Löw macht bei dieser WM alles richtig. Im Finale kann er seine Karriere krönen. Der Titel muss nicht sein Schlusspunkt sein.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Rio de Janeiro - Beim Sommermärchen war er als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann dabei.

Er stand mit dem DFB-Team als Bundestrainer in einem EM-Endspiel und zwei WM-Halbfinals. Am Sonntag will sich Joachim Löw seinen Traum erfüllen.

Im WM-Finale im Estadio Maracana von Rio de Janeiro kann er seine Karriere krönen und das schaffen, was Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer vorgemacht haben: die deutsche Nationalmannschaft zum WM-Titel führen und die Fans in Deutschland in einen Freudentaumel stürzen.

Fanmeilen motivieren

"Ich habe der Mannschaft diese Bilder gezeigt von den Fanmeilen, wie die Fans alle jubeln, wie sie sich freuen, wie glücklich sie sind, wenn wir ein Tor erzielen", sagt Löw im Gespräch mit SPORT1: "Natürlich wollen die Fans jetzt den Titel. Die wollen, dass wir den Pott mitbringen - und wir werden das machen." (Löw im Interview: "Wir bringen den Pott mit")

Löws Selbstbewusstsein ist nicht gespielt. Er weiß, wie stark seine Mannschaft ist und er weiß, dass er bisher bei dieser WM bislang immer die richtigen Entscheidungen getroffen hat.

Doch im Finale gegen Argentinien (So., ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) muss er mit der DFB-Elf noch diesen einen entscheidenden Schritt machen.

Oft in der Kritik

Für den 54-Jährigen wäre es der Höhepunkt seines Schaffens und zugleich eine große Genugtuung, auch wenn er es selbst so wahrscheinlich nicht ausdrücken würde.

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Seit dem verlorenen Halbfinale der EM 2012 gegen Italien stand Löw immer wieder in der Kritik. In entscheidenden Spielen würde er sich verzocken, hieß es. In der Vorbereitung und während der WM hat Löw teilweise hoch gepokert, aber am Ende bisher immer die richtige Karte zum richtigen Zeitpunkt gespielt.

Er machte Toni Kroos zum Kopf im Mittelfeld, er begann mit Philipp Lahm im Mittelfeld und dosierte zunächst die Einsätze der zuvor lange verletzten Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira. Als beide fit waren, versetzte er Lahm in die Abwehr.

Er setzte auf Benedikt Höwedes als Linksverteidiger, was zunächst Staunen bis Entsetzen hervor rief. Doch der Schalker überzeugte in der Defensive nach anfänglichen Problemen und hat als einziger Spieler neben Lahm und Manuel Neuer bisher alle Partien über die volle Zeit absolviert.

Allen Widerständen zum Trotz

"Jogi hat da eine sehr mutige und am Ende erfolgreiche Entscheidung getroffen. Von dem her muss man sagen, der Star des Turniers ist eigentlich Jogi Löw", sagt Olaf Thon, Weltmeister von 1990, im SPORT1-Interview ("Löw ist der Star des Turniers").

Sämtliche Schachzüge des Bundestrainers gingen bisher voll auf. Allen Widerständen von außen zum Trotz. (199554ZUM DURCHKLICKEN: Joachim Löws Karriere in Bildern)8679041 /media/_redaktion2012/sportarten_2/fuball20132014/wm2014/dfbteam_12/trainer_15/Joachim_Loew_Deutschland_Brasilien_300.jpg

"Die Stärke von Jogi ist, dass er sehr gefestigt ist und seine Linie hat", erklärte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff am Freitag und nannte einen weiteren Grund für Löws Erfolg: "Er spricht mit den Spielern und das ist bei dieser Generation sehr gut."

Gefestigte Einheit

Die Spieler zahlten Löw das Vertrauen zurück, wuchsen während der WM zu einer gefestigten Einheit zusammen und lieferten im Halbfinale eine Glanzleistung ab. Doch das 7:1 gegen Brasilien (BERICHT: Finale! DFB-Team schreibt Geschichte) hat im Endspiel gegen Argentinien keinen Wert.

"Das war ein Spiel, das war fantastisch und wir sind auch mit Lob und Superlativen überhäuft worden", sagt der Bundestrainer: "Aber es ist eben auch gefährlich, wenn man glaubt, dass es so weitergeht ohne irgendwelche Probleme."

Löw hat trotz vieler Probleme das Optimum aus seiner Mannschaft herausgeholt. Das Fehlen wichtiger Spieler wie Marco Reus oder Ilkay Gündogan wurde im Kollektiv kompensiert. "Erfolg ist ein Puzzlespiel, aber Jogi hat einen sehr großen Anteil daran", meint Bierhoff.

Das DFB-Team zählt die Stunden:

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Frage nach Löws Zukunft

Am Sonntag im Maracana kann Löw sein Meisterstück machen und den WM-Pokal in den Händen halten. Wer Löw in den vergangenen Jahren als Bundestrainer erlebt hat, der weiß, dass er diesen Augenblick für sich genießen würde.

"Es fällt in so einem Moment bestimmt auch ein immenser Druck ab. Ich gehe nicht davon aus, dass er wild über den Platz rennt", sagt Bierhoff.

Wie das Finale auch enden wird, danach wird die Frage nach Löws Zukunft wieder in den Fokus rücken. "Ich habe auf jeden Fall einen Vertrag bis 2016. Aber ich weiß ja nicht, was nach dem Spiel passiert", erklärt er.

Thon lobt Löw

Vor der WM vermuteten viele, Löw werde nach dem Turnier aufhören. Doch nun ist eine Zukunft mit Löw durchaus vorstellbar.

"Ich wünsche mir auch, dass er weitermacht, weil er eine so fabelhafte Leistung hingelegt hat", sagt Thon, "Und ich glaube, dass sein Weg noch nicht beendet ist und er Spaß daran hat, das Team noch weiter zu verbessern. Der WM-Titel muss noch nicht das Ende sein."

Doch zunächst muss Löw diesen Titel erst einmal gewinnen.

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