu den besseren einer schwachen DFB-Auswahl, die nach dem bitteren 1:2 gegen Tschechien im letzten EM-Gruppenspiel schon nach der Vorrunde ausschied.

Am Donnerstag steht bei der WM gegen die USA (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) wieder ein Gruppenfinale für das deutsche Team an, auch diesmal könnte eine Niederlage das Aus bedeuten.

Schweinsteiger steht bereit, um ein Debakel wie 2004 zu verhindern. Nach seinem eindrucksvollen Auftritt als Einwechselspieler gegen Ghana drängt der bisherige Bankdrücker mit Macht zurück in die Anfangsformation.

DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014

"Seine Präsenz ist unheimlich wichtig"

Und nahezu alle Experten sind sich einig: Schweinsteiger muss spielen. "Seine Präsenz auf dem Feld ist einfach wichtig", sagt Ex-Nationalspieler Thomas Helmer zu SPORT1:

"Alleine, weil er von der Persönlichkeit einer der wichtigsten Spieler ist und den Takt angeben kann, das Tempo mal forcieren oder eben auch bremsen kann."

So sieht es auch Oliver Kahn, der sowohl mit Helmer als auch mit Schweinsteiger in der Nationalelf und beim FC Bayern zusammengespielt hat.

"Vor Schweinsteiger hat man Respekt, er hat die Champions League gewonnen. Und er hat die Erfahrung, ein Team führen zu können", sagt der "ZDF"-Experte.

"Er ist ein ganz, ganz wichtiger Spieler für Jogi Löw. Der weiß, dass Schweinsteiger einer dieser Typen ist, die wissen, wie man die ganz, ganz großen Spiele gewinnen kann."

Gegen Ghana ging spürbar ein Ruck durch die nach dem Rückstand verunsicherte Mannschaft, als der Bayern-Star nach 69 Minuten für Sami Khedira ins Spiel kam.

Kurz darauf erzwang er dann die Ecke, die zum Ausgleich durch Miroslav Klose führte.

Deshalb forderte sein früherer Mitspieler Stefan Effenberg im "ZDF":

"Schweinsteiger darf niemals von der Bank kommen. Er ist kein Einwechselspieler. Aufgrund seiner Erfolge und seiner Erfahrung muss er in die Startelf. Er hat auch ein gewisses Standing beim Gegner, das merkt man."

SHOP: Jetzt Deutschland-Fanartikel kaufen

Mourinho: Lahm wieder Rechtsverteidiger

Wie zum Beweis legte auch Jose Mourinho am Dienstag nach. "Deutschland ist immer dann am Besten, wenn Schweinsteiger der Mannschaft im Mittelfeld Stabilität verleiht", sagte der Chelsea-Coach bei "Eurosport" und ergänzte:

"Wenn zum gleichen Zeitpunkt Philipp Lahm nach hinten rückt und wieder außen in der Viererkette verteidigt. Schweinsteiger im Mittelfeld und Lahm in der Abwehr, das würde ich gerne sehen."

So sehen es auch die SPORT1-Experten.

"Ich finde Philip Lahm auf der rechten Verteidiger-Position klar den besten Spieler, den es auf der Welt gibt. Ich sehe auch bei dieser WM keinen, der dieses Niveau erreichen kann, wenn Philipp in Topform ist ? weder bei uns, noch bei allen anderen Mannschaften", sagte Thomas Strunz im WM-Doppelpass.

Und Thomas Helmer meint: "Ich würde Lahm zurückziehen. Er hat zwar bei Bayern oft auf der Position oft gespielt, auch wenig Fehler gemacht, aber er ist einfach nicht torgefährlich genug. Ich hätte gerne einen Spieler der offensivstärker ist."

Für die SPORT1-User ist die Sache ohnehin klar. Bei einer Umfrage auf Sport1.de stimmten über 90% für einen Startelfeinsatz Schweinsteigers.

Löw setzt weiter auf den Kapitän im Mittelfeld

Doch den Bundestrainer scheinen die guten Ratschläge von Fans, Medien und Experten nicht weiter zu interessieren.

Ungeachtet der bisher wenig überzeugenden Leistungen des Kapitäns im defensiven Mittelfeld wird Lahm dort nach Aussage von Co-Trainer Hansi Flick auch gegen die USA spielen.

So bleibt nur die Frage, wer neben bzw. im neuen 4-3-3-System vor Lahm agieren wird.

Toni Kroos gilt als gesetzt, so dass sich die bei der WM 2010 und der EM 2012 als Doppel-Sechs gesetzten Schweinsteiger und Sami Khedira um den letzten Platz streiten.

Auch Khedira nicht in Topform

Bislang hatte Khedira trotz seiner halbjährigen Pause wegen eines Kreuzbandrisses bei Löw die Nase vorn, stand gegen Portugal und Ghana in der Startelf.

Doch gegen die Afrikaner zeigte der Real-Profi eine schwache Vorstellung mit vielen Fehlern und erlitt zudem eine Innenbandzerrung, so dass er schließlich für Schweinsteiger vom Platz genommen wurde.

Der 103-malige Nationalspieler, der mit seinem Einsatz Franz Beckenbauer einholte, lief danach rund 3,4 Kilometer, spielte 25 Pässe (22 zum Mann) und schoss zweimal aufs Tor.

Aber auch Schweinsteiger ging trotz seines Kurzeinsatzes von knapp 25 Minuten am Ende in der tropischen Hitze von Fortaleza die Luft aus.

Da die Bedingungen am Donnerstag in Recife kaum besser sein werden, muss sich Löw entscheiden, wem seiner beiden angeschlagenen Leader er mehr Vertrauen entgegen bringt: Schweinsteiger oder Khedira.

WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel