Im WM-Finale könnte Joachim Löw seine Trainerkarriere krönen. Zwei Tage vor dem Endspiel spricht der Bundestrainer im Interview.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Seguro - Zwei Tage können sehr lang sein. Vor allem, wenn man darauf wartet, ein WM-Finale zu bestreiten.

Andererseits: Was sind schon zwei Tage im Vergleich zu zehn Jahren?

So lange ist Joachim Löw schon bei der Nationalmannschaft, zunächst zwei Jahre als Assistent von Jürgen Klinsmann, seit 2006 als hauptverantwortlicher Bundestrainer.

Krönung im Maracana?

Seine Bilanz ist schon jetzt beeindruckend: Bei allen großen Turnieren erreichte das DFB-Team in dieser Zeit mindestens das Halbfinale. Bei Weltmeisterschaften reichte es zweimal zu Platz drei, bei der EM 2008 sogar zum Vize-Titel.

Am Sonntag könnte der 54-Jährige seine Karriere im Maracana von Rio de Janeiro krönen - mit einem Erfolg im WM-Endspiel gegen Argentinien (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Zwei Tage vor dem Finale wirkt Löw dennoch vollkommen locker.

Im Interview in einer Medienrunde mit SPORT1 und weiteren ausgewählten Journalisten spricht der Bundestrainer über die Stärken der Argentinier, mögliche Feierlichkeiten - und gibt ein Versprechen an die deutschen Fans ab.

Frage: Herr Löw, die Argentinier haben Papst Franziskus und "Fußball-Gott" Lionel Messi in der Tasche. Welche übermenschlichen Kräfte hat Ihre Mannschaft parat?

Joachim Löw: Ich glaube, dass uns das Spiel gegen Brasilien schon auch noch mal Selbstbewusstsein gibt. Auf der anderen Seite müssen wir das auch irgendwie jetzt beiseiteschieben. Diese Leichtigkeit sollten wir mitnehmen, aber wir müssen eben schon auch erkennen, dass der Gegner ein anderer sein wird in einem Finale. Argentinien wird uns alle Probleme der Welt bereiten wollen in diesem Spiel. Sie werden Unruhe verbreiten, sie werden Hektik verbreiten, sie werden aggressiv in die Zweikämpfe gehen. So haben sie bislang gespielt. Und sie haben eine super Defensive und vorne Lionel Messi, Gonzalo Higuain, möglicherweise auch Angel di Maria. Das ist schon auch Weltklasse. Diese Mannschaft muss erst mal geschlagen werden.

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Frage: Zuhause in Deutschland ist die Hölle los, selten zuvor hat sich das Land so sehr identifiziert mit einer deutschen Nationalmannschaft. Was kann man da jetzt zurückgeben oder vielleicht sogar versprechen?

Löw: Ich habe schon auch das eine oder andere Mal der Mannschaft diese Bilder gezeigt von den Fanmeilen, wie die Fans alle jubeln, wie sie sich freuen, wie glücklich sie sind, wenn wir ein Tor erzielen. Das ist für uns eine unglaubliche Motivation und ein unglaublicher Antrieb. Natürlich wollen die Fans jetzt den Titel. Die wollen, dass wir den Pott mitbringen - und wir werden das machen.

Frage: Sie haben gestern die Mannschaft zusammengerufen, eine Rede gehalten und es gab anschließend Applaus. Was haben Sie da für Worte gewählt an die Mannschaft? (199554ZUM DURCHKLICKEN: Joachim Löws Karriere in Bildern)8679041 /media/_redaktion2012/sportarten_2/fuball20132014/wm2014/dfbteam_12/trainer_15/Joachim_Loew_Deutschland_Brasilien_300.jpg

Löw: Ich habe einfach noch mal klar gemacht, dass es so ein Spiel wie gegen Brasilien natürlich nicht mehr geben wird. Das war ein Spiel, das war fantastisch und wir sind auch mit Lob und Superlativen überhäuft worden. Aber es ist eben auch gefährlich, wenn man glaubt, dass es so weitergeht ohne irgendwelche Probleme. Dann wird man sich irgendwann mal als Verlierer wiederfinden und das ist auch nicht ungefährlich. Wir müssen schon auch mit Problemen, mit Widerständen rechnen. Argentinien ist eine andere Mannschaft und es ist auch alles ein bisschen für uns gelaufen gegen Brasilien. Die Brasilianer sind geschockt gewesen nach dem zweiten Tor und sind dann auseinander gefallen. Das wird Argentinien nicht passieren. Diese Mannschaft ist schon viel gefestigter, viel stabiler und viel, viel aggressiver.

Frage: Die Spieler werden schon gefragt, wie sie feiern wollen, da ist schon die Rede vom Rückflug nach Berlin und der Fanmeile. Wie schaffen Sie es, das von der Mannschaft fern und die Konzentration hoch zu halten?

Löw: Ich habe mit Oliver Bierhoff nach dem Halbfinale gesprochen und habe gesagt: Du hast die Aufgabe, alles irgendwie zu organisieren, was auch immer dann hinterher sein wird. Mir und der Mannschaft ist das eigentlich völlig egal. Es ist ja egal, wo die Party sein wird oder was wir machen. Wenn wir gewinnen, wird es überall schön sein (lacht).

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Frage: Wie werden Sie die Mannschaft auf Argentiniens Superstar Lionel Messi vorbereiten und wie muss man spielen, damit man dann Weltmeister wird?

Löw: Wir müssen wissen, dass wir die eigenen Stärken wieder ins Spiel bringen müssen. Wir müssen unser Spiel durchbringen, mit unseren Waffen kämpfen, dann hat jeder Gegner irgendwie auch Probleme. Wir müssen mutig sein, natürlich auch versuchen, unser Spiel nach vorne zu machen, ohne die Defensive zu vergessen. Messi kann keiner alleine ausschalten, das wird nicht möglich sein. Wir werden auch keinen Spieler abstellen, der Messi in Manndeckung nimmt. Jeder, der in der Defensive in seiner Nähe ist, ist sein persönlicher Gegenspieler. Wir wollen keinen Manndecker gegen Messi, der dann auch für unser Spiel nicht mehr zu gebrauchen ist.

Frage: Sie haben ja noch einen langfristigen Vertrag als Bundestrainer. Aber wenn Deutschland jetzt Weltmeister werden würde, wäre das vielleicht auch ein Zeitpunkt, an dem man zurücktreten könnte...

Löw: Ich habe auf jeden Fall einen Vertrag bis 2016. Aber ich weiß ja nicht, was nach dem Spiel passiert. Vielleicht kommt der Präsident und schmeißt mich raus. Das hat es alles schon gegeben und mal sehen, was dann nach dem Spiel sein wird (lacht).

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