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Philipp Lahm bestritt gegen die USA sein 109. Länderspiel © imago

Philipp Lahm steigert sich gegen die USA. Im Interview spricht er über die Diskussion um seine Position und die Stärke des Teams.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Recife - Philipp Lahm stand gegen die USA unter ganz besonderer Beobachtung.

War es doch ausgerechnet der Kapitän der DFB-Auswahl, der nach dem Unentschieden im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana in den Fokus der Kritik geriet.

Prompt kamen Diskussionen auf, ob der zum defensiven Mittelfeldspieler umgeschulte Lahm nicht doch besser auf seiner angestammten Position als Außenverteidiger aufgehoben ist.

Auch vor der Abwehr stark

Beim knappen 1:0 gegen die USA (Nachbericht) bewies der 30-Jährige, dass er dem Team auch vor der Abwehr helfen kann (912395DIASHOW: Die DFB-Spieler in der Einzelkritik).

Im Interview spricht Lahm über die Stärken des DFB-Teams, zählt aber auch auf, was noch besser werden muss. Außerdem äußert er sich zu den Diskussionen um seine Rolle.

Frage: Wie fällt ihr Fazit des Spiels aus?

Philipp Lahm: Positiv. Ich denke auch, dass wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht haben und besser agiert haben als gegen Ghana. So können wir absolut zufrieden sein.

Frage: Haben Sie mit Jürgen Klinsmann gesprochen?

Lahm: Wir haben uns kurz beglückwünscht. Das Achtelfinale ist für beide Mannschaften ein Erfolg (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Frage: Was war härter? Die Hitze in Fortaleza oder die Waschküche in Recife?

Lahm: 90 Minuten bleiben 90 Minuten. Als wir hergefahren sind, haben wir gedacht, dass wegen der Überflutungen einige Leute Probleme haben könnten, herzukommen. Der Platz war super, sensationell, damit habe ich nicht gerechnet.

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Frage: Kurz vor dem Ende haben sie mit einer Abwehraktion das 1:0 gerettet. Sie haben sich extrem darüber gefreut. Warum?

Lahm: Ich bin Defensivspieler und da bekommt man nicht gerne Gegentore. Ich spiele gern zu Null, die Mannschaft auch. Ich hasse es genauso wie Manuel Neuer, Gegentore zu bekommen. Deswegen ist man auch mal froh, wenn man ein Tor verhindert.

Frage: Was hat die Mannschaft gut gemacht?

Lahm: Wir haben heute wieder etwas offensiver agiert, haben früher angeriffen, die Räume eng gemacht, standen als Mannschaft enger zusammen, haben gut verteidigt, egal in welcher Zone. Und wir hatten es über 90 Minuten unter Kontrolle.

Frage: Was muss besser werden?

Lahm: Manchmal fehlt uns noch der letzte entscheidende Pass, Laufweg und Zusammenspiel. Das betrifft immer alle und da können wir uns mit Sicherheit noch verbessern.

Frage: Defensiv hat das DFB-Team fast nichts zugelassen. Ist das eine neue Stärke?

Lahm: Es zeichnet unsere Mannschaft aus, dass wir sehr defensiv denken und jeder verteidigt. Das ist wichtig in so einem Turnier und eine Basis, dass alle zusammen verteidigen. Ich hatte heute über 90 Minuten das Gefühl, dass die Mannschaft zusammenarbeitet, in der Defensive und auch in der Offensive.

Frage: Was sagen Sie zur Leistung von Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger?

Lahm: Den Ball muss man in der Situation erst einmal so ins Tor schießen. Thomas ist sehr wichtig für unsere Mannschaft. Er ist sehr torgefährlich, weil er vorhersieht, was im Sechzehner passiert. Basti war in den vergangenen zehn Jahren, in denen ich mit ihm zusammen spiele, immer wichtig für unser Spiel und unser Team.

Frage: Wie wichtig ist eine starke Ersatzbank auf dem Weg zum möglichen Titel?

Lahm: Wir haben immer gesagt, wir brauchen jeden Einzelnen. Es zeichnet sich schon nach den drei Spielen ab, dass man wirklich jeden im Kader braucht. Das ist eine gute Basis, dass es im Turnier noch weit gehen kann.

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Frage: Wie ist Ihr Vorrunden-Fazit?

Lahm: Sehr positiv. Dass man Gruppenerster ist, ist immer etwas Schönes. Wir haben gegen Portugal gut angefangen, dann gegen Ghana nicht mehr so agiert, wie wir es uns vorstellen. Aber gegen die USA haben wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben 90 Minuten kontrolliert, wenige Torchancen zugelassen. So stellen wir uns das vor, aber am Ende sind wir noch nicht.

Frage: Was bedeutet die Eingespieltheit des Dreier-Bayernblocks im Mittelfeld mit Ihnen, Schweinsteiger und Toni Kroos?

Lahm: Nichts. Wir sind eine Mannschaft und trainieren tagtäglich seit mehreren Wochen miteinander. Deswegen ist es vollkommen egal, wer aus welchen Vereinen zusammen spielt. Es hat keinen Vorteil. Egal, wer aufläuft.

Frage: Wie bewerten Sie die Diskussionen um Ihre Position in der Mannschaft. Haben Sie diese verfolgt?

Lahm: Ich habe es mitbekommen. Ich lebe ja nicht in einer Blase. Für mich ist das Wichtigste, dass sich die Mannschaft immer weiter entwickelt. Das haben wir definitiv gemacht vom Ghana-Spiel zum heutigen Spiel. Ich werde immer da spielen, wo der Trainer mich aufstellt. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

Frage: Wie sehen Sie die deutsche Mannschaft im Vergleich zu anderen Favoriten, die noch im Turnier sind, wie Brasilien, die Niederlande, Argentinien oder Kolumbien?

Lahm: Ich sehe keine Mannschaft, die unschlagbar ist. Es sind viele Spiele sehr, sehr eng und auf einem guten Niveau. Alle, die im Achtelfinale stehen, sind zurecht da. Man kann nicht sagen, wer Favorit ist.

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