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2. LÖWS EINSICHT: Mit vier Innenverteidigern und mit falscher Neun war Bundestrainer Jogi Löw ins Turnier gestartet. Doch nach dem souveränen Auftakterfolg gegen Portugal wurden die Leistungen schlechter, die Kritik an Löws Marschroute wurde lauter. Im Viertelfinale gegen Frankreich baute Löw dann seine Mannschaft komplett um
Joachim Löw (r.) ist seit 2006 Bundestrainer beim DFB © getty

Vor dem Viertelfinale gegen Frankreich macht der Bundestrainer Kampfansagen. Philipp Lahm dürfte nach hinten rücken. Die Fakten.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Rio de Janeiro -Der vielleicht größten Herausforderung seiner Trainer-Karriere blickt Joachim Löw "tiefenentspannt" entgegen.

Das jedenfalls behauptete der Bundestrainer im legendären Maracana bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor dem WM-Viertelfinale gegen Frankreich (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER).

"Viele andere Nationen sind schon im Urlaub, wir sind immer noch hier. Wir sind jetzt unter die ersten Acht gekommen, morgen kommen wir unter die ersten Vier", meinte er siegessicher.

Selbst die Frage nach seiner Zukunft im Falle eines eventuellen Scheiterns brachte ihn nicht aus der Ruhe (SERVICE: Der WM-Spielplan).

Ende als Bundestrainer kein Thema

Dass über seine mögliche Ablösung gesprochen werde, sei "nicht völlig ungewöhnlich. In Südafrika war es schon vom zweiten Spiel an. Ganz ehrlich: Solche Dinge interessieren mich in dieser Situation überhaupt nicht", meinte Löw.

Stattdessen richtete er den Fokus auf die Partie gegen die Franzosen.

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"Frankreich ist eine Mannschaft auf Augenhöhe. Aber wir gehen mit all unserem Selbstbewusstsein in dieses Spiel", betonte Löw.

"Wir machen uns Gedanken, wie wir gewinnen können, und nicht was passiert, wenn wir verlieren", ergänzte Löw.

Topbilanz in den Viertelfinals

Die Geschichte gibt ihm Recht: Drei Mal stand das DFB-Team bei einem großen Turnier im Viertelfinale, drei Mal hieß der Sieger Deutschland.

Bei der EM 2008 erreichte Löws Mannschaft das Endspiel, doch bei der WM 2010 und der EM 2012 war im anschließend im Halbfinale Schluss.

Immer dann, wenn es darauf ankam, zeigte Löws Mannschaft nicht ihr wahres Können.

Bei der EM vor zwei Jahren war es dann Löw selbst, der im Halbfinale gegen Italien keinen guten Tag erwischte und das Spiel vercoachte.

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Damals in Warschau wurde Löws zu defensive Aufstellung kritisiert. Es dauerte eine Weile, bis Löw seinen Fehler eingestand.

Dieses Mal sorgt die Personalie Philipp Lahm für heftige Diskussionen. Lange schien es, als pralle die Debatte an Löw ab. Lahm spielt im Mittelfeld. Punkt.

Meinung zu Lahm geändert?

Doch nach dem mühsamen 2:1 gegen Algerien im Achtelfinale, als Lahm wieder auf die rechte Abwehrseite gerückt war und das Spiel besser lief, scheint der Bundestrainer seine Meinung überdacht zu haben.

"Es gibt Entscheidungen, die sind mal gefällt. Aber sie sind nicht zementiert", betonte Löw.

"Man wird sehen, wo Philipp spielt. Das werden Sie dann relativ schnell erkennen", sagte er lächelnd.

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Was Sie zum Spiel wissen müssen: SPORT1 beantwortet die Fragen zum Spiel.

Wie sieht die Startelf aus?

Lahm rechts, Jerome Boateng links, in der Mitte der wieder genesene Mats Hummels und Per Mertesacker. So könnte die Abwehr aussehen. Benedikt Höwedes würde dann auf der Bank sitzen.

Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira würden dann im defensiven Mittelfeld spielen.

Wie bei der WM 2010. Neu in der Startelf ist voraussichtlich Andre Schürrle, der Mario Götze verdrängen würde.

Unwahrscheinlich scheint dagegen die Variante, die Löw im Abschlusstraining im Maracana ausprobierte: Mit Lahm auf links und dem bislang chancenlosen Kevin Großkreutz auf der rechten Abwehrseite.

Sind alle Spieler fit?

Bis auf Shkodran Mustafi (Muskelbündelriss) sind alle Mann an Bord, aber einige sind leicht angeschlagen.

