Die DFB-Elf hat in der Vorrunde kaum Mühe. Wenn der Weg noch weiter führen soll, muss Coach Löw aber an einigen Schrauben drehen.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Recife - Nein. Eine Nominierung für einen Schönheitspreis hätte sich die deutsche Nationalmannschaft mit dem 1:0 gegen die USA nicht verdient (EINWURF: Es geht nicht um einen Schönheitspreis).

Das Erreichen des Achtelfinals war nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum heiß ersehnten vierten Stern. Doch wenn es mit dem WM-Titel etwas werden soll, muss sich das DFB-Team noch deutlich steigern (BERICHT: Auch ohne Glanz in Richtung Gloria).

Das hat nicht nur das Spiel gegen die biederen Amerikaner gezeigt, sondern vor allem das 2:2 gegen Ghana und auch schon das von vielen als Gala verklärte 4:0 gegen Portugal zuvor (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Löw: "Der letzte Pass muss besser werden"

Die deutsche Auswahl ist am Ende souverän und kontrolliert in die K.o.-Runde eingezogen, doch Joachim Löw weiß, dass er noch an einigen Stellschrauben drehen muss.

"Was wir verbessern müssen, ist der letzte Pass. Dann hätten wir auch noch zwei, drei Tore mehr machen können", sagte der Bundestrainer nach dem knappen, aber nie gefährdeten Erfolg gegen das US-Team seines alten Weggefährten Jürgen Klinsmann.

Sami Khedira, der gegen die USA von Löw eine Pause bekommen hatte, sprach die deutschen Schwächen offen an.

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Khedira: "Haben zu langsam gespielt"

"Wir haben das Achtelfinale erreicht. Das war unser Ziel und Anspruch. Aber mit der Art und Weise, wie wir gegen Ghana und gegen die USA gespielt haben, können wir nicht zufrieden sein", sagte der Mittelfeldspieler, der die Partie von der Ersatzbank aus erlebt hatte.

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"Heute haben wir aus meiner Sicht zu langsam gespielt, die Amerikaner haben es relativ leicht gehabt", ergänzte Khedira: "Wir haben clever gespielt, aber um im Turnier relativ weit zu kommen, müssen wir unser Spiel noch schneller machen und vorne die Box besetzen."

Zu wenig Tempo, zu wenige Ideen und fehlende Durchschlagskraft in der Offensive. Wie schon gegen Ghana nutzte die DFB-Elf ihre Chancen nicht.

"Wir hatten viele Flanken, aber es war niemand da, der sie verwerten konnte", fasste Khedira zusammen.

Löw hatte in der Halbzeit reagiert und Miroslav Klose für Lukas Podolski gebracht, doch den Sieg sicherte Thomas Müller. Wieder einmal.

Müller erhöhte sein Konto in Brasilien auf vier Treffer und hat insgesamt nun schon neun WM-Tore erzielt.

Zu wenig Unterstützung für Müller

Doch Müller ist kein Messi oder Neymar, der allein eine halbe Mannschaft ausspielt. Er muss mit Vorlagen gefüttert werden.

"Besonders am Anfang waren wir stark, dann wurde es gegen tief stehende Amerikaner schwieriger", meinte der Bayer.

Podolski, dem Löw dieses Mal den Vorzug gegenüber Mario Götze gegeben hatte, führte sich mit einigen guten Hereingaben ordentlich ein, ließ dann aber deutlich nach (912395DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik).

Ob es der Mann vom FC Arsenal noch einmal in die Startelf schafft, darf bezweifelt werden.

Andre Schürrle deutete in der Vorbereitung seine Top-Form an und könnte die Lösung für die Probleme im letzten Drittel sein. Bislang setzte Löw den Chelsea-Profi aber nur als Joker ein.

(PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen)

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Özil nicht auf seiner stärksten Position

Mesut Özil deutete wieder an, dass seine Formkurve leicht nach oben zeigt. Aber in der Verfassung, in der er bei der WM 2010 zu einem Star aufstieg, ist er noch lange nicht.

Der Arsenal-Profi leidet auch darunter, dass er nicht auf seiner gewohnten Position spielt.

"Jeder weiß, dass meine Lieblingsposition auf der Zehn ist, weil ich das über Jahre gemacht habe und auch im Verein spiele", sagte Özil zu SPORT1.

Der 25-Jährige stellt seine Vorlieben aber hinten an. "Ich will der Mannschaft helfen und deswegen gebe ich dort auch Gas. Rechts oder links, das spielt für mich nicht die große Rolle", meinte er.

Zu wenig Kick aus der Mittelfeldzentrale

Auch Khedira und Bastian Schweinsteiger sind noch lange nicht in der Verfassung, in der sie vor vier Jahren in Südafrika waren.

Der Vizekapitän überzeugte wie schon gegen Ghana mit großer Präsenz, doch es fehlte die letzte Präzision und der entscheidende Kick.

Philipp Lahm und Toni Kroos sorgten zwar für Kontrolle und Sicherheit, nach vorne gelang ihnen aber wenig.

Kaum Unterstützung aus der Abwehr

Ein weiteres Problem ist, dass die Offensive kaum Unterstützung aus der Abwehr bekommt.

Gegen die USA zeigte Jerome Boateng auf der rechten Seite einige gute Ansätze, doch links kam von Benedikt Höwedes nichts im Spiel nach vorn (912416DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Der Schalker war - wie schon gegen Ghana - einer der schwächsten deutschen Spieler auf dem Platz.

Löws Variante mit vier gelernten Innenverteidigern ist eine gute Option gegen spielstarke Gegner, aber gegen die USA und Ghana hätten die Mittelfeldspieler mehr Unterstützung gebraucht.

Lahm: "Wir sind noch nicht am Ende"

Es bleibt abzuwarten, wen Löw nun im Achtelfinale gegen Algerien aufstellen wird.

Erik Durm bietet sich als eine offensivere Variante an, auch wenn dem Dortmunder WM-Erfahrung fehlt.

Gegen den Außenseiter aus Nordafrika sollte sich das DFB-Team im Normalfall souverän durchsetzen. Doch ab dem Viertelfinale warten größere Kaliber.

Frankreich, Brasilien, Chile oder Kolumbien werden die deutsche Mannschaft mehr fordern als die Gegner in der Vorrunde (SERVICE: Der WM-Rechner).

"Wir haben gegen Portugal gut angefangen, dann gegen Ghana nicht mehr so agiert, wie wir es uns vorstellen. Aber gegen die USA haben wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht", sagte Kapitän Lahm:

"Wir haben 90 Minuten kontrolliert, wenige Torchancen zugelassen. So stellen wir uns das vor, aber am Ende sind wir noch nicht."

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