SPORT1-Experte Berthold hält wenig von Joachim Löws Defensivtaktik mit vier Innenverteidigern. Frankreich sieht er im Vorteil.

Hallo Fußball-Freunde,

nach dem glücklichen Sieg über Algerien kann das Motto nur lauten: Hauptsache gewonnen!

Doch die Diskussion um die deutsche Abwehr wird aber bis zum Viertelfinale gegen Frankreich weitergehen.

Man braucht einfach Außenverteidiger. Mit vier Innenverteidigern kann man kein Weltmeister werden. Das geht nicht!

Um das zu sehen, muss man kein Fußballexperte sein. Wenn ich keine Außenverteidiger habe, die das Spiel eröffnen können, dann bin ich im Angriffsspiel limitiert.

Man muss nur an Kolumbien denken, für mich die bislang beste Mannschaft des Turniers.

Wie Pablo Armero und Juan Zuniga attackieren, bringt dem Team einfach mehr Möglichkeiten - gerade gegen Mannschaften, die kompakt stehen.

Doch Benedikt Höwedes oder Shkodran Mustafi sind keine Außenverteidiger. Sie können nichts dafür. Sie haben ihre Stärken auf anderen Positionen.

Von daher muss man sich die Frage stellen, wieso beispielsweise Erik Durm nicht spielt. Traut man ihm das nicht zu? Ich verstehe nicht, wieso der Junge keine Chance bekommt.

Zumal aus meiner Sicht Höwedes einfach zu limitiert ist. Und auf der rechten Seite ist es das Gleiche.

Unabhängig davon fehlt uns das Tempo. Ballgeschiebe und Spielkontrolle sind schön und gut, aber ohne Tempo im Spiel wird es auch am Freitag gegen Frankreich schwer.

Mario Götze hat seine Stärken im zentralen Bereich. Als Außenbahnspieler ist er nicht schnell genug.

Nach seinem Auftritt gegen Algerien wäre es angebracht, für ihn Andre Schürrle von Beginn an zu bringen. Er ist der einzige Spieler, der die notwendige Schnelligkeit mitbringt.

Wir brauchen gegen die Franzosen auf jeden Fall Tempo auf der Außenbahn. Da haben wir nur Schürrle, wir haben sonst keinen.

Auf alle Fälle wird die Partie gegen Frankreich eng. Ich sehe leichte Vorteile für die Franzosen, die bislang einen besseren Eindruck als das deutsche Team gemacht haben.

Ich erwarte sie genauso kompakt wie bisher. Didier Deschamps ist ein ganz ausgeschlafener Trainer. Sein Team ist mit dem Block in der Mitte aus Raphael Varane und Laurent Koscielny und davor mit Blaise Matuidi und Paul Pogba unheimlich stabil.

Man muss die Franzosen über die Außenverteidiger Patrice Evra und Mathieu Debuchy unter Druck setzen. Durch die Mitte geht nichts. Dafür sind sie einfach zu gut.

Und: Die Franzosen haben im Gegensatz zu uns einen richtigen Mittelstürmer mit Karim Benzema. Vielleicht macht das den Unterschied aus.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel