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Thomas Müller (M.) erzielte den deutschen Siegtreffer. ZUM DURCHKILICKEN: Die Bilder des Spiels © getty

Thomas Müller schießt Deutschland zum knappen Sieg gegen die USA. Auch das Team von Jürgen Klinsmann steht im Achtelfinale.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Recife - Am Ende waren sie klatschnass und abgekämpft, aber Joachim Löw und Jürgen Klinsmann konnten sich schließlich beide über den Einzug ins Achtelfinale der WM in Brasilien freuen.

Die deutsche Nationalmannschaft gewann das letzte Gruppenspiel gegen die USA mit 1:0 (0:0) und zog als Erster in die K.o.-Runde ein. Auch die unterlegenen Amerikaner zitterten sich in die Runde der besten 16 Teams (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Auch USA trotz Niederlage weiter

Im Parallelspiel gewann Portugal 2:1 gegen Ghana, die US-Auswahl kam aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber Cristiano Ronaldo und Co. weiter.

Im Achtelfinale wartet auf Deutschland in Porto Alegre der Zweite der Gruppe H mit Belgien, Algerien, Russland und Südkorea. Die USA treffen in Salvador auf den Gruppensieger.

Löw lobt Schweinsteiger

"Wir haben bis auf die Schlussphase keine Chance zugelassen. Allerdings haben wir den letzten Pass leider vermissen lassen", sagte Löw zufrieden.

Ein Extralob hatte der Bundestrainer für Bastian Schweinsteiger: "Er hat die Sache sehr, sehr gut gemacht. Ich wollte Sami Khedira eine Pause können.

Klinsmann war spürbar erleichtert: "Es ist gewaltig. Wir wollten ein Unentschieden, aber wir hatten am Anfang zu viel Respekt. Wir haben leider zu wenige Chancen kreiert. Wir können es besser, aber wir haben die Gruppe überstanden. Das ist für uns immens."

Schweinsteiger und Podolski von Beginn an

Löw hatte das DFB-Team gegenüber den ersten beiden Gruppenspielen auf zwei Positionen verändert.

Mit Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski für Sami Khedira und Mario Götze hatte der Bundestrainer die deutsche Mannschaft auf den komplett durchnässten Rasen in Recife geschickt. Philipp Lahm spielte erneut im zentralen defensiven Mittelfeld.

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Die ganze Nacht und den ganzen Tag über hatte es wie aus Kübeln geschüttet. Viele Anfahrtswege zur weit außerhalb der Stadt gelegenen Arena Pernambuco waren überflutet. Doch der Rasen war gut bespielbar.

DFB-Team übernimmt sofort Initiative

Es war schon irgendwie merkwürdig, Klinsmann bei der Hymne der USA mitsingen zu sehen. Der ehemalige Bundestrainer, von 2004 bis 2006 Löws Chef auf der Bank, hatte vor dem Spiel erklärt, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Doch das US-Team lief zunächst dem Geschehen hinterher.

Das DFB-Team übernahm vor 41.876 Zuschauern mit dem Anpfiff des usbekischen Schiedsrichters Rawschan Irmatow sofort die Initiative und erspielte sich schon nach zwei Minuten die erste Torchance.

Nach einer Flanke von Mesut Özil versuchte Thomas Müller einen Seitfallzieher, traf aber den Ball nicht. Acht Minuten später kam das DFB-Team zur nächsten Möglichkeit, doch nach Özils Hereingabe von rechts stand Per Mertesacker seinem mit aufgerückten Abwehrkollegen Benedikt Höwedes im Weg.

Kurz darauf sah Höwedes nach einem taktischen Foul an Fabian Johnson die Gelbe Karte. Schiedsrichter Irmatow ließ ansonsten viel durchgehen.

Zusi mit bester US-Chance

Die ersten Minuten dominierte die deutsche Mannschaft das Geschehen klar, ließ Ball und Gegner laufen. Schweinsteiger agierte deutlich offensiver als Lahm und Toni Kroos, Özil war zumeist auf der rechten Seite zu finden, wechselte aber auch ab und zu ins Zentrum.

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Gefahr entwickelte das DFB-Team zumeist über die Außenpositionen. Nach einem schönen Pass von Lahm auf Boateng passte der Rechtsverteidiger scharf in den Strafraum auf Müller, doch der wurde gerade noch geblockt.

Nach 22 Minuten kamen die Amerikaner zu ihrer ersten und einzigen Chance in Hälfte eins. Doch der Weitschuss von Graham Zusi flog knapp über das Tor von Manuel Neuer. Danach verflachte das Spiel zusehends.

Klose kommt für Podolski

Deutschland fand keine Lücken zwischen den beiden tief stehenden Reihen des US-Teams, die Amerikaner lauerten nur auf Konter. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie nicht zu viel riskieren wollten.

So ging es mit dem 0:0 in die Kabinen. Löw sah nicht unbedingt zufrieden aus.

Nach der Pause brachte er Miroslav Klose für Podolski. Ein etwas überraschender Wechsel, denn Podolski hatte ordentlich gespielt und mit scharfen Hereingaben für Gefahr gesorgt.

Müller bricht den Bann

Özil wechselte auf Podolskis linke Seite, Müller wich nach rechts aus und Klose spielte im Sturmzentrum. Das DFB-Team bekam die Kontrolle zurück und erarbeitete sich wieder Torchancen. Doch Özil (47.) und Klose (52.) verfehlten mit harmlosen Kopfbällen das Tor.

Drei Minuten später war der Bann gebrochen: Nach einer kurz ausgeführten Ecke von rechts und einer Flanke von Özil wehrte Howard einen Kopfball von Mertesacker ab. Müller schlenzte den Abpraller von der Strafraumgrenze aus unhaltbar ins lange Eck. Es war das vierte Turniertor des Münchners und sein neuntes bei Weltmeisterschaften.

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Mit der Führung im Rücken kontrollierte das DFB-Team das Spiel und den Gegner. Klinsmanns Team kam kaum noch vor Neuers Tor.

Weil Ghana im Parallelspiel gegen Portugal das 1:1 erzielte, standen die USA kurz vor dem Aus. Ein weiteres Tor Ghanas hätte den Knockout bedeutet. Stattdessen traf Cristiano Ronaldo und beruhigte Klinsmanns Nerven.

Götze und Schürrle kommen spät

In der 76. Minute nahm Löw den starken, aber ausgepumpten Schweinsteiger vom Feld und brachte Mario Götze. In der Schlussphase taten sich beide Mannschaften nicht mehr weh. Die Amerikaner waren - so wirkte es phasenwese - über den Zwischenstand des anderen Spiels informiert und schienen mit der knappen Niederlage leben zu können.

Kurz vor Schluss kam noch Andre Schürrle für Özil. In der Nachspielzeit hatte der eingewechselte Alejandro Bedoya doch noch den Ausgleich auf dem Fuß, aber Lahm blockte den Schuss des Amerikaners im letzten Moment.

Nach dem Schlusspfiff schüttelten sich Löw und Klinsmann die Hände. Für beide geht die WM weiter.

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