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Thomas Müller hat bereits zehn WM-Treffer auf seinem Konto
Thomas Müller wechselte im Alter von elf Jahren zum FC Bayern © getty

Thomas Müller spricht im Interview über die Nachwehen des Algerien-Spiels, Löws Taktik und Viertelfinalgegner Frankreich.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Santo Andre - Thomas Müller hat den perfekten Start in die Weltmeisterschaft in Brasilien geschafft.

Mit drei Treffern besiegte der Angreifer des FC Bayern München Portugal quasi im Alleingang. Auch im letzten Gruppenspiel gegen die USA erzielte der 24 Jahre alte Müller das entscheidende Tor - trotz einer gegen Ghana erlittenen Platzwunde am Kopf. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Im vieldiskutierten Achtelfinale gegen Algerien kam aber auch Müller nicht wie gewohnt zum Zug.

In einer kleinen Medienrunde, in der auch SPORT1 vertreten war, hat der Angreifer nun gesprochen über die Kritik an der DFB-Elf, die Taktik von Bundestrainer Joachim Löw und das anstehende Viertelfinale gegen Frankreich (Fr., ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER)

SPORT1: Herr Müller, wie ist in diesen Tagen die Stimmung in der Mannschaft nach dem 2:1 über Algerien?

Thomas Müller: Sehr gut, weil es ein Mannschaftssieg war. Wir haben zusammen gefightet, das gibt untereinander ein gutes Gefühl. Natürlich gab es keine große Party an der Team-Bar. Erholung stand im Vordergrund, Die Stimmung war eher so: Der Schritt ist geschafft und es geht jetzt weiter.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Leistung der Mannschaft gegen Algerien?

Müller: Die erste Halbzeit war nicht das, was wir uns vorstellen. Wir hatten zu leichte Ballverluste und brauchten einen guten Manu (Manuel Neuer, Anm. d. Red.) und ein Quäntchen Glück. Mit Beginn der zweiten Halbzeit waren wir klar spielbestimmend und hatten viele Torchancen. Wenn wir das Spiel nach 90 Minuten 2:0 gewonnen hätten, dann hätten wir jetzt nicht so ein kleines Theater.

SPORT1: Mit Theater meinen Sie die Kritik an der Mannschaft und am Bundestrainer. Ist die Kritik überzogen?

Müller: Sie ist nicht überzogen. Aber die Art und Weise, wie es verstanden wird und rübergebracht wird, ist die falsche. Wir haben ein Spiel, das eng war, gewonnen. Auch wenn es über den Umweg der Verlängerung ging, sind wir verdient weiter gekommen. Dass wir ein Spiel anders bestreiten wollen, wissen wir selbst. Die inhaltliche Kritik nehmen wir ja gerne an, aber wir haben uns 120 Minuten lang den Arsch aufgerissen.

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SPORT1: Woher kommt Ihrer Meinung nach die Kritik?

Müller: Die Kritik hat auch mit der großen Erwartungshaltung zu tun. Es funktioniert nicht immer alles. Man sollte danach nicht das Gefühl haben, dass wir uns entschuldigen müssen. Ich denke nicht, dass wir gegen eine Karnevalstruppe gespielt haben, wie es Per Mertesacker schon gesagt hat.

SPORT1: Hat Per Mertesacker im TV-Interview nach dem Spiel überreagiert?

Müller: Nein. Das war die Wahrheit. Er hat es so gesagt, wie er sich gefühlt hat. Er hat es auf den Punkt gebracht.

SPORT1: Schweißt die Kritik von außen die Mannschaft noch mehr zusammen?

Müller: Nein, auch nicht. Wir spielen ja nicht für die Reporter. Wenn andere Mannschaften ein Spiel so gewinnen wie wir gegen Algerien, wird es als clever abgetan. Wir haben alle 100 Prozent gegeben und sind durch das Ergebnis belohnt worden. Ich will nicht Weltmeister werden und sagen müssen: Sorry, dass wir das Finale nur mit einem Tor Unterschied gewonnen haben. Kritik ist richtig, aber der Ausblick sollte nicht immer so negativ sein.

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SPORT1: Das System des Bundestrainers steht in der Kritik. Wie beurteilen Sie die Diskussion?

