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Mesut Özil (l.) war in zwei der fünf WM-Partien schnellster deutscher Spieler © getty

SPORT1 analysiert die Statistiken der deutschen Nationalelf der WM - die Zahlen offenbaren zum Teil überraschende Befunde.

Von Julian Ignatowitsch

München - Erneut steht die deutsche Mannschaft im Halbfinale.

Überraschend ist das nicht, es ist das fünfte Mal in Folge, dass das DFB-Team bei einem Großturnier unter die letzten Vier kommt.

Sehr wohl überraschend ist allerdings das Wie: Vor dem heiß erwarteten Duell mit Gastgeber Brasilien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) hat SPORT1 die Arbeitsnachweise der deutschen Spieler analysiert (SERVICE: Der WM-Spielplan).

Und der Blick auf die Daten und Zahlen offenbart zum Teil verblüffende Befunde. Die fünf bemerkenswerten im SPORT1-Statistik-Check:

RAKETEN ÖZIL UND MUSTAFI:

Schlechte Körpersprache, zu wenig Einsatz, kein Kämpfer ? diese Vorurteile über Mesut Özil hört man immer wieder. Fakt ist: Der Mittelfeldspieler ist die Sprints betreffend einer der spritzigsten und aktivsten deutschen Spieler.

Im Viertelfinale gegen Frankreich maß die FIFA bei ihm eine Spitzengeschwindigkeit von 32 Kilometer pro Stunde. Damit war er der schnellste im Team (alle Videos) .

Außerdem zieht Özil mitunter die meisten Sprints bei Deutschland an. In allen Spielen war er hier ganz vorne mit dabei, gegen die USA lag er sogar an der Spitze.

In der DFB-Elf erreichten nach FIFA-Statistiken nur Shkodran Mustafi (32,9 km/h) und Mats Hummels (32,3) vorher einen höheren Wert. Der schnellste Spieler des Turniers ist bisher der Costa Ricaner Junior Diaz (33,8) - Arjen Robbens angeblicher 37-km/h-Rekordsprint aus dem Spiel gegen Spanien taucht in den offiziellen veröffentlichten FIFA-Daten nicht auf.

ANTREIBER LAHM:

Defensives Mittelfeld? Rechtsverteidiger? Auch Phlipp Lahm ist bei der WM Gegenstand vieler Diskussionen. Außerhalb jeder Diskussion steht Lahms Bedeutung für das deutsche Spiel - die von den Statistiken klar belegt wird.

Spielt er wie in den ersten vier Spielen zentral, hat Deutschland in diesem Bereich des Felds die meisten Ballkontakte. Wechselt er wie im Viertelfinale nach rechts, verlagert sich das ganze deutsche Spiel auf diese Seite (PEPSI START 11: Hier die Nationalelf selbst aufstellen).

Gegen Frankreich war die rechte Seite faktisch das Spielzentrum. Über rechts kamen fast so viele Angriffe wie über die Mitte und über links zusammen.

Zudem spielt Lahm die meisten Pässe von allen WM-Spielern. Davon kommen starke 87 Prozent an den Mann. Bei Flanken ist der Wert mit 60 Prozent ebenfalls sehr gut.

Und noch eine Kategorie, in der Lahm führt: Er läuft von allen WM-Spielern am meisten im Ballbesitz. Wenn es einen Spieler gibt, der für Deutschland unersetzlich ist, dann ist es der Kapitän.

VIELLÄUFER KROOS:

Auch der manchmal phlegmatisch wirkende Toni Kroos überrascht bei diesem Turnier in einer Kategorie: zurückgelegte Distanz.

Hier ist Kroos viertbester Spieler von allen (!) Mannschaften ? und der zweitbeste Deutsche hinter Thomas Müller.

56,6 Kilometer lief der Mittelfeldspieler in fünf Spielen, oder 11,32 Kilometer im Schnitt pro Spiel (inklusive einer Verlängerung).

Gerade was die gelaufenen Kilometer mit Ballbesitz angeht, ist Kroos absolut top (23,8 km). Etwa die Hälfte der Strecke legt der 24-Jährige übrigens in der gegnerischen Hälfte zurück.

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AKTIVPOSTEN NEUER:

Von allen verbliebenen Torhütern ist Manuel Neuer der aktivste und spielstärkste.

Er spielt mehr ankommende Pässe (161) als seine Konkurrenten Jasper Cillessen (122), Sergio Romero (94) und Julio Cesar (90), läuft am meisten (25,7 km) und hat die höchste Zahl an gelungenen Abwehraktionen (18, im Vergleich zu Cillessen 12, Romero 9, Cesar 6).

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Das Spiel gegen Algerien steht exemplarisch dafür. Im Achtelfinale verbrachte Neuer sogar 1 Prozent der Spielzeit in der gegnerischen Hälfte ? wohlgemerkt als Torwart.

LEISTUNGSTRÄGER HUMMELS:

Mats Hummels gilt nach seinem Siegtor gegen Frankreich als Mann der Stunde - und das zu Recht: Laut FIFA Castrol Index ist der Abwehrmann der leistungsstärkste Deutsche.

Das Barometer zur Leistungsanalyse erfasst sämtliche Zuspiele, Zweikämpfe oder Bewegungen auf dem Spielfeld, wobei bewertet wird, ob diese einen positiven oder negativen Einfluss auf die Fähigkeiten der Mannschaft haben, ein Tor zu erzielen oder einen Gegentreffer zu verhindern.

Sein Wert liegt bei 9,63 ? damit ist er Gesamtfünfter. Besser sind nur Karim Benzema (9,79), James Rodriguez (9,74), Raphael Varane (9,7) und der im Halbfinale gesperrte Thiago Silva (9,66).

SCHWERFÄLLIGER, ABER EFFIZIENTER MERTESACKER:

Der "Big Fucking German" hat seine Stärken nicht bei Schnellig- und Spritzigkeit, das ist kein Vorurteil.

Bei Zahl und Geschwindigkeit der Sprints ist er Schlusslicht im DFB-Team. Wahrscheinlich hat Joachim Löw auch deshalb im Viertelfinale gewechselt.

Mertesackers Defiziten steht allerdings seine Effektivität auszugleichen. Sein Stellungsspiel ist stark und er bringt mehr Pässe an den Mann (92 Prozent) als jeder andere im Team. Bei der WM ist er bis jetzt größtenteils fehlerfrei.

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