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LINKER VERTEIDIGER: Benedikt Höwedes hat sich Spiel fürs Spiel auf der ungewohnten Position ins Turnier gebissen. Defensiv agiert der Schalker bislang meist solide, nach vorne kann der gelernte Innenverteidiger aber kaum Impulse setzen. Auch mangels Alternativen hat er bei dieser WM bisher alle Spiele absolviert
Benedikt Höwedes schoss in 26 Länderspielen zwei Tore für Deutschland © getty

Benedikt Höwedes ist die unvermutete Konstante im DFB-Team. Den Kritikern geben er und Thomas Müller bei SPORT1 Kontra.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Rio de Janeiro/Belo Horizonte - Mesut Özil hat sie um 38 Minuten verpasst.

Thomas Müller ist der Marke 29 Minuten näher, immerhin, neun Minuten aber fehlen auch ihm. Toni Kroos ist ganz dicht dran, eine einzige Minute aber macht am Ende den Unterschied.

Nur drei Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft haben die 480 in ihrem Arbeitsnachweis stehen, haben die komplette WM in Brasilien durchgespielt: fünf Mal 90 Minuten plus 30 Minuten Verlängerung gegen Algerien.

Manuel Neuer, die Nummer eins im Tor. Philipp Lahm, der Kapitän. Und: Benedikt Höwedes (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Höwedes spielt immer

In allen fünf Spielen stand der Schalker für das DFB-Team auf dem Platz, durchgehend, als Linksverteidiger. Im Halbfinale gegen Brasilien (Di., ab 21.30 Uhr LIVE-TICKER) dürfte Nummer sechs hinzukommen.

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Wer hätte es zu behaupten gewagt vor der WM, vor allem noch bei dieser Vorgeschichte?

Nach mehreren Muskelverletzungen hatte der Schalker in der zweiten Hälfte der vergangenen Bundesligasaison drei Monate pausiert, erst am letzten Spieltag feierte er sein Comeback mit einem Kurzeinsatz.

Seine Chancen auf die WM-Teilnahme galten vor dem Trainingslager in Südtirol als gering, für viele Experten war er ein möglicher Streichkandidat. Er ist es für viele irgendwie auch noch immer - obwohl er sich als ziemlich stabiles Überraschungsei erwiesen hat.

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"Ich bin kein Philipp Lahm auf links"

Höwedes kennt die Skepsis, die sich mit seiner Person verbindet, die vielen Forderungen, dass an der Stelle des gelernten Innenverteidigers doch besser der offensivere Erik Durm auf seiner Position spielen sollte.

Es lässt ihn kalt.

"Ich bin kein Philipp Lahm auf links, der großartig Akzente nach vorne setzt", sagt Höwedes im Gespräch mit SPORT1: "Aber ich glaube, ich erledige meine Aufgabe defensiv immer sehr gut und ich weiß, dass der Trainer mit mir zufrieden ist."

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Die Kritiker sollen kritisieren

Höwedes selber ist das übrigens auch: "Es ist nicht ohne Grund, dass wir bisher so wenige Gegentore bekommen haben", sagt er.

Er hat dabei die gesamte Abwehrleistung im Blick, aber eben auch seine eigene.

Zu denen, die das anders sehen, sagt er: "Wenn die Leute mich immer noch kritisieren wollen, dann sollen sie es gerne tun."

Ritterschlag von Müller

Kritiker übersehen gern Höwedes' Stärken, die ihn für jeden Stürmer zu einem unangenehmen Gegenspieler machen.

"Benny ist von der Offensivkraft nicht mit Brasiliens Marcelo zu vergleichen, aber ich kenne keinen Außenverteidiger, der im Eins gegen Eins zweikampfstärker ist", sagt Thomas Müller zu SPORT1.

Auch in der Luft ist er nur sehr schwer zu überwinden und geht bei Standardsituationen mit nach vorn. Ob zusammen mit Mats Hummels, Jerome Boateng oder Per Mertesacker - die deutschen Abwehrspieler sind ein Pfund, mit dem Löw bei Standards wuchern kann.

"Es ist sehr wichtig, dass wir so kopfballstark sind. Das macht uns unberechenbar. Mats hat zwei Tore gemacht, Per und ich sind mit nach vorn gegangen und die Tore sind über den zweiten oder dritten Ball gefallen", erklärt Höwedes.

Halbfinal-Einzug "einfach unfassbar"

Nicht zuletzt deshalb steht das DFB-Team nach dem 1:0-Sieg über Frankreich nun im Halbfinale gegen Brasilien.

Eine Leistung, die die deutschen Fans mittlerweile als Standard empfinden - Höwedes dagegen findet sie unter den gegebenen Umständen "einfach unfassbar".

Das Team habe sich "durchgekämpft und durchgebissen", trotz widriger Umstände: "Wir mussten unglaublichen Temperaturen trotzen."

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Abstinenz soll anhalten

Höwedes hat viel auf sich genommen, um sich trotz seiner Blessuren für die Extrembedingungen fit zu bekommen.

"Ich habe im letzten halben Jahr gar keinen Alkohol getrunken, weil ich aufgrund meiner Muskelverletzung komplett darauf verzichtet habe", sagt er.

Und geht es nach ihm, soll die Abstinenz noch bis nach dem Halbfinale gegen Brasilien anhalten: "Der erste Schluck Alkohol kommt erst ins Spiel, wenn wir ausscheiden oder die WM gewinnen. Und wir wollen den Pokal mit nach Hause nehmen."

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