"Mittwoch haben einige über Halsschmerzen geklagt, es war schon ein bisschen ein Problem", sagte Löw. "Es hat aber keiner Fieber, einige sind noch ein bisschen erkältet, aber alle haben trainiert."

Frankreichs Trainer Didier Deschamps kann aus dem Vollen schöpfen.

Welche Bilanz hat das DFB-Team gegen Frankreich?

Die Bilanz ist negativ: 25 Spiele, 8 Siege, 6 Unentschieden, 11 Niederlagen

Aber: Das letztes Spiel im Februar 2013 in Paris gewann Deutschland mit 2:1 ebenso die letzten beiden WM-Halbfinals 1982 und 1986.

Besonders das Duell beim Turnier in Spanien wird in diesen Tagen immer bemüht. 1982 gewann Deutschland erst nach Elfmeterschießen, im Spiel leistete sich Torwart Toni Schumacher ein brutales Foul gegen Patrick Battiston.

Doch von einer besonderen Rivalität will niemand sprechen. "Da waren die Spieler noch nicht einmal geboren", sagt Trainer Didier Deschamps.

Und Torwart Hugo Lloris meint: "Wir leben in der Gegenwart. Es gibt eine Vergangenheit, aber wir konzentrieren uns auf das Spiel und wollen unsere eigene Geschichte schreiben."

Ist das Datum ein gutes Omen?

An einem 4. Juli haben deutsche Fußballer schon Geschichte geschrieben. Vor genau 60 Jahren ereignete sich das "Wunder von Bern". Deutschland besiegte Ungarn mit 3:2 und feierte die erste Weltmeisterschaft.

Allerdings gab es am 4. Juli 2006 auch einen Grund zum Trauern. Damals traf die DFB-Elf im WM-Halbfinale auf Italien. In Dortmund platzte der Traum vom Titelgewinn im eigenen Land - das Team von Jürgen Klinsmann und Co-Trainer Löw verlor mit 0:2 nach Verlängerung.

Warum sprechen alle vom Mythos Maracana?

Das Maracana war von Anfang an mehr als nur ein Fußball-Stadion. Erbaut für die WM 1950, sollte es ein Denkmal der neuen Größe Brasiliens sein. Hier unterlag die "Selecao" vor 64 Jahren dem Nachbarn aus Uruguay.

Im Hinblick auf die WM 2014 wurde das Stadion komplett renoviert. Mittlerweile finden hier bei internationalen Spielen nur noch 73531 Zuschauer Platz (904695DIASHOW: Das Maracana-Stadion).

"Wir spielen in einem Stadion mit einem großen Mythos. Das ist für alle Motivation genug", erklärte Löw.

Das DFB-Team spielt übrigens zum ersten Mal im neuen Maracana. "Nehmt dies am Freitag mit dem Ziel an, möglichst zweimal dort zu spielen. Ihr habt es drin. Ihr habt es sicher drin. Wir glauben fest daran", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mit Pathos.

Im legendären Maracana findet am 13. Juli auch das angestrebte Finale statt. Es sei "ein würdiger Ort, um Spuren zu hinterlassen" - Freitag wäre "ein guter Zeitpunkt", twitterte Franz Beckenbauer und schickte ein Bild von seinen Fußabdrücken mit, die in Maracana eingelassen sind.

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Wer ist der Schiedsrichter?

Zu Nestor Pitana müssen die meisten deutschen Spieler hochschauen. Der Argentinier mit dem Seitenscheitel misst 1,93 Meter - von den DFB-Spielern ist nur Per Mertesacker größer.

Bisher hat Pitana in Brasilien die Spiele zwischen Russland und Südkorea (1:1), der deutschen Gruppengegner Portugal und USA (2:2) sowie zwischen Honduras der der Schweiz (0:3) geleitet - alle souverän und ohne große Fehler.

Wie wird das Wetter?

Da Rio de Janeiro weiter südlich liegt, sind die Temperaturen im Normalfall deutlich niedriger als bei den Hitzespielen in Fortaleza oder Recife. Allerdings werden für die Anstoßzeit um 13 Uhr Ortszeit Temperaturen um 29 Grad und Sonnenschein erwartet.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Frankreich: Lloris - Debuchy, Varane, Sakho, Evra - Pogba, Cabaya, Matuidi - Valbuena, Benzema, Griezmann.

Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Hummels, Boateng - Schweinsteiger, Khedira, Kroos - Özil, Schürrle - Müller

Schiedsrichter: Nestor Pitana (Argentinien)

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