Thomas Berthold wünscht sich eine Beförderung des Jokers. Brasilien sieht er trotz Neymars Ausfall leicht im Vorteil.

Hallo Fußball-Freunde,

Deutschland hat sich ins WM-Halbfinale gekämpft. Ich bleibe jedoch bei meiner Meinung: Wir werden nicht Weltmeister!

Deutschland ist zwar Gruppenerster geworden, spielerisch lag aber bis zum Frankreich-Spiel vieles im Argen. Und man hat im Viertelfinale gesehen, dass einige Spieler wie Mesut Özil, Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira nicht in der besten körperlichen Verfassung sind. Sie haben alle ziemlich abgebaut in der zweiten Hälfte.

Was vor dem Traumhalbfinale gegen Brasilien Mut macht: Das deutsche Team hat sich von der Mentalität her im Turnier durchgebissen - gegen die Algerier, aber auch gegen die Franzosen.

Gegen Frankreich hatten wir aus dem Spiel heraus nur eine echte Torchance durch Andre Schürrle, doch eine eigene Standardsituation kann immer zum Tor führen. Und die Mannschaft steht inzwischen immer kompakter, gibt dem Gegner keine Räume.

Ich gehe davon aus, dass Joachim Löw gegen Brasilien wieder mit Khedira und Schweinsteiger im Mittelfeld beginnen wird und Philipp Lahm auf der Rechtsverteidigerposition bleibt.

In der Innenverteidigung sollten wieder Mats Hummels und Jerome Boateng starten. Für meinen Geschmack ist Per Mertesacker einfach zu langsam, darauf habe ich schon vor der WM hingewiesen.

Ich würde mir übrigens wünschen, dass Andre Schürrle in der Startelf steht. Er ist für mich der dynamischste Spieler des Teams und in diesem Turnier sind schnelle Spieler enorm wichtig.

Joachim Löw musste in den vergangenen Wochen einige Kritik einstecken. Im Endeffekt geht es aber darum, im Fußball Erfolg zu haben und der gibt dem Trainer Recht. Löw hat sich weiterentwickelt und er hat mit Sicherheit auch aus der EM 2012 gelernt.

Die Brasilianer haben bisher dem Druck standgehalten und eine Steigerung hingelegt. Ich hatte schon gegen Kolumbien den Eindruck, die Spieler wollen sich das jetzt nicht mehr nehmen lassen, sie brennen auf den Titel.

Deshalb sind meiner Meinung nach jetzt die Brasilianer leicht im Vorteil - vor allem mit den eigenen Fans im Rücken.

Allerdings stellt der Ausfall von Neymar einen riesigen Verlust dar.

Mit James Rodriguez von Kolumbien war er bisher der auffälligste Spieler der WM. Neymar ist nicht eins zu eins zu ersetzen, aber die Mannschaft wird nun enorm zusammenrücken.

Für den gesperrten Kapitän Thiago Silva hat Brasilien in Dante eine starke Alternative. Zumal Dante ja alle Bundeliga- und Bayern-Profis hervorragend kennt.

Für das zweite Halbfinale habe ich einen klaren Favoriten: Argentinien wird die Niederlande rauswerfen. Die Argentinier haben sich gesteigert, Gonzalo Higuain ebenso, das Tor gegen Belgien wird ihm weiter Auftrieb geben.

Wenn es also im Maracana zum Endspiel Brasilien gegen Argentinien kommen sollte, wird in Brasilien die Hölle los sein. Diese unglaubliche Rivalität habe ich hier vor Ort schon selbst erlebt.

Ich bin sehr gespannt, ob Deutschland dieses südamerikanische Gipfeltreffen verhindern kann.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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