Müller: Zu Systemfragen kann ich nichts sagen. Ich verstehe aber die Diskussion. Das habe ich früher am Fernseher auch gemacht. Das ist das Interessante am Fußball. Bei uns gibt der Trainer gibt die Richtung vor und wir stehen voll dahinter.

SPORT1: Das zentrale Mittelfeld steht unter besonderer Beobachtung. Wir beurteilen Sie die Leistung dort? SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

Müller: Ich finde, das Zentrum mit drei Mittelfeldspielern, egal wie sie heißen, ist bisher einer unserer Trümpfe. Wir sind extrem stabil.

SPORT1: Spieler wie Mesut Özil oder Mario Götze wurden zuletzt häufig kritisiert. Sind Sie einer der wenigen "Unantastbaren"?

Müller: Natürlich, ich habe vier Tore gemacht, ich bin erst einmal fein raus (lacht). Ich habe schon eine gute Form. Aber es funktioniert nicht immer so. Bei der EM 2012 hatte ich in der Vorrunde kein Tor geschossen. Manchmal hat man Phasen, da geht einem alles leichter von der Hand. Ich glaube, ich bin seit der WM 2010 ein viel besserer Spieler geworden, was meine Fähigkeiten und Einfluss auf das Spiel betrifft.

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SPORT1: Viele sagen, ein Thomas Müller ist stärker, wenn er über rechts kommt. Und vorne ein echter Stürmer wie Miro Klose spielt.

Müller: Es ist nicht stärker, es ist anders. Das ist immer eine Option, wir haben schon in manchen Spielen so reagiert. Ich kann auf jeder Position ein gutes Spiel oder ein schlechtes Spiel machen.

SPORT1: Sie werden als unorthodoxer Spieler beschrieben. Empfinden Sie das selbst auch so?

Müller: Ich kann mich fast nicht dagegen wehren. Aus meiner Sicht passieren bei mir weniger spontane Dinge als Sie vielleicht denken. Man muss manche Dinge mit einem gewissen Risiko zu Ende führen. Ich versuche es. Es kann auch schiefgehen. Aber ich versuche es, sonst schießt du keine Tore.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die deutsche Abwehrkette mit vier Innenverteidigern?

Müller: Es geht nicht darum, ob auf der Panini-Karte "IV" oder "AV" steht. Es geht um die individuellen Eigenschaften der Spieler. Wir haben mit den vier Innenverteidigern vier sehr zweikampfstarke Spieler. Benny Höwedes ist von der Offensivkraft nicht mit Brasiliens Marcelo zu vergleichen, aber ich kenne keinen Außenverteidiger, der im Eins gegen Eins zweikampfstärker ist als Benny.

SPORT1: Was würden Sie auf Ihre Panini-Karte schreiben? Mittelfeldspieler? Stürmer? Bewegungsstürmer?

Müller: Überrascher (lacht).

SPORT1: Was wäre denn Ihre Wunschvorstellung von dem Spiel gegen Frankreich? Wie kann es idealerweise laufen?

Müller: Dass wir unser Spiel aufziehen! So, wie wir es auch schon oft ordentlich gemacht haben. Die Wunschvorstellung ist, dass wir einen etwas höher attackierenden Gegner haben, wir uns aber trotzdem aus dem leichten Druck, den die Franzosen vielleicht machen werden, befreien können. Und dadurch dann vorne mehr Räume vorfinden werden, als gegen die USA oder Algerien.

SPORT1: Was wissen Sie von dem Gegner?

Müller: Die Franzosen sind, ähnlich wie wir, auch nicht unbedingt von Einzelspielern abhängig, sondern sie kommen über das Kollektiv. Sie haben dennoch fähige Spieler vorne, die immer was kreieren können. Es sind aber auch gute Arbeiter dabei, mit einer guten Laufleistung.

SPORT1: Ist Ihre Zuversicht durch den bisherigen Turnierverlauf gestiegen?

Müller: Wir sind auf einem guten Weg. Wir stehen im Viertelfinale, wir sind eindeutig eine Wettkampfmannschaft. Sobald der Druck da ist, sind wir voll da. Ich wünsche mir, dass wir am Ende alle zusammen feiern können.

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