Deutschland steht vor dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Dafür spricht nicht nur das 7:1, sondern auch wie Löws Team damit umgeht.

Den historischen Sieg gegen Brasilien muss die deutsche Mannschaft zwar erst noch im Finale vergolden. Aber alles spricht dafür, dass die DFB-Elf sich den vierten Stern sichert.

Was für ein Spiel! Was für ein historischer Erfolg! Der 7:1-Sieg gegen Brasilien (Bericht) war nicht nur der höchste in einem WM-Halbfinale.

Er war ein Meilenstein in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft und in der Historie der Fußball-Weltmeisterschaften.

Doch bei allem Jubel über den in jeder Hinsicht überzeugenden Erfolg darf man nicht vergessen: Der Sieg hat nur noch Wert für die Geschichtsbücher, wenn das DFB-Team am Sonntag das Finale in Rio de Janeiro verliert.

Auch Miroslav Klose wird sein Titel als bester WM-Torschütze aller Zeiten nicht trösten, sollte er nach 2002 sein zweites Endspiel verlieren.

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Doch wer die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw an diesem denkwürdigen Dienstagabend in Belo Horizonte erlebt hat weiß, dass sie das Zeug dazu hat, den Titel nach Deutschland zu holen.

Genauso souverän und kühl, wie sie auf dem Rasen die brasilianische Auswahl in ihre Einzelteile zerlegt hatte, präsentierten sich die Spieler anschließend den Journalisten: nicht überschwänglich und euphorisch, sondern zufrieden, glücklich und bereits fokussiert auf den nächsten Schritt.

Auf wen die deutsche Mannschaft auch treffen wird, das Endspiel wird in jedem Fall deutlich schwieriger als das Halbfinale gegen die hilflosen und unerfahrenen Brasilianer, die dem Erwartungsdruck nicht gewachsen waren.

Die deutsche Mannschaft hat hingegen wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sie mit Druck umgehen kann. Die Art und Weise, wie sie die Fehler des Gegners gnadenlos bestrafte, das Spiel jederzeit kontrollierte und im richtigen Moment zuschlug, war meisterlich. Eigentlich schon weltmeisterlich.

Von Torwart Manuel Neuer bis hin zum WM-Debütanten Julian Draxler waren alle Spieler wild entschlossen und lieferten auf den Punkt genau ihre beste Leistung ab.

Und auch der Bundestrainer zeigte seinen Kritikern, dass er keinesfalls immer in wichtigen Spielen die falschen Entscheidungen trifft.

Löw hatte im Viertelfinale gegen Frankreich die richtige Aufstellung gefunden, und er behielt sie gegen Brasilien bei. Anders als im WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien oder im EM-Halbfinale 2012 richtete er sich nicht nach dem Gegner.

Im Endspiel kann Löw nun endlich sein Meisterstück machen. Genau wie die Goldene Generation um Klose, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Per Mertesacker, die alle schon seit der WM 2006 unter dem damaligen Co-Trainer Löw spielten.

Im Finale kommt es zu einem Treffen mit alten Bekannten. Entweder zu einer Neuauflage des Endspiels von 1974 gegen die Niederlande oder der Finals von 1986 und 1990 gegen Argentinien.

Egal, wie der Gegner heißt: Wenn die DFB-Auswahl am Sonntag ihr volle Potenzial abruft, wird sie den Lohn für ihre Arbeit ernten und den vierten Stern nach Deutschland holen.

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