Schweinsteiger bricht sein Schweigen. Er spricht über ein mögliches Duell mit Dante und Neymars Aus. Flick nimmt Özil in Schutz.

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Von Christoph Lother und Thorsten Mesch

München/Campo Bahia - Zwei Siege trennen die deutsche Nationalmannschaft noch vom lang ersehnten vierten Titelgewinn bei einer Weltmeisterschaft (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Zwei Tage sind es noch bis zum mit Spannung erwarteten Halbfinale gegen Brasilien am Dienstag (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Die Stimmung im DFB-Quartier ist bestens, die Zuversicht vor dem Duell mit dem fünfmaligen Weltmeister und Gastgeber des Turniers groß.

Im Campo Bahia stellten sich am Sonntag Co-Trainer Hansi Flick und Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger den Fragen der Journalisten.

SPORT1 fasst die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz zusammen:

Zur Personalsituation:

Eine gute Nachricht gab's gleich vorab.

"Alle 22 Spieler sind fit und gesund. Es gab gestern ein paar Angeschlagene, aber jetzt sind alle gesund", sagte Flick.

Sprich: Auch Innenverteidiger Per Mertesacker, der am Samstag grippebedingt mit dem Training aussetzen musste, ist nach jetzigem Stand wieder einsatzbereit.

Schweinsteiger, der angeschlagen ist Turnier gestartet war, sagte zu seinem aktuellen Gesundheitszustand: "Ich fühle mich sehr gut. Ich habe jetzt schon auf hohem Niveau viele Minuten gespielt. Ich bin bereit, mehr als 90 Minuten hohes Tempo zu gehen."

Zu Schweinsteigers Schweigen:

Der Mittelfeldmann vom FC Bayern hatte Interviews bei dieser WM bislang gemieden - allerdings nicht, weil er sich über seine anfängliche Reservistenrolle und die eine oder andere kritische Stimme zu seiner Person geärgert hätte.

"Ich habe mich darauf konzentriert, fit zu sein und gesund zu werden. Ich bin kein Freund von vielem Drumherumreden. Ich spreche lieber intern Dinge an. Das hat nichts damit zu tun, auf jemanden böse zu sein", erklärte Schweinsteiger.

Mit Blick auf seine Nichtberücksichtigung beim 4:0 im Auftaktspiel gegen Portugal fügte der 29-Jährige hinzu: "Der Bundestrainer hat zu hundert Prozent richtig entschieden. Man merkt, dass die Spiele bei diesen Temperaturen kraftraubend sind. Von daher war die Stimmung bei mir immer gut. Es geht nicht um einen Spieler, sondern darum, dass Deutschland Weltmeister wird."

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Zu Özil und Lahm:

Entspannt geht man im deutschen Lager mit den bislang nicht gerade überzeugenden Leistungen von Mesut Özil um.

"Mesut hat seit seiner Verletzung bei Arsenal nicht ganz auf dem Niveau gespielt, das wir kennen. Aber wir sind mit ihm zufrieden", betonte Flick und erklärte:

"Er spielt auf einer anderen Position als sonst, also hat er andere Aufgaben. Er ist ein ballsicherer Spieler. Er hat sich im Turnier gesteigert."

Im Laufe der WM gesteigert hat sich auch Philipp Lahm.

Beim 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich lief der Kapitän erstmals bei diesem Turnier von Anfang an als Rechtsverteidiger auf - und überzeugte (PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen).

Die Variante in den vorhergehenden Spielen, die Lahm im defensiven Mittelfeld bestritten hatte, erklärte Co-Trainer Flick wie folgt:

"Für uns gibt es Lösungen, die wir in jedem Spiel parat haben müssen. Deswegen ist es wichtig, dass wir Flexibilität im Team haben. Philipp Lahm hat im Zentrum gespielt, weil Sami (Khedira, Anm. d. Red.) und Bastian (Schweinsteiger, Anm. d. Red.) am Anfang noch nicht den Rhythmus hatten. Wir hatten unsere Hoffnung immer auf die K.o.-Runde gesetzt, dass da alle fit sind. Wir verfolgen nicht stur irgendwelche Dinge, sondern entscheiden immer wieder über unseren Weg."

Zum Ausfall von Brasiliens Neymar:

Darüber, dass Superstar Neymar dem kommenden Gegner verletzungsbedingt fehlen wird, zeigte sich Schweinsteiger alles andere als erfreut.

"Ich glaube, wir sind alle sehr traurig, dass Neymar nicht spielen kann. Es ist immer das beste, wenn bei einem großen Spiel die großen Spieler auf dem Platz stehen", sagte der Münchner.

Leichter würde die Aufgabe für das DFB-Team dadurch aber nicht.

"Ich glaube, dass sein Ausfall die Truppe zusammenschweißt. Das kann schon Kräfte freisetzen. Mit Scolari und Perreira haben sie zwei Trainer, die schon Weltmeister waren. Mit ihrem Heimvorteil und der individuellen Kalsse jedes einzelnen Spielers haben sie einige Stärken", so Schweinsteiger.

Flick meinte zum WM-Aus des 22-jährigen Torjägers: "Das ist ein Verlust für Brasilien. Er ist ein Weltklassespieler. Er hat gezeigt, dass er die Erwartungen, die man in ihn hatte, erfüllen kann. Er hat eine klasse WM gespielt."

Aber auch der deutsche Assistenzcoach glaubt, "dass solche Dinge eine Mannschaft zusammenschweißen können. 200 Millionen Fans stehen hinter der Mannschaft."

Auch ohne Neymar und den gesperrten Abwehrchef Thiago Silva hätte Brasilien "eine Mannschaft, die außergewöhnliche Fußballer in ihren Reihen hat", sagte Flick.

Zu einem möglichen Duell mit Dante:

Einer, der von Thiago Silvas Sperre profitieren könnte, ist Bayern-Profi Dante.

"Mich würde es freuen, wenn er spielen würde. Ich glaube, er hätte es verdient, weil er ein unglaublicher Charakter ist", sagte Schweinsteiger über seinen Vereinskollegen, der gegen Deutschland ins brasilianische Abwehrzentrum rücken dürfte.

"Was ein Vorteil ist, ist dass wir ihn ganz genau kennen. Wir wissen, was er für Stärken und Schwächen hat. Andererseits weiß er das von uns auch", erklärte Schweinsteiger und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Außer bei Thomas Müller. Da weiß man nie, was kommt."

Alle weiteren Aussagen finden Sie im LIVE-TICKER zum Nachlesen.

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