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6. STARKER TEAMGEIST: Egal ob Trainer, Manager oder Spieler: Jeder im DFB-Lager hebt stets die gute Stimmung im Campo Bahia hervor
Thomas Müller (r.) erzielte das Goldene Tor. Die Bilder zum Durchklicken © getty

Der Sieg der deutschen Mannschaft gegen die USA war kein Leckerbissen, doch Trainer und Spieler ziehen ein positives Fazit.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Recife - Joachim Löw rubbelte sich mit einem Handtuch die Haare trocken, dann schüttelte er Jürgen Klinsmann die Hand.

"Glückwunsch, bisch au weider", könnte der Bundestrainer seinem ehemaligen Chef im Dialekt gesagt haben. Der genaue Inhalt des kurzen Gesprächs ist nicht bekannt.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte durch ein glanzloses 1:0 (0:0) im Dauerregen von Recife gegen das von Klinsmann trainierte Team der USA (Bericht) den Einzug ins Achtelfinale geschafft (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Löw: Essensverabredung mit Klinsmann

Kurz darauf ging plötzlich ein Jubelschrei durch die Arena Pernambuco. Das 2:1 Portugals gegen Ghana stand fest, und so konnten sich auch Klinsmann und die amerikanischen Spieler über den Einzug ins die K.o.-Runde freuen (912416DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Die USA ist überraschend weitergekommen, die hatte man nicht so auf der Rechnung", sagte Löw anschließend.

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Zu Klinsmann, dessen Assistent er von 2004 bis 2006 war, habe er vor dem Spiel keinen Kontakt gehabt. "Wir gehen nachher mal essen, wenn das Turnier vorbei ist", meinte der Bundestrainer.

Zuvor geht die WM nun aber ihre entscheidende Phase. Auf das DFB-Team wartet am Montag in Porto Alegre Algerien. Für die USA geht es einen Tag später in Salvador gegen Belgien. (ÜBERSICHT: Die Achtelfinals auf einen Blick)

"Souverän gestaltet"

Nicht schön, aber kontrolliert. In diese Kategorie war der Erfolg des DFB-Teams einzuordnen.

"Ich glaube, dass wir das Spiel souverän gestaltet haben. Wir haben aus einer guten Organisation gespielt, und große Teile des Spiels gemacht", erklärte Löw.

"Wir waren die ganz klar feldüberlegene Mannschaft. Besonders am Anfang waren wir stark, dann wurde es gegen tief stehende Amerikaner schwieriger", analysierte Thomas Müller.

Wie schon beim 4:0 gegen Portugal war der Münchner der Matchwinner. Müller erzielte sein viertes Tor, es war sein insgesamt neuntes bei einer WM. "Insgesamt haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht", meinte der WM-Torschützenkönig von 2010.

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Erfolgsgaranten aus München

Neben Müller hatten auch seine Münchner Vereinskollegen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos großen Anteil am verdienten Erfolg.

"Bastian hat die Sache sehr, sehr gut gemacht", sagte Löw über den Mittelfeldstar, der erstmals bei dieser WM in der Startelf gestanden und denm Platz von Sami Khedira eingenommen hatte.

Khedira hatte beim 2:2 gegen Ghana müde gewirkt und danach kurzzeitig über Knieprobleme geklagt. "Ich wollte Sami eine Pause gönnen", erklärte der Bundestrainer.

In verbesserter Form zeigte sich Lahm, der gegen Ghana ein Gegentor verursacht und auch beim 4:0 gegen Portugal nicht überzeugt hatte.

Lahm lobt "Schritt nach vorne"

"Ich denke, dass wir heute wieder einen Schritt nach vorne gemacht haben und besser agiert haben als gegen Ghana", sagte der Kapitän.

"Wir hatten das Spiel über 90 Minuten unter Kontrolle, haben heute früher angegriffen, standen als Mannschaft enger zusammen und haben gut verteidigt, egal in welcher Zone", erklärte der Münchner.

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Widrige Bedingungen

Auch die widrigen Witterungsbedingungen konnten der deutschen Mannschaft nichts anhaben.

"Als wir zum Stadion gefahren sind, haben wir gedacht, dass wegen der Überflutungen einige Leute Probleme haben könnten, herzukommen", meinte Lahm: "Aber der Platz war super, sensationell, damit habe ich nicht gerechnet."

Der Rasen hatte dem sintflutartigen Regen standgehalten. Und zu Beginn des Spiels war auch noch ein richtiger Fluss im Offensivspiel der DFB-Auswahl zu erkennen. Doch schnell war die erste Angriffswelle abgeebbt und das Spiel verflachte.

Podolski ohne Bindung

Erst nach der Halbzeit und der Hereinnahme von Miroslav Klose für den insgesamt enttäuschenden Lukas Podolski lief es wieder besser. "Lukas hat keine Bindung gefunden, deshalb musste ich zur Pause wechseln", erklärte Löw.

Danach lief es flüssiger. Das DFB-Team war bissig, souverän und abgeklärt. Ein eher dreckiger Sieg. Ein ausgesprochen wichtiger Sieg. Auch für die Moral.

Erst in der Nachspielzeit wurde es noch einmal eng: Lahm musste mit seiner Rettungsaktion den Ausgleich verhindern. Ansonsten ließ die deutsche Mannschaft kaum Chancen zu. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

"Es zeichnet unsere Mannschaft aus, dass wir sehr defensiv denken und jeder verteidigt. Das ist wichtig in so einem Turnier und eine Basis", erklärte Lahm. WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

"Für mich zählt, dass wir es - bis auf die Nachlässigkeit am Schluss - geschafft haben, hinten nichts zuzulassen", meinte Manuel Neuer.

"Keine überragende Leistung"

"Wir haben das Ding gewonnen, das war das einzige Relevante", sagte Mats Hummels. "Wir haben eine konzentrierte, aber keine überragende Leistung abgeliefert."

Die Abwehr stand stabil, das Mittelfeld agierte sehr kontrolliert, nur im Umschaltspiel und im Angriff haperte es noch.

"Heute haben wir aus meiner Sicht zu langsam gespielt, aber dennoch haben wir nichts anbrennen lassen. Das ist das Positive", meinte Khedira:

"Wir haben clever gespielt, aber um im Turnier relativ weit zu kommen, müssen wir unser Spiel noch schneller machen und vorne die Box besetzen."

Im Achtelfinale müssen die unagenehmen Algerier aus dem Weg geräumt werden. Es könnte wieder ein Spiel werden, in dem es schwer wird zu glänzen.

"Ein 1:0 reicht auch", meinte Neuer. Damit war alles gesagt.

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