Gegen Algerien glänzt Schürrle als Joker, Hummels wird vermisst. SPORT1 nennt Löws Stützen und sagt, was er ändern sollte.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Alegre/Santo Andre - Ohne Steigerung geht es nicht. Ansonsten ist für die deutsche Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale gegen Frankreich (Fr., ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) Endstation.

Bundestrainer Joachim Löw wird daher die wackelige Vorstellung beim 2:1 gegen Algerien (Bericht) analysieren, auch an Stellschrauben seines Teams drehen, allerdings wird er Philipp Lahm weiterhin im Mittelfeld spielen lassen.

"Ich habe meine Entscheidungen getroffen - auch was die Rolle von Philipp Lahm betrifft. Und dazu stehe ich bis zum Schluss", stellte der 54-Jährige in der Wochenzeitung "Die Zeit" klar.

Dass Lahm wieder auf die Rechtsverteidigerposition rückt, schloss Löw mehr oder weniger aus.

Diese Position werde der Bayern-Profi nur einnehmen, "falls wir auf der rechten Seite ein akutes Problem im Spiel bekommen sollten und ich sage: Okay, jetzt ist Philipp Lahm gefordert, der viel Druck nach vorne entfalten kann." Dies sei allerdings ein Notfall-Szenario.

Khedira und Schürrle bringen Schwung

Von der Grundsatzentscheidung in Sachen Lahm abgesehen muss Löw aber durchaus über Aufstellung und Ausrichtung seiner Mannschaft nachsinnen.

"Sami Khedira und Andre Schürrle haben der Mannschaft noch einmal einen Schub gegeben", hatte Löw nach dem Erfolg im Achtelfinale erklärt: "Heute haben wir wieder frische Spieler gebracht, die der Mannschaft geholfen haben."

Der nach 70 Minuten eingewechselte Khedira verlieh dem deutschen Mittelfeld den Druck, den der ausgepumpte Bastian Schweinsteiger nicht mehr zu entwickeln im Stande war (SERVICE: Der WM-Spielplan).

Schürrle sorgte für deutlich mehr Torgefahr im deutschen Offensivspiel und erzielte in der zweiten Minute der Verlängerung das 1:0.

Kunstvoll mit der Hacke, was seine Klasse und sein gewachsenes Selbstvertrauen ausdrücken (914688DIASHOW: Einzelkritik Deutschland - Algerien).

"Bei dem Treffer war auch viel Glück dabei, aber er sollte schon genau so kommen", sagte der Torschütze.

Schürrles Treffer war einer der ganz wenigen Glanzpunkte des Achtelfinales.

[kaltura id="0_frk0uzm2" class="full_size" title="Joachim L w in der Kritik"]

Steigerungsbedarf gegen Frankreich

Nicht nur Schürrle selbst weiß, dass das ganze Team jetzt mehr zeigen muss. "Wenn wir am Freitag so spielen wie heute, dann fliegen wir raus", sagte Schürrle.

Die Spieler sind gefordert, es besser zu machen als gegen Algerien. Doch auch der Trainer muss sich überlegen, was er besser machen kann und muss, um nicht vorzeitig die Heimreise antreten zu müssen.

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SPORT1 erklärt, mit welchen Spielern und welcher Taktik Löw seine Mannschaft gegen Frankreich auf den Platz schicken sollte, um zum Erfolg zu kommen.

Schürrle in die Startelf

Gegen Algerien wurde Schürrle von Löw wieder einmal nur als Joker gebracht. Doch der Chelsea-Profi hat sich in England sehr gut weiterentwickelt und ist in Topform.

Er könnte dem DFB-Team mit seiner Dynamik und seinem Tordrang von Beginn an helfen.

Schürrle könnte seinen zuletzt schwachen Kumpel Mario Götze in der Startelf ersetzen oder für den ebenfalls nicht überzeugenden Mesut Özil ins Team rücken.

Nicht auf Klose verzichten

Gegen Algerien saß Miroslav Klose die ganze Zeit auf der Bank, obwohl die deutsche Elf zum wiederholten Male sehr gute Torchancen ausließ.

Klose muss nicht unbedingt in der Startelf stehen, aber auf die Abschlussqualitäten des WM-Rekordtorschützen sollte Löw nicht verzichten.

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Lahm auf rechts oder links

Lahm spielte nach Mustafis Verletzung Rechtsverteidiger. Die durch das Fehlen des erkrankten Mats Hummels geschwächte Abwehr bekam mehr Sicherheit. In der Abwehr hilft Lahm der Mannschaft mehr als im Mittelfeld, wo ein Überangebot herrscht.

Wenn Hummels gegen Frankreich wieder fit wird, sollten Lahm und Jerome Boateng auf den Außenpositionen verteidigen. So haben sie es schon bei der WM 2010 und der EM 2012 getan. Wer von beiden rechts und wer links spielt, ist fast schon egal. Viel falsch machen kann Löw nicht.

Rückkehr zum 4-2-3-1

Bei der WM lässt Löw ein anderes System spielen als in der Qualifikation, bei der EM 2012 und der WM 2010.

Vom erprobten und bewährten 4-2-3-1 mit den beiden Sechsern Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira und einem Stürmer wechselte er zum ungewohnten 4-3-3 mit drei eher defensiven zentralen Mittelfeldspielern und ohne echten Stürmer.

In der Vorrunde beharrte Löw auf seiner Taktik - mit Toni Kroos, Philipp Lahm und den sich abwechselnden Khedira und Schweinsteiger. Es gab viel Ballbesitz und Kontrolle, aber nur wenige kreative Momente im Spiel nach vorne.

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Erst ab der zweiten Halbzeit gegen Algerien und nur aufgrund von Shkodran Mustafis Muskelverletzung ging Lahm zurück in die Abwehr und das erfolgreiche Duo der WM 2010 spielte wieder Seite an Seite im defensiven Mittelfeld.

Ob dies gegen Frankreich der Fall sein wird, ist fraglich. Denn Schweinsteiger hat gegen Algerien mehr als 100 Minuten gespielt und war bei seiner Auswechslung vollkommen am Ende seiner Kräfte.

Als Ersatzmann steht der junge Christoph Kramer bereit, der im Achtelfinale in der Schlussphase ein gutes WM-Debüt feierte.

Hummels als zentraler Mann

Gegen Algerien wurde der an einem grippalen Infekt leidende Dortmunder schmerzlich vermisst.

Hummels war in den drei Gruppenspielen immer einer der Besten. Er hat sich seinen Stammplatz erkämpft und hat ein hohes Standing innerhalb der Mannschaft.

Wie es aussieht, hat er den endgültigen Durchbruch im DFB-Team geschafft. Mehr noch: Er ist eine zentrale Figur geworden und hat das Zeug zum WM-Star.

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Höwedes raus aus der Startelf

Falsch wäre es nur, Benedikt Höwedes weiter auf der für ihn ungewohnten und schwierigen linken Seite aufzustellen oder Lahm auf Teufel komm raus im Mittelfeld zu belassen.

Für Mustafi ist die WM nach seinem Muskelfaserriss beendet. Vielleicht bekommt nun ein anderer junger Spieler die Chance.

Eine Chance für Durm und/oder Großkreutz

Erik Durm und Kevin Großkreutz haben ihr Können schon in der Champions League gegen Spitzenklubs wie Real Madrid gezeigt.

Bei der WM sind sie bisher aber nur Touristen. Löw setzt immer noch auf dieselben 14, 15 Spieler, der Rest guckt in die Röhre.

Warum, das weiß nur der Bundestrainer.

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