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CHRISTOPH KRAMER
Christoph Kramer ist aktuell von Bayer Leverkusen an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen © getty

Christoph Kramer spricht bei SPORT1 über den WM-Traum, die Chance auf einen Einsatz und vergleicht Jogi Löw mit Lucien Favre.

Von Thorsten Mesch

Recife/Salvador - Vielleicht schlägt am Donnerstag beim letzten WM-Gruppenspiel gegen die USA (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) die große Stunde von Christoph Kramer.

Der Mittelfeldspieler war eine der großen Überraschungen im WM-Kader von Joachim Löw.

"Er ist sehr gut in Zweikämpfen, sehr ballsicher und immer anspielbar", lobte der Bundestrainer den Mönchengladbacher schon im Trainingslager in Südtirol.

Besonders zeichnet sich der Mönchengladbacher aber seine Laufleistung aus: Als einziger Spieler lief er in der vergangenen Bundesligasaison im Schnitt mehr als 13 Kilometer.

Nun könnte der bisherige Ersatzmann gegen die besonders laufstarken Amerikaner zu Löws Überraschungscoup werden, denn sowohl Sami Khedira als auch Bastian Schweinsteiger scheinen noch nicht fit für volle 90 Minuten zu sein.

Daher halten sich hartnäckige Spekulationen über einen Einsatz Kramers als laufstarker Abfangjäger im defensiven Mittelfeld.

Im SPORT1-Interview spricht der 23-Jährige über seine Zeit in Brasilien, seine Chancen auf einen Einsatz und wagt einen Vergleich zwischen dem Bundestrainer und seinem Vereinscoach Lucien Favre.

SPORT1: Herr Kramer, Sie sind in letzter Sekunde in den vorläufigen Kader für die WM gerückt und jetzt in Brasilien. Wie ist das Gefühl, hier dabei zu sein?

Christoph Kramer: Ich freue mich, dass ich hier dabei sein darf. Es fühlt sich sehr gut an. Es ist natürlich Wahnsinn. Bei einer WM ist alles so groß, es gibt so viele neue Eindrücke. Ich nehme alles mit.

SPORT1: Wie ist das Leben im Campo Bahia direkt am Strand?

Kramer: Es ist auf der einen Seite jeden Tag harte Arbeit beim Training, aber auch fast so etwas wie ein schöner Urlaub.

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SPORT1: War es ein komisches Gefühl, gegen Portugal mit Bastian Schweinsteiger auf der Bank zu sitzen?

Kramer: Es ist ja nicht nur so, dass ich nur auf der Bank neben ihm sitze, ich habe ihn ja tagtäglich um mich. Es ist ein schönes Gefühl und etwas, an dem man sich hochziehen kann und was sehr wertvoll für die Zukunft ist. Man kann viel lernen für seine eigene Karriere.

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SPORT1: Wie sehen Sie Ihre Chancen auf einen Einsatz?

Kramer: Ich habe die ersten beiden Spiele nicht gespielt. Und ich weiß natürlich auch, dass ich hier etwas überraschend gelandet bin. Wenn ich zum Einsatz kommen sollte, freue ich mich natürlich. Wenn nicht, bin ich alles andere als enttäuscht. Ich bin bereit. Ich nehme alles mit und sauge alles auf. Ich fühle mich als Teil einer gut funktionierenden Mannschaft.

SPORT1: Wie empfinden Sie als Neuling die Stimmung im Team?

Kramer: Wenn man neu in eine Gruppe kommt, ist man am Anfang eher zurückhaltend. Ich kann aber sagen, dass ich wirklich richtig gut von allen aufgenommen wurde und ich mich angenommen und echt wohl fühle. Das habe ich in anderen Auswahlteams auch schon anders erlebt. Hier ist es absolut super.

SPORT1: Sie sind der Kilometerfresser der Bundesliga. Ist das Ihre größte Stärke?

Kramer: Ob das immer so sinnvoll ist, wenn man viel läuft, darüber kann man sich bei manchen Positionen streiten (lacht). Auf der Position, auf der ich spiele, kann es nicht verkehrt sein, wenn man viel laufen kann. Ich bin vom Naturell einer, der einen hohen Aktionismus hat und der probieren will, überall zu helfen.

SPORT1: Joachim Löw sieht den Sechser als jemanden, der nicht auf einer Position verharrt. Das Anforderungsprofil des Bundestrainers trifft demnach genau auf Sie, oder?

Kramer: Ja, ich habe im Verein von meinem Trainer Lucien Frage fast jeden Tag den Begriff "Box to box player" gehört. Ich probiere das umzusetzen.

[kaltura id="0_dyolr22s" class="full_size" title="Die SPORT1 Expertentipps f r das Spiel gegen die USA"]

SPORT1: Welche Parallelen oder Unterschiede gibt es zwischen Favre und Löw?

Kramer: Favre ist auch jemand, der viel Wert auf ganz versessene Detailarbeit und taktische Schulung legt. Das ist auch gut so. Ich finde, das gehört zum modernen Fußball dazu. Ich bin froh, dass ich so einen Trainer im Verein habe. Die Umstellung fällt mir nicht so schwer. Die Anforderungen sind ähnlich.

SPORT1: In Brasilien sind die Anforderungen an die Spieler wegen der schwierigen klimatischen Bedingungen besonders hoch. Müssen Sie manchmal kämpfen, den inneren Schweinehund zu überwinden?

Kramer: Wenn man bei einer WM dabei ist, für Deutschland spielen darf, und es nicht hinbekommt, seinen eigenen Schweinehund zu überwinden, dann läuft etwas falsch. In der Bundesliga ist es auch kein Problem, wenn man jedes Mal vor 50.000 Leuten spielt, sich den Allerwertesten aufzureißen. Das mache ich gerne.

SPORT1: Und wie schätzen Sie die Chancen des DFB-Teams auf den WM-Titel ein?

Kramer: Man spürt schon, dass Deutschland titelreif ist und den Titel auch erwartet. Das ist aber ein positiver Druck und es zeigt, dass alle hinter einem stehen. Es gibt ein großes Favoritenfeld - fast so viele wie nie.

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