Gegen Algerien rückt Joachim Löw erst notgedrungen von seiner Taktik ab. Das Spiel rückt seine Entscheidungen in den Fokus.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Alegre - Egal wie, Hauptsache geschafft.

Das war der Tenor der deutschen Nationalspieler nach dem hart erkämpften und glücklichen 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Algerien (914211DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltages).

Und auch der Bundestrainer lag voll auf dieser Linie. "Solche Spiele braucht man auch mal. Das gehört bei einer WM dazu, dass man sich auch mal durchwurschtelt", sagte Joachim Löw.

Der Einzug in die Runde der besten acht Mannschaften der Welt kann und darf aber die Schwächen der deutschen Mannschaft nicht überdecken. Und auch nicht die des Bundestrainers.

Götze ein Totalausfall

Hilflos musste Joachim Löw im Stadion von Porto Alegre von der Trainerbank mit ansehen, dass seine Spieler in der ersten Halbzeit völlig von der Rolle waren. Eine derart desolate Vorstellung einer deutschen Mannschaft hatte man seit Jahren nicht gesehen.

"In der ersten Halbzeit waren wir schlecht", gestand Löw freimütig ein. Was umso erstaunlicher war, da es Löw auch nicht gelang, seinen Spielern zu helfen - er hatte keinen Plan B (Stimmen zum Spiel).

Mit Andre Schürrle wechselte er zwar in der Halbzeit den Matchwinner ein. Es war aber eine zwangsläufige Entscheidung, denn Mario Götze war im offensiven Mittelfeld ein Totalausfall.

Löw verzichtet weiter auf Außenverteidiger

Schürrle und der überragende Manuel Neuer im Tor waren die Gewinner eines Spiels, bei dem außer dem Ergebnis letztlich nichts stimmte.

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Die Abwehrkette mit vier gelernten Innenverteidigern wackelte immer wieder bedenklich, weil Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes auf den Außenpositionen zahlreiche Fehler unterliefen. Ohne Neuers Glanztaten hätte es zur Pause 0:2 gestanden.

Mustafi hatte schon beim 2:2 gegen Ghana schwach gespielt, doch Löw brachte ihn schon zum dritten Mal, anstatt Benedikt Höwedes in die Mitte zu beordern und in Erik Durm einen Außenverteidiger einzusetzen, der schon der Champions League unter Beweis gestellt hat, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann.

Zum Glück gezwungen

Ganz zu schweigen von Spielern wie Kevin Großkreutz oder Matthias Ginter, die bei der WM noch keine Minute gespielt und offenbar auch im weiteren Turnierverlauf keine realistische Einsatzchance haben.

Im Verlauf des Spiels gegen Algerien steigerte sich die Mannschaft, aber auch hier wurde der Bundestrainer zu seinem Glück gezwungen. Erst als sich Mustafi verletzte, brachte Löw Sami Khedira ins Spiel und beorderte notgedrungen Philipp Lahm vom Mittelfeld in die Abwehr.

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Lahm machte die Seite fortan dicht und gab der Mannschaft damit eine Sicherheit, die ihr sichtlich gut tat.

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Lahm hilft mehr auf rechts

Der Kapitän selbst will, wie in der vergangenen Saison beim FC Bayern, lieber im Mittelfeld spielen. Man tritt Lahm aber sicher nicht zu nah, wenn man feststellt, dass er zwar der weltbeste Rechtsverteidiger, aber sicherlich nicht der weltbeste Sechser ist.

Den Luxus, ihn nicht auf seiner herausragenden Position einzusetzen, hat sich Löw jetzt vier WM-Spiele lang gegönnt. Das ist ein Punkt, den er sich anlasten lassen muss.

Eine Rückversetzung Lahms zum Wohle der gesamten Mannschaft wäre für das Viertelfinale gegen Frankreich eine Maßnahme, die helfen könnte (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

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Rückkehr zum 4-2-3-1?

Diese Versetzung würde auch die Tür für eine Rückkehr zum angestammten 4-2-3-1-System öffnen. Vor dem Turnier stellte Löw auf das 4-3-3 mit nur einem Sechser und vier Innenverteidigern in der Abwehr um.

Die Eingewöhnungszeit war kurz. Gegen Algerien wurde das DFB-Team immer stabiler, als Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger gemeinsam im Mittelfeld agierten und Lahm die rechte Seite abdeckte.

Auch im Angriff würde es helfen, Toni Kroos oder Mesut Özil könnten zentral offensiv spielen. Gerade Özil ist neben Lahm, Höwedes und Mustafi einer jener Spieler, die bei Löw derzeit auf einer Position spielen müssen, auf der sie ihre volle Stärke gar nicht zur Entfaltung bringen können.

Er spielt meist rechts, obwohl er zentral nicht nur nach eigener Meinung besser ist. Die rechte Offensivseite ist dagegen die Schokoladenseite von Thomas Müller, der als verkappter Angreifer im Zentrum aufläuft.

Dort hat er zwar schon vier WM-Tore erzielt. Bei den guten Kopfballchancen in der zweiten Halbzeit ging der ein oder andere sehnsuchtsvolle Blick der Fans aber auf die Bank, wo Miroslav Klose dick eingepackt zuschaute.

"Werden die richtigen Schlüsse ziehen"

"Lasst uns einfach mal Zeit, das Spiel sacken zu lassen", sagte Co-Trainer Hans-Dieter Flick nach dem Zittersieg gegen Algerien: "Dann werden wir die richtigen Schlüsse ziehen."

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Ein Anzeichen, dass es gegen Frankreich zu Umstellungen kommen könnte? "Diskussionen gibt es im internen Kreis. Jetzt gilt es erst einmal, Fakten zu sammeln", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff.

Das lange Festhalten an getroffenen Entscheidungen wurde Bundestrainer Löw in der Vergangenheit schon häufiger zur Last gelegt. "Unsere Stärke ist unsere Flexibilität", sagte er am Montagabend.

Das Spiel gegen Frankreich bietet ihm die Chance, zu zeigen, ob diese Flexibilität nicht nur auf, sondern auch abseits des Rasens gilt.

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