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Jürgen Klinsmann (r.) war von 2004 bis 2006 Bundestrainer. Nach der WM in Deutschland übernahm Joachim Löw © SPORT1

Wenn die DFB-Elf auf die USA trifft, werden Erinnerungen wach. Noch immer profitiert das Team von Klinsmanns Umwälzungen.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Recife - Es war vor mittlerweile zehn Jahren, als Bilder von deutschen Nationalspielern mit Gummibändern zwischen den Beinen ganz Fußball-Deutschland in Aufruhr versetzten.

Ein amerikanischer Fitnesscoach mit Bürstenschnitt und GI-Look trainierte in Berlin die DFB-Auswahl, doch in der Öffentlichkeit wurden diese Methoden mit einer gehörigen Portion Skepsis aufgenommen.

Der Mann, der hinter dieser Neuerung stand, war Jürgen Klinsmann.

Reise in die Vergangenheit

Am Donnerstag trifft Klinsmann als Nationalcoach der USA auf die deutsche Mannschaft (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER).

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Das entscheidende Spiel der Gruppe G ist auch eine Reise in die Vergangenheit.

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Das DFB-Team war bei der EM 2004 in Portugal in der Vorrunde ausgeschieden.

Der deutsche Fußball brauchte frischen Wind und neue Ideen, schließlich galt es, die Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft im eigenen Land wieder konkurrenzfähig zu machen.

Revolution im DFB

Was der deutsche Fußball bekam, war eine kleine Revolution.

Klinsmann war nach seiner aktiven Laufbahn als Spieler in die USA gezogen. Als er zurückkam, um die Nationalelf von Rudi Völler zu übernehmen, brachte er neue Leute und neue Methoden mit. Und er setzte auf junge Spieler.

"Klinsmann war die Person, die einer ganz jungen Generation damals das Vertrauen geschenkt hat", sagte Nationalverteidiger Per Mertesacker vor ein paar Tagen im Quartier der Nationalmannschaft in Santo Andre.

"Deutscher Fußball zehrt noch immer von dieser Zeit"

Klinsmann habe "einen großen Anteil daran, dass in den deutschen Fußball ein frischer Wind gekommen ist. Heute zehrt der deutsche Fußball immer noch ein bisschen von dieser Zeit", erklärte der Arsenal-Profi, der unter Klinsmann im September 2004 debütierte und gegen Ghana sein 100. Länderspiel bestritt.

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Vieles von dem, was vor zehn Jahren neu war, ist heute selbstverständlich. Und auch bei der WM in Brasilien immer noch gegenwärtig.

Mark Verstegen hat noch immer seinen Bürstenschnitt, er leitet mit Shad Forsythe auf dem Trainingsplatz die Fitnessübungen, einige Spieler sind noch dabei - und Klinsmanns ehemaliger Assistent ist heute Bundestrainer.

Klinsmann holte Löw ins Boot

Joachim Löw war bei Klinsmann Co-Trainer und zugleich Taktik-Experte.

Zwar wollte der DFB zunächst Holger Osieck, Franz Beckenbauers Assistent beim WM-Titel 1990 verpflichten, doch Klinsmann drückte Löw durch.

Beide hatten sich ein paar Jahre zuvor beim Trainerlehrgang in Hennef kennen und schätzen gelernt.

Miroslav Klose, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Mertesacker spielten unter Klinsmann die WM 2006 - und gehören heute zu den Säulen in Löws Mannschaft.

Deshalb sei das Spiel gegen die USA "auch sehr besonders", gibt Mertesacker zu.

Bierhoff vom Sturmpartner zum Teammanager

Auch Oliver Bierhoff hat eine spezielle Beziehung zu Klinsmann. Erst waren beide Sturmpartner in der Nationalelf, wurden 1996 zusammen Europameister.

Dann wurde Bierhoff, der schon während seiner Profikarriere Sportökonomie studiert hatte, Teammanager der DFB-Auswahl.

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"Wir haben durch Klinsmann beim DFB andere Strukturen bekommen", sagt Bierhoff: "Er hat unsere Philosophie über Jahre geprägt. Fußballerisch ist unter ihm eine neue Zeit angebrochen."

Nicht viel Zeit für Plaudereien

Lahm, Schweinsteiger und Podolski, die alle von Völler ins DFB-Team geholt worden waren, wurden in der Ära Klinsmann zu Stars. Mertesacker entwickelte sich zu einem Innenverteidiger von internationaler Klasse, Klose bestätigte seinen Rang als Weltklassestürmer.

Am Donnerstag treten sie gegen ihren ehemaligen Coach an und kämpfen um den Einzug ins Achtelfinale.

Deshalb wird beim Wiedersehen mit Klinsmann nicht viel Zeit bleiben, über die gemeinsamen Jahre bis zu dessen Abschied nach der WM 2006 zu plaudern. Zu groß ist die Spannung auf beiden Seiten.

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In Recife gilt das Motto "It?s about businnes", wie Bierhoff erklärte. Er habe während der WM keinen Kontakt zu Klinsmann gehabt.

"Wir werden uns freundschaftlich grüßen, aber jeder konzentriert sich auf seine Arbeit", meinte Bierhoff.

Podolski: "Spiele nicht gegen Klinsmann"

Von einem Duell Deutschland gegen Klinsmann will Lukas Podolski ohnehin nichts wissen.

"Ich spiele nicht gegen Klinsmann, sondern für Deutschland. Für mich ist es keine Extramotivation", sagte Podolski zu SPORT1.

Am Montag stimmte sich die Mannschaft auf das Spiel gegen die USA ein. Im Training wurde mit Rugby-Eiern auf Tore gespielt. Auch dies gehört längst zur Normalität.

Der Geist von Jürgen Klinsmann schwebt eben immer noch über dem DFB-Team.